Du wartest auf ein Ergebnis. Vielleicht auf einen Befund, vielleicht auf die Rückmeldung zu einer Bewerbung, vielleicht auf ein Gespräch, das dein Leben verändern könnte. Und während du wartest, ist dein Kopf zu einem Ort geworden, an dem du dich selbst zermürbst. Du spielst jede Möglichkeit durch. Du suchst nach Anzeichen. Du fragst dich zum zwanzigsten Mal, was es bedeutet, dass die Antwort noch nicht da ist. Nicht das mögliche schlechte Ergebnis quält dich am meisten. Es ist das Nicht-Wissen selbst.
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Für manche ist dieses Nicht-Wissen fast unerträglich. Sie greifen zu allem, was ein bisschen Gewissheit verspricht, auch wenn es sie am Ende noch nervöser macht. Wenn du dich darin erkennst, dann geht es dir wie vielen, und es lohnt sich, genauer hinzusehen, was da eigentlich passiert.
Der Kopf hält Ungewissheit für Gefahr
Dein Gehirn liebt Vorhersagbarkeit. Es will wissen, was kommt, weil es sich dann vorbereiten kann. Eine offene, ungewisse Lage behandelt es fast so, als wäre sie schon eine Bedrohung. Solange nicht feststeht, wie etwas ausgeht, bleibt dein System in Habachtstellung, und diese Anspannung fühlt sich furchtbar an. Sie will aufgelöst werden.
Der schnellste Weg, sie loszuwerden, scheint das Grübeln zu sein. Wenn du nur lange genug nachdenkst, so das unausgesprochene Versprechen, findest du vielleicht doch noch die eine Antwort, die dich beruhigt. Also drehst du die Situation von allen Seiten, wieder und wieder. Nur passiert dabei etwas Tückisches. Das Grübeln liefert dir keine Sicherheit, es simuliert sie nur. Für einen kurzen Moment fühlt es sich an, als würdest du etwas tun, als hättest du ein Stück Kontrolle zurück. In Wahrheit drehst du dich im Kreis und fütterst die Anspannung, die du eigentlich loswerden willst.
Dieses Drehen im Kreis kennt einen eigenen Namen, sorgen, die sich im Kreis drehen zeigt, wie du aus dieser Grübelfalle wieder herausfindest.
Denn die Wahrheit ist unbequem: Bei den meisten Dingen, die dir wirklich wichtig sind, kannst du das Ergebnis vorher nicht wissen. Kein noch so gründliches Nachdenken bringt dir die Gewissheit, wie der Befund ausfällt oder ob der Mensch dich zurückliebt. Die Sicherheit, nach der du suchst, existiert an dieser Stelle einfach nicht. Und je länger du sie suchst, desto tiefer gräbst du dich in die Unruhe ein.
Woran du das Muster erkennst
Die Angst vor Ungewissheit trägt viele Kostüme, und oft merkst du gar nicht, dass sie es ist, die dich antreibt. Vielleicht liest du zum fünften Mal dieselbe Nachricht, um in den Worten eine versteckte Bedeutung zu finden. Vielleicht fragst du deine Freundinnen immer wieder dasselbe, in der Hoffnung, dass eine von ihnen dir endlich sagt, dass alles gut wird. Vielleicht triffst du Entscheidungen lieber gar nicht, weil jede Festlegung ein Risiko bedeutet, und schiebst und schiebst, bis der Zustand des Nicht-Entscheidens selbst zur Last wird.
Häufig ist es die Geschichte, die dein Kopf sich dazu ausdenkt, die dich mehr lähmt als die Lage selbst. Dein Verstand erzählt dir Geschichten zeigt, warum Gedanken keine Tatsachen sind.
Auch das ständige Absichern gehört dazu. Du planst für jeden denkbaren Fall vor, du bereitest dich auf Szenarien vor, die vermutlich nie eintreten, du versuchst, jede Überraschung im Voraus abzufangen. Von außen sieht das nach Umsicht aus. Von innen ist es oft der Versuch, ein Gefühl loszuwerden, das sich nicht loswerden lässt. Denn egal wie viel du planst, ein Rest Ungewissheit bleibt immer. Das Leben gibt keine Garantien aus.
Dieses ständige Absichern ist oft nur eine feinere Form von Vermeidung, der Teufelskreis der Vermeidung zeigt, warum genau dieses Ausweichen die Angst über die Zeit eher größer macht.
Die eigentliche Aufgabe
Hier liegt die Wende, und sie ist zuerst enttäuschend. Der Weg heraus führt nicht über mehr Gewissheit, sondern über eine andere Beziehung zur Ungewissheit selbst. Du wirst nicht lernen, die Zukunft zu kennen. Du kannst aber lernen, das Nicht-Wissen auszuhalten, ohne dass es dich zerreißt. Das klingt nach wenig und ist doch alles.
Stell dir vor, du würdest Ungewissheit nicht länger als Notfall behandeln, den du sofort beheben musst, sondern als einen Zustand, in dem du dich aufhalten kannst, ohne zu handeln. Ein Gefühl von Unsicherheit taucht auf, und statt sofort zu grübeln, abzusichern oder nachzufragen, bemerkst du es einfach. Da ist Unsicherheit. Sie ist unangenehm. Und sie muss nicht sofort weg. Allein diese Haltung nimmt dem Ganzen die Schärfe, denn du hörst auf, gegen etwas anzukämpfen, das sich nicht besiegen lässt.
In der Verhaltenstherapie zeigt sich immer wieder, dass die Toleranz gegenüber Ungewissheit wächst, wenn du sie in kleinen Dosen übst, statt ihr auszuweichen. Jedes Mal, wenn du eine offene Frage stehen lässt, ohne sie sofort zu klären, machst du eine Erfahrung: Ich habe es nicht gewusst, und ich habe es trotzdem überlebt. Diese Erfahrung sammelt sich an. Nach und nach lernt dein System, dass Ungewissheit nicht dasselbe ist wie Gefahr.
Kleine Schritte, das Aushalten zu üben
Fang bei etwas Kleinem an. Wenn dich der Drang packt, eine Nachricht sofort noch einmal zu lesen oder sofort nachzufragen, dann warte bewusst ein paar Minuten. Spür, wie die Unruhe ansteigt, und beobachte, dass sie von allein wieder abflaut, auch ohne dass du etwas tust. Genau das ist die Lektion, die dein Kopf braucht. Die Anspannung geht vorbei, ganz von selbst, wenn du sie nicht mit Grübeln fütterst. Manchen hilft es, diesem Prozess auch körperlich nachzuspüren, gerade unterwegs im Auto oder in der Bahn, wenn das Warten besonders schwerfällt. Der Moonbird (Atemtrainer) (Werbung) wurde genau für solche Momente entwickelt, in denen du lernen willst, Anspannung bewusst auszuhalten statt ihr sofort auszuweichen, und mit dem Rabattcode SABINEBIMMLER bekommst du ihn vergünstigt.
Es hilft auch, deine Aufmerksamkeit dahin zu bringen, wo du wirklich etwas tun kannst. Bei der offenen Frage kannst du nichts entscheiden, das Ergebnis liegt nicht in deiner Hand. Aber das, was jetzt gerade vor dir liegt, liegt sehr wohl in deiner Hand. Der Abwasch, der Anruf bei einer Freundin, der Spaziergang. Dich dem Greifbaren zuzuwenden, ist keine Ablenkung im billigen Sinn. Es ist die Entscheidung, deine Kraft dorthin zu lenken, wo sie etwas bewirkt, statt sie an eine Frage zu verschwenden, die sich heute nicht beantworten lässt.
Und wenn dein Kopf partout weitergrübeln will, dann darfst du ihm freundlich, aber bestimmt begegnen. Du musst nicht jedem Gedanken folgen, nur weil er auftaucht. Du kannst ihn bemerken, ihn ziehen lassen und deine Aufmerksamkeit wieder in die Gegenwart holen. Beim ersten Mal wird das nicht klappen, beim zwanzigsten schon eher. Es ist Übung, keine Begabung.
Zum Weiterhören
In Podcast-Folge #29 „Diffuse Ängste endlich auflösen“ geht es um genau jene unbestimmte Anspannung, die das Nicht-Wissen in dir auslöst, und darum, wie du ihr begegnen kannst, ohne dich in ihr zu verlieren. Hier geht's zur Folge.
Das Leben will nicht kontrolliert, sondern gelebt werden
Vielleicht ist der tröstlichste Gedanke der, dass niemand die Kontrolle hat, die du dir wünschst. Auch die Menschen, die gelassen wirken, wissen nicht, wie ihre Geschichten ausgehen. Sie haben nur aufgehört, es wissen zu müssen. Sie tragen dieselbe Ungewissheit wie du, sie kämpfen bloß nicht mehr so verbissen dagegen an.
Ungewissheit gehört zum Leben, wie das Wetter zum Himmel gehört. Du kannst es nicht bestellen und nicht wegdenken. Was du kannst, ist einen Regenschirm mitnehmen und trotzdem hinausgehen. Nicht, weil du weißt, dass es trocken bleibt, sondern weil das Leben draußen stattfindet und nicht in der sicheren Wohnung deines Kopfes.