Da ist dieses Ziehen im Bauch, das gestern noch nicht war. Und kaum hast du es bemerkt, ist es das Einzige, worauf du noch achtest. Du tastest die Stelle ab, du fragst dich, ob es schlimmer wird, du überlegst, was es sein könnte. Am Abend hast du längst im Internet nachgesehen, und was du dort gefunden hast, hat alles nur schlimmer gemacht. Die Nacht schläfst du schlecht, weil dein Kopf sich immer weiterdreht.
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Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du damit nicht allein, und du bist auch nicht überängstlich oder hysterisch, auch wenn du dich manchmal so fühlst. Die Sorge um die eigene Gesundheit ist eine der menschlichsten Ängste überhaupt. Heute möchte ich mit dir anschauen, woher sie kommt und wie du wieder einen ruhigeren Umgang mit ihr findest.
Warum dein Körper dich so leicht in Sorge versetzt
Zunächst ist es gut zu wissen, dass ein wachsamer Blick auf den Körper an sich etwas Sinnvolles ist. Er hat die Menschen über Jahrtausende beschützt. Wer Warnzeichen ernst nahm, überlebte eher. Insofern ist deine Aufmerksamkeit für Beschwerden nicht dein Feind, sondern im Kern eine schützende Kraft.
Sie kann aber überschießen. Dein Körper sendet den ganzen Tag über kleine Signale. Ein Ziepen hier, ein Druck dort, ein Herzstolpern, ein Kribbeln. Die allermeisten davon sind völlig harmlos und nur das normale Rauschen eines lebendigen Körpers. Solange du sie nicht beachtest, verschwinden sie von selbst. Sobald du aber mit deiner ganzen Aufmerksamkeit auf eine Stelle horchst, wird sie größer. Die Anspannung, die durch die Sorge entsteht, verstärkt viele Empfindungen sogar körperlich. Der verspannte Nacken schmerzt mehr, der nervöse Magen zwickt stärker. So entsteht ein Kreis, in dem die Angst die Beschwerden nährt und die Beschwerden die Angst.
Ähnlich funktioniert dein Körper auch bei einer Panikattacke, was dabei in dir passiert und wie du ihr den Schrecken nimmst, liest du bei Wenn der Körper Alarm schlägt.
Der Griff zum Handy macht es oft schlimmer
Fast jede Frau kennt diesen Reflex. Kaum ist das Symptom da, tippst du es in die Suchmaschine, und Sekunden später stehen dort die schlimmsten Möglichkeiten. Das Internet gibt dir auf jede harmlose Beschwerde auch die bedrohlichste Erklärung, und dein aufgeschreckter Kopf greift ausgerechnet nach dieser. Was als Beruhigungsversuch beginnt, endet fast immer in noch mehr Angst.
Wie dein Kopf aus wenigen Anhaltspunkten ganze Dramen webt und wie du lernst, ihm nicht alles zu glauben, liest du bei Dein Verstand erzählt dir Geschichten.
Das Gleiche gilt für das ständige Abtasten und Kontrollieren. Es fühlt sich an, als würdest du dir damit Gewissheit verschaffen, aber in Wahrheit hältst du die Sorge dadurch am Leben. Jede Kontrolle beruhigt dich nur für einen kurzen Moment, und dann kommt der Zweifel zurück, oft stärker als zuvor. Dein Kopf lernt, dass die Sache offenbar so gefährlich ist, dass sie ständige Überwachung braucht. Und so wird aus einer kleinen Sorge eine, die immer mehr Raum in deinem Tag einnimmt.
Wie du aus so einer Gedankenschleife wieder herausfindest, liest du bei Sorgen, die sich im Kreis drehen.
Der Unterschied zwischen Vorsicht und Angst
Jetzt magst du dich fragen, wo denn die vernünftige Grenze liegt. Schließlich willst du reale Warnzeichen ja nicht übersehen. Das ist ein berechtigter Gedanke, und er zeigt schon den Weg. Vernünftige Vorsicht sieht anders aus als die Angst. Vorsicht führt dich zu einer klaren Handlung. Du bemerkst etwas, das über eine Weile bleibt oder sich verändert, und du machst einen Termin bei der Ärztin. Danach kannst du es ruhen lassen, weil du das Deine getan hast.
Die Angst dagegen kommt nie zur Ruhe. Sie lässt sich auch von einer guten Untersuchung nur kurz beschwichtigen und findet bald die nächste Sorge. Wenn du beim Arzt warst, alles in Ordnung ist, und du trotzdem nach zwei Tagen wieder in derselben Angst steckst, dann hast du es weniger mit einer körperlichen Frage zu tun als mit einem ängstlichen Muster, das eine Bühne sucht. Das zu erkennen ist kein Grund zur Scham. Es ist der erste Schritt, um anders damit umzugehen.
Wenn du dieses Muster besser verstehen und Schritt für Schritt aus ihm herausfinden möchtest, kann ein Ratgeber wie Angst vor Krankheiten überwinden (Werbung) dich mit vielen konkreten Übungen begleiten.
Was dir Schritt für Schritt hilft
Der wirksamste und zugleich schwerste Schritt ist, das Kontrollieren und Nachforschen bewusst sein zu lassen. Nicht, weil deine Sorge unbegründet wäre, sondern weil das ständige Prüfen die Angst füttert. Du darfst dir vornehmen, ein Symptom eine Weile einfach da sein zu lassen, ohne es zu googeln und ohne es alle zehn Minuten abzutasten. Das fühlt sich zuerst fast unerträglich an, weil dein Kopf nach der gewohnten Beruhigung schreit. Aber genau in diesem Aushalten liegt die Veränderung. Die Angst steigt an, erreicht einen Gipfel und fällt dann von selbst wieder ab, wenn du sie nicht immer neu anfeuerst.
Es kann auch helfen, der Sorge einen festen Rahmen zu geben, statt sie den ganzen Tag mitlaufen zu lassen. Ein paar Frauen kommen gut damit zurecht, sich eine feste Regel zu setzen:
- Ein Symptom, das über zwei Wochen bleibt oder deutlich schlimmer wird, bringst du zur Ärztin. Alles darunter darf erst einmal in Ruhe beobachtet werden.
Diese eine klare Verabredung mit dir selbst nimmt viel Druck heraus, weil du nicht mehr bei jedem Zwicken neu entscheiden musst. Du hast eine Regel, an die du dich hältst, und dazwischen darfst du der Sache Zeit geben.
Wenn die Sorge dich gerade fest im Griff hat
In einem akuten Moment, wenn die Angst hochkocht und dein Herz schneller schlägt, nützt kein kluges Argument. Dein Körper ist dann im Alarmzustand, und der hört nicht auf Vernunft. Was in solchen Augenblicken hilft, ist, dich sanft aus dem Kopf zurück in die Gegenwart zu holen. Spür deine Füße auf dem Boden, schau dich im Raum um und benenne innerlich ein paar Dinge, die du siehst. Atme ein wenig länger aus, als du einatmest, ein paar Züge lang. Das ist kein Trick, um die Angst wegzuzaubern, sondern ein Signal an deinen Körper, dass gerade keine Gefahr im Raum ist.
Und dann darfst du der Sorge fast wie einem aufgeregten Kind begegnen. Du musst ihr nicht jeden Schrecken glauben, und du musst sie auch nicht wegschimpfen. Du kannst innerlich sagen, dass du sie hörst, dass du gut auf dich aufpasst und dass du diese eine Empfindung jetzt erst einmal da sein lässt, ohne sofort das Schlimmste anzunehmen. Mit der Zeit merkt dein Kopf, dass die gefürchtete Katastrophe ausbleibt, und die Wellen der Angst werden flacher.
Zum Weiterhören
In Podcast-Folge #52 „Die übermäßige Angst, krank zu sein“ geht es ausführlich um genau diese hypochondrischen Ängste und darum, wie du wieder mehr Vertrauen in deinen Körper findest. Hier geht's zur Folge.
Wenn die Angst tiefer sitzt
Manchmal ist die Angst um die Gesundheit nur die Spitze von etwas Größerem. Dahinter kann eine tiefere Sorge stecken, vor dem Älterwerden, vor Kontrollverlust, vor dem Gedanken an das Ende. Das sind schwere Themen, und es ist verständlich, dass dein Kopf sie lieber in ein greifbares Symptom übersetzt, als sie unmittelbar zu spüren. Ein konkreter Knoten scheint fassbarer als die große, unbestimmte Angst dahinter.
Wenn du merkst, dass die Sorge um deinen Körper einen immer größeren Teil deines Lebens einnimmt, dass du Termine meidest oder im Gegenteil von einer Untersuchung zur nächsten läufst, dann darfst du dir dabei Unterstützung holen. Eine Ärztin deines Vertrauens oder eine psychologische Begleitung kann dir helfen, den Kreis zu unterbrechen. Das ist kein Eingeständnis von Schwäche. Es ist ein Weg, dir dein Leben ein Stück zurückzuholen, das die Angst dir gerade streitig macht.
Und im Alltag darfst du dich immer wieder daran erinnern, dass dein Körper die meiste Zeit ganz still und zuverlässig für dich arbeitet. Er trägt dich durch die Tage, ohne dass du es merkst. Die kleinen Signale, die dich erschrecken, sind fast immer nur Zeichen dafür, dass er lebt. Du darfst ihm ein Stück mehr vertrauen, als die Angst dir gerade einreden will.