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Stress Folge 14 · 30. Januar 2019 · 23 Min
Cover: Akzeptanz und Bereitschaft sind so wichtig

Akzeptanz und Bereitschaft sind so wichtig

0:00 23 Min

Worum geht's?

Der Wunsch deine Gefühle und Gedanken zu kontrollieren führt dich immer wieder in eine Sackgasse? Die Folge beschreibt die Alternative zu dieser „Kontrollagenda". Akzeptanz und Bereitschaft – so sollten wir alle unseren unangenehmen Gefühlen und Gedanken gegenübertreten. Dann verlieren sie ihre Macht und ihren Einfluss. Du wirst dich befreit und erleichtert fühlen und hast mehr Kraft für die wichtigen Dinge. Hör' doch mal rein.

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Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit. 

Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.

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Hey, hallo, herzlich willkommen bei reif für die Couch, dem Podcast für alle Erschöpften, die wieder zu Kräften kommen möchten. Wenn das auf dich zutrifft, bist Du hier richtig. Und hier erfährst Du ganz praktische Tipps, Anregungen, bekommst Impulse aus der psychotherapeutischen Praxis und aus dem systemischen Coaching. Mein Name ist Sabine Bimmler. Ich bin Psychotherapeutin mit 1 Praxis im Kölner Westen.

Ich arbeite seit 20 Jahren als Coach in der Wirtschaft und durfte schon viele Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung begleiten. Es ist mir eine Freude, dass Du heute hier bist. Heute möchte ich mit dir über 2 Themen sprechen. Einmal über die Akzeptanz und über die Bereitschaft. Akzeptanz und Bereitschaft und warum diese beiden Dinge so wichtig sind für deinen Veränderungsprozess, in dem Du grade bist.

Fangen wir an mit 1 Definition von psychisch gesund. Ich frage in der Therapie recht häufig, wenn jemand neu bei mir ist, sind Sie psychisch krank? Sind Sie psychisch gesund? Und wenn ja, wie definieren Sie das eigentlich? Was ist psychisch gesund?

Und ich stelle immer wieder fest, dass Menschen sagen, sobald, wie sie unter unangenehmen Gefühlen und Gedanken leiden, die sie nicht abstellen können, so wie Sie das wollen, halten Sie sich für psychisch nicht gesund. Das heißt auch, Ihr Beschrieben ist, möglichst schnell diese Gedanken und Gefühle abzuschalten, unter Kontrolle zu bringen. Die sogenannte Kontrollagenda. Ich erlebe unangenehme Dinge und ich möchte das beenden. Vielleicht kennst Du diesen Gedanken auch von dir.

Meint, wenn Du unter Ängsten leidest, wenn Du viele Selbstzweifel hast, oft traurig bist, Du möchtest das beenden. Du hast wahrscheinlich auch schon einiges versucht, diese Zustände zu beenden und es hat nicht nachhaltig geklappt. Sonst würdest Du dich ja nicht mit dem Gedanken tragen, eine Therapie zu machen und hier zuzuhören. Oder Du hast Dinge gefunden, die ganz gut funktionieren, die Dinge unter Kontrolle zu bringen, aber die sind nicht so einfach durchzuhalten, weil sie wahnsinnig anstrengend sind. Bei der Angst ist das oft die Vermeidung.

Wir vermeiden dann ganz viel, was uns lieb und teuer ist. Wir verzichten auf ganz viel und trotzdem bleibt die Angst. Oder sie kommt direkt wieder, wenn wir uns alten Situationen, zum Beispiel beruflichen Situationen stellen. Die Einschränkungen sind einfach zu groß. Ich möchte dir an dieser Stelle mal wieder von 1 Patientin erzählen, die bei mir in Behandlung war.

Das war die Nicole. Nicole ist 30 Jahre alt und sie hatte einen recht anstrengenden Job. Sie arbeitet beim Fernsehen und sie reist durch die Welt und zwar für einen Nachrichtensender. Und sie reist in viele Krisengebiete. Dort erlebte sie schlimme Dinge, sehr bedrohliche, lebensbedrohliche Situationen.

Sie sah viel Leid, viele Menschen, die unter den Kriegsfolgen gelitten haben. Und sie sah sich oft Militärs gegenüber, also wirklich viele Situationen, die für sich genommen schon ein Trauma auslösen können. Und es ging aber alles gut und sie war wieder zurück in Deutschland und saß an ihrem Schreibtisch und machte ihre Arbeit, dokumentierte ganz viel. Und plötzlich tauchten die Ängste am Schreibtisch auf. Und zwar insbesondere die Angst, einen Fehler zu machen.

Das führte dazu, dass sie Dokumente wieder und wieder durchlesen musste. Immer wieder, weil sie das Gefühl hatte, wenn ich hier einen Fehler mache, dann passiert etwas ganz Schlimmes. Meine Kollegen werden mich dafür hassen. Ich werde meinen Job verlieren. Meine Existenz geht den Bach runter.

Und diese Angst, diese Gedanken konnte sie nicht aushalten, sodass sie immer weiter angefangen hat, zu kontrollieren. Schriftstücke manchmal sieben-, acht-, neunmal durchgegangen ist, sicher zu sein, dass auch ja nicht mehr der kleinste Fehler drin war, den man ihr irgendwie zum Vorwurf machen konnte. Das war wahnsinnig anstrengend. Und als sie zu mir kam, war sie schon unglaublich erschöpft und die Ängste drohten, auch auf ihr Privatleben überzugreifen. Auch das Wohnung aufräumen, Dinge in der Wohnung in Ordnung halten, war plötzlich zu einem ja, fast zwanghaften Thema geworden.

Nicole fühlte sich nicht psychisch gesund. Sie hatte Angst, durchzudrehen und verrückt zu werden. Und sie wollte diese Gefühle, diese Gedanken, die sie quälten, schnellstmöglich unter Kontrolle bringen. Das war ihre Kontrollagenda. Leider ist sie damit in eine Falle getappt, weil das Ganze ein Trugschluss ist.

Es ist ihr nämlich nicht gelungen, die Dinge unter Kontrolle zu bringen. Und so musste sie sich mehr und mehr anstrengen und die Ängste und die unangenehmen Gefühle und Gedanken breiteten sich mehr aus. Jetzt kam sie zu mir und uns beiden war relativ schnell klar, sie muss etwas anders machen. Sie muss etwas anderes versuchen, weil die Kontrollagenda nicht funktionieren wird. Das kennst Du bereits aus vorherigen Folgen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Menschen keine Kontrolle über einen großen Teil ihrer Gedanken, Emotionen und Körperreaktionen haben. Das sind Dinge, die laufen unbewusst ab, die passieren einfach, die können wir nicht kontrollieren. Und in dem Moment, wo ich versuche, sie unter Kontrolle zu bringen, kriegen diese unangenehmen Themen erst richtig Energie. Der Gefühls- und Gedankenstrudel geht erst so richtig los und so war es ja auch bei Nicole. Die Angst breitete sich aus.

Ein weiteres Problem der Kontrollagenda, wenn Du in dieser Bemühungen bist, auf der Flucht bist vor deinen Gefühlen und Gedanken, richtest Du dich nicht mehr an deinen Werten aus. Du steuerst nicht mehr irgendwohin, wo Du eigentlich gerne hin möchtest, sondern Du läufst einfach nur noch blindlinks vor etwas davon. Und tust alles Mögliche, diesen Gefühlen und den Gedanken auszuweichen. Aber die Richtung kann dabei gar keine Rolle mehr spielen, sondern Du willst einfach nur weg. Du willst einfach nur, dass es aufhört.

Und so verlierst Du deine Werte, nach denen Du eigentlich leben möchtest, wie Du dein Leben möchtest, immer mehr aus dem Fokus. Du kannst dir kaum noch Ziele setzen. Du kannst auch keine Herausforderungen mehr annehmen. Du ziehst dich immer mehr zurück und gehst, machst deinen Handlungsspielraum immer kleiner, weil Du da die Dinge noch kontrollieren kannst. Die meisten Dinge, die mit werteorientiert orientiertem Handeln verbunden sind, bringen auch unangenehme Gefühle mit sich.

Stell dir einmal vor, Du willst früher Feierabend machen, deine Kinder heute Abend noch zu sehen. Es kann sein, dass dein Chef dich dafür anpfeift. Das kann sein und das wird unangenehme Gefühle mit sich bringen. Aber das ist dir wahrscheinlich wert, wenn Du sagst, ich habe meine Kinder in letzter Zeit sehr selten gesehen. Ich möchte heute Abend zu Hause sein.

Oder Du willst jemandem helfen im Büro, der gemobbt wird. Und dann gerätst Du selbst in den Mittelpunkt von Anfeindungen. Auch hier hast Du werteorientiert gehandelt, aber Du hast dich trotzdem gut gefühlt und Du tust das im vollen Bewusstsein. Du nimmst dieses Risiko auf dich, weil es dein Wert ist, jemand anders zu unterstützen, der in so eine unfaire Notlage gekommen ist. Wenn Du aber erst mal in diesem Fluchtmodus bist, dann ist all das nicht mehr möglich.

Dann bist Du nur noch damit beschäftigt, diesen Gefühlen auszuweichen und deine Werte, die Art, wie Du leben willst, geraten völlig in den Hintergrund. Die Kontrollagenda zwingt dich dazu, deinen eigenen Handlungsbereich stark einzubremsen. Die Folge ist klar, Du verlierst an Lebensqualität, dein Leben verliert an Vitalität und damit nehmen weitere unangenehme Gefühlszustände natürlich zu. Und da haben wir wieder einen klassischen Teufelskreis. Wenn das passiert und Du wieder weiter auf die Flucht auf der Flucht bist, wirst Du noch mehr Energie in die Flucht investieren und Du wirst am Ende immer mehr unangenehme Gefühlszustände ernten.

Du bist sozusagen einmal in die Falle getappt und dann in einem Teufelskreis. Warum halten wir überhaupt an dieser Kontrollagenda so fest? Warum können wir uns nicht einfach davon lösen? In anderen Lebensbereichen funktioniert diese Kontrollagenda ganz gut. Zudem suggeriert uns unser Leben drum herum, ey, wenn wir uns nur 'n bisschen anstrengen und wenn wir alles 'n bisschen ruhig und gelassen machen, dann können wir uns wahnsinnig gut fühlen.

Es gibt da im Englischen, ich find es ganz süß, son Begriff, heißt das. Ne, das ist sone gesellschaftliche Geschichte. Dann sehen wir andere Menschen, bei denen wir den Eindruck haben, das klappt. Die reißen sich 'n bisschen zusammen und die haben das alles unter Kontrolle. Was wir sehen, sind aber nur Fassaden anderer Menschen.

Denn die wenigsten reden gern über ihre Ängste dahinter. Du wärst überrascht, wenn Du mal mit anderen, die dir sehr stark, sehr entschlossen, sehr zufrieden vorkommen, reden würdest, was alles in deren Kopf vorgeht. Und warum halten wir noch an der Kontrollagenda fest? Kurzfristig haben wir sogar kleine Erfolge zu verzeichnen mit unseren Bemühungen. Und ich hatte das schon mal erklärt, vom Mechanismus her reichen unserem Gehirn sozusagen kleine Erfolge schon als Lernverstärker.

Also Kontrolle ist das Problem, nicht die Lösung. Die Situation an sich, in der Du dich befindest, ist nicht hoffnungslos. Aber deine Kontrollagenda als Lösungsversuch ist hoffnungslos. Du bist in eine Falle deines Verstandes getappt und Du musst aus der Falle heraustreten. Gib den Kampf gegen deine unangenehmen Gefühle und gegen deine Gedanken auf, akzeptiere sie.

Akzeptanz ist eine Alternative zur Kontrollagenda. Wieder bitt ich dich, auf dich selbst zu schauen und dir folgende Fragen zu stellen. Gegen welche inneren Reaktionen kämpfst Du grade an? Auf welche Weise tust Du das? Welche Kämpfe, Mechanismen hast Du etabliert, die Kontrolle zu behalten?

Und was ist bislang dabei herausgekommen? Fragen, die Du sicherlich jetzt nicht gleich ad hoc während des Hören des Podcasts beantworten kannst. Aber Fragen, die wichtig sind, damit Du auch für dich noch einmal nachfolziehst, wie hoffnungslos dieser Mechanismus der Kontrollagenda eigentlich ist. Und diese Hoffnungslosigkeit musst Du fühlen, damit Du bereit bist für die Alternative und dich öffnest. Was ist die Alternative?

Wende dich deinen unangenehmen Gefühlen und Gedanken zu und zwar in 1 annehmenden, nicht wertenden Haltung. Akzeptiere deine Gedanken und Gefühle so, wie sie grade sind. Das heißt nicht, dass Du im Außen Situationen, die dir nicht bekommen, aushalten musst. Aber deine Gedanken und Gefühle dazu, die musst Du in einem ersten Schritt aushalten lernen. Akzeptiere das, was Du grade innerlich erlebst.

Sei bereit zu fühlen, was Du fühlst. Erlaube den unangenehmen Gefühlen und Gedanken einfach da zu sein. Du bist nicht dein Gefühl. Du hast ein Gefühl. Und wenn Du in diese Denkweise einsteigst, kannst Du vielleicht jetzt schon eine gewisse Entlastung und Befreiung fühlen, weil die Kontrollagenda so anstrengend ist und nicht die gewünschten Erfolge bringt.

Geh in die Akzeptanz, erlaube deinen unangenehmen Gefühlen und Gedanken da zu sein und mach dir klar, es ist nur ein Gefühl, es ist nur ein Gedanke. So, ich muss mal kurz überlegen, wie ich jetzt die Überleitung mache. Ich mach sie einfach. Ich hatte ja gesagt, es gibt 2 Themen, über die ich reden möchte. Das eine ist die Akzeptanz und das andere ist die Bereitschaft.

Und so würd ich jetzt gerne einmal über die Bereitschaft reden. Bereitschaft ist ein Alles oder nichts Konzept. Entweder ich bin bereit oder ich bin nicht bereit. Stell dir vor, Du stehst auf einem Zehnmeterbrett. Entweder Du bist bereit zu springen, dann springst Du oder Du bist nicht bereit zu springen, dann zögerst Du und gehst eventuell wieder runter.

Ein bisschen bereit sein geht nicht. Entweder Du bist bereit oder Du bist es nicht. Ich würde dir empfehlen, diese Haltung der Bereitschaft deinen Gefühlen gegenüber einzunehmen. Sag dir, ich bin bereit zu fühlen, was ich fühle. Ich bin bereit zu fühlen, was ich fühle.

Bei Nicole, ich geh noch mal auf das Beispiel, war's die Angst. Die Angst, abgelehnt zu werden von den Kollegen. Die Angst, den Job zu verlieren. Die Angst, die eigene Existenz dranzugeben. Diese Angst, dafür konnte Nicole bereit sein.

Und das haben wir im Rahmen der Therapie geübt. Das war der Weg. Und es hat mehrere Anläufe gebraucht und es war nicht leicht, aber das war das, was Nicole in ihrem therapeutischen Prozess gelernt hat. Die Bereitschaft, der Angst entgegenzutreten und sie auszuhalten und zu akzeptieren, sie anzunehmen, das war der Schlüssel für sie, mit diesem Gefühl anders umzugehen. Mit diesem Gefühl zu sein und nicht dieses Gefühl unter Kontrolle bringen zu wollen.

Bereitschaft und Akzeptanz sind eine Alternative zur Kontrollagenda. Bereit sein heißt nicht, etwas zu wollen. Man kann auch bereit sein, etwas auszuhalten, auch wenn man das nicht gewollt hat. Es gibt da dieses kleine Gedicht von Franz von Assisi. Herr, geborene mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.

Die Gelassenheit, das Unabänderliche zu ertragen und die Weisheit, zwischen diesen beiden Dingen die rechte Unterscheidung zu treffen. Konzentriere Du dich auf das, was veränderbar ist. Und das ist deine Bereitschaft. Und das ist deine Haltung der Akzeptanz. Richte dich mehr an deinen Werten aus und vergiss den Plan, Unangenehmes vermeiden zu wollen.

Und ich garantiere dir, Du wirst weniger unangenehme Gefühle und Gedanken haben. Ich würde dir das gern noch mal an einem Beispiel deutlich machen. Stell dir einfach mal vor, Du hast 2 Thermostate vor dir. Da gibt es also so Thermostate wie von der Heizung, wenn man die Temperatur einstellt. Du kannst die von links nach rechts drehen.

Die höchste Stufe ist die 10 und die niedrigste Stufe ist die 0. In deinem Fall sind das aber keine Temperaturregler, sondern das Linke ist ein Gefühlsregler. Also wenn Du zum Beispiel ein Angstthermostaten vor dir hast und Du merkst in bestimmten Situationen, unsere Nicole sitzt am Schreibtisch und soll das Dokument abschicken und der Angstthermostat schlägt aus auf 8 oder 9. Und sie versucht sofort, die Angst runterzustellen. Auf eine 1 oder auf eine 2, indem sie sich versichert, dass bestimmt keine Fehler drin sind und indem sie das Dokument wieder und wieder liest, damit sie auf den kleinsten Fehler findet.

Sie versucht, den Angstregler runterzustellen. Das gelingt vielleicht ganz kurzfristig und dann wie von 1 unsichtbaren Hand, sobald sie das Dokument das das letzte Mal gelesen hat, springt der Regler wieder auf 8 und sie hat wieder das Gefühl, sie muss es noch mal lesen, sie muss es noch mal kontrollieren. Nun gibt es aber noch einen zweiten Regler daneben, denn der Gefühlsregler ist nicht zu kontrollieren. Der 2. Regler, den Du daneben findest, sieht ganz genauso aus, ist der sogenannte Bereitschaftsthermostat.

Und mit diesem kannst Du die Höhe deiner Bereitschaft einstellen, ein bestimmtes Gefühl zuzulassen und anzunehmen. Eine hohe Einstellung wie 1 8, 9 oder 10 bedeutet, ja, ich bin bereit, dieses Gefühl zu haben, diesen Gedanken zu denken, diese Erinnerung zuzulassen. Eine niedrige Einstellung bedeutet, nein, ich will das nicht. Wenn ich mich so fühle, wenn ich den Gedanken mir im Kopf habe, werde ich sofort etwas dagegen unternehmen. Zwischen den Gefühl, zwischen dem Gefühls- und den Bereitschaftsthermostaten gibt es einen ganz wichtigen Unterschied.

Während Du den Gefühlsthermostaten nicht im Griff hast, er verstellt sich immer wieder von selbst, je nachdem, in welcher Situation Du bist. Ist der Bereitschaftsthermostat von dir selber einstellbar, auf hoch oder auf niedrig? Es liegt also an dir. Du hast die Wahl und Du hast die Kontrolle über deinen Bereitschaftsregler. Und dann gibt es da dieses Geheimnis, was so wichtig ist.

Weil zwischen dem Gefühls- und dem Bereitschaftsregler besteht eine unsichtbare Verbindung, denn die beiden sind miteinander verschaltet. Wenn Du den Bereitschaftsregler hoch einstellst, schwankt der Gefühlsthermostat zwischen hohen und niedrigen Werten abhängig von der Situation, in der Du dich befindest und von den Erfahrungen, die Du in der Vergangenheit gemacht hast mit ähnlichen Situationen. Gefühle kommen und gehen, unangenehme wie angenehme. Der Gefühlsregler verstellt sich je nach Situation von allein. Wenn Du aber deinen Bereitschaftsregler immer niedrig eingestellt hast, tendiert der Gefühlsthermostat grundsätzlich nach oben.

Vielleicht nimmst Du dir die Abbildung aus den Shownotes noch zur Hand zu dieser Folge und stellst dir diese beiden Regler noch mal vor. Das ist so wichtig, wenn Du innerlich dein Bereitschaftsregler, ein Gefühl oder einen Gedanken auszuhalten, auf ganz niedrig stellst, dann wird sich dein Gefühlsregler automatisch in die Bereiche von 8, 9 und 10 bewegen. Und das fast durchgängig in allen möglichen Situationen. Und es werden immer mehr Situationen werden beim Angstregler, wo er in diese Höhe tendiert. Und das ist so wichtig, dass Du sagst, hey, ich konzentrier mich jetzt auf meine Bereitschaft.

Ich halte diese Gedanken und diese Gefühle aus, weil es nur Gedanken und Gefühle sind, die erst mal keine Macht haben. Die bringen zwar jede Menge Energie mit, weil sie zum Beispiel Körpersymptome bei dir auslösen wie Angst. Das kann Angst unheimlich gut. Sie geht dir auf die Atmung, aufs Herz Kreislauf System. Aber wenn Du sie sein lässt, dann verschwinden Gefühle.

Gefühle schwächen sich nach, wenn Du sie nicht weiter befeuerst innerlich, ja? Wenn Du also in der Bereitschaft sehr hoch bist, dann schwächen sich Gefühle nach etwa 3 Minuten automatisch ab, weil dein System registriert, okay, es macht keinen Sinn. Ich brauch die ganze Energie nicht, die zum Beispiel mit der Angst verbunden ist. Und nach 10 Minuten hat dein Gesamtsystem sich reguliert. Wenn Gefühle sein dürfen, gehen sie von ganz alleine wieder.

Steht mein Bereitschaftsregler oder dein Bereitschaftsregler ganz niedrig, dann befinden sich deine Gefühle immer im hohen Ausschlagsbereich und sind ganz leicht zu reizen von äußeren Umständen. Deswegen mein Appell, konzentrier dich auf deine Bereitschaft. Akzeptanz und Bereitschaft als Alternative zur Kontrollagenda. Das hat bei Nicole wunderbar funktioniert. Sie hat super mitgearbeitet, hat ganz viele Hausaufgaben gemacht, hat sich ganz viel Situationen ausgesetzt, ganz viel aufgeschrieben.

Und ich wünsche mir, dass auch Du diese Energie findest. Und mit diesem Schlussappell sage ich heute danke, dass Du hier warst und dir die Zeit genommen hast, etwas für dich zu tun und etwas mehr über deine Gefühle zu verstehen. Und wenn dir die Folge gefallen hat, teil sie gerne. In diesem Sinne einen wunderbaren Tag. Ich sage tschüs, deine Sabine.

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