Aus der Resilienz Forschung wissen wir, wie Menschen schwierige Situationen möglichst unbeschadet durchstehen. Die Erkenntnisse lassen sich eins zu eins auf den Umgang mit Schmerzen übertragen. In dieser Folge erkläre ich dir, wie du deinen Umgang mit Schmerzen verändern kannst, damit du dich ihnen nicht ausgeliefert und überfordert fühlst.
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Hey, hallo. Herzlich willkommen bei Reif für die Couch, dem Podcast für alle Erschöpften, deren Leben besser werden darf. Mein Name ist Sabine Bimmler und ich möchte heute mit dir über das Thema Schmerz reden. Mein Fokusthema in den letzten Wochen, wenn Du mir auf Social Media, Facebook, Instagram folgst, dann weißt Du das schon, weil ich mich grade jetzt ausgelöst durch die Corona Rückenschmerz, ja, Explosion, so würde ich's fast nennen, mit dem Thema Rückenschmerzen noch mal beschäftigt habe und mich entschieden habe, meine Erkenntnisse aus der Schmerztherapie und mein, ja, Arbeitserfahrung im Schmerzbereich hier einfließen zu lassen. Wenn Du Lust hast, mehr darüber zu erfahren, es gibt ein Webinar am fünfzehnten Fünften.
Du kannst dich anmelden dafür auf meiner Homepage, Sabine Bimmner Punkt d e. Da gibt's einen Reiter oben rechts. Und ja, der die Podcastfolge heute ist ein kleiner Vorgeschmack auf das Webinar und so kommen wir heute zu dem Thema, das Leben stellt uns Aufgaben und wie wir dem Schmerz begegnen können. Kontrolle des Schmerzes ist nicht die Antwort. Also, das Leben stellt uns Aufgaben.
Ja, Resilienzforschung hat gezeigt, wie Menschen durch schwierige Zeiten kommen. Das finde ich immer wieder sehr beeindruckend. Und zwar gibt es da ganz viele Interviews, die man mit Menschen geführt hat, die in sehr schwierigen Lebenssituationen waren, zum Beispiel Menschen, die in Konzentrationslagern waren. Und man hat sie befragt und versucht, Gemeinsamkeiten zu finden dieser Menschen, wie sie durch diese unmenschlich schwierigen Zeiten durchgekommen sind. Und es hat sich eine, ja, Sache gezeigt und das ist sozusagen die Interpretation dieser Menschen, dass das Ganze, was sie dort erleben, irgendeinen größerem Zweck dient, irgendetwas Gutes hat.
Vielleicht für sie auf individueller Ebene, aber vielleicht auch übergeordnet. Und das find ich, ist auch ein Gedanke, der vielen Menschen jetzt durch diese Coronazeit ja helfen kann. Dieser Gedanke, anscheinend mussten wir jetzt dieses Jahr Pandemie oder vielleicht auch anderthalb Jahre Pandemie, vielleicht mussten wir dieses, was uns da alles begegnet ist, was sich bei uns im im Regierungsbereich gezeigt hat, was sich im gesellschaftlichen Bereich gezeigt hat. Vielleicht mussten wir all dieses erleben, damit wir einen Impuls bekommen, dass wir uns als Gesellschaft, dass wir uns als Menschen verändern. Also vielleicht ist auch all das für irgendetwas gut, was wir jetzt noch nicht sehen können, aber vielleicht wird danach vieles besser.
Vielleicht wird das Gesundheitssystem besser, vielleicht wird die Bezahlung von Pflegekräften besser, vielleicht wird unser Umgang unsere Wertschätzung für ältere Menschen besser. Dieses Thema hilft uns auch beim Schmerz und deswegen erwähne ich es hier. Weil die Frage ja ist, wenn ich mit chronischen Schmerzen zu tun habe oder mit starken Schmerzen zu tun habe, der Gedanke sehr tröstlich sein kann, dass dieser Schmerz aus einem guten Grund zu mir gekommen ist und dass er irgendeine Botschaft mitbringt, die wiederum Impuls für eine Veränderung ist, die auch für mich irgendetwas besser machen kann. Ich schweige ganz bewusst mal kurz, weil mit dem Satz muss man erst mal arbeiten. Da muss man sich erst mal reinbegeben, weil der natürlich viele Widerstände weckt.
Ich kann mir vorstellen, wenn Du lange Zeit schon mit Schmerzen und Beschwerden zu tun hast, dass Du sagst, ja, für was soll das gut sein, Sabine? Was redest Du da für ein Mist? Und tatsächlich finde ich's gut, wenn Du sehr kritisch mit diesem Satz in den Austausch gehst, weil der ist nicht einfach zu verdauen, weil er für viele Menschen eine komplette Veränderung ihrer Haltung in Krisen bewirkt. Und ich glaube aber und die Resilienzforschung zeigt, dass das das ist, was Menschen gut durch Krisen durchkommen lässt, sodass sie dann doch relativ unbeschadet verändert, aber unbeschadet aus Krisen hervorgehen. Ich würd gern deinen Blick beim Thema Schmerz auch noch auf eine andere, auf einen anderen Aspekt lenken, der oft Schmerzpatienten auch gar nicht so klar ist.
Also Schmerz ist Schmerz und Leid ist Leid. Der Schmerz ist eine, ja, Körpersensation, die, ja, Schmerz mit sich bringt, die halt wehtut. Wenn wir aber anfangen, gegen den Schmerz zu kämpfen, etwas gegen den Schmerz unternehmen, dann entsteht häufig noch mehr als der Schmerz, nämlich zusätzliches Leid. Weil es uns nämlich vielleicht nicht gelingt, den Schmerz unter Kontrolle zu bringen, weil es uns nicht gelingt, irgendwo medizinische Hilfe zu finden, die das Problem sofort für uns löst. Und je mehr wir uns anstrengen, den kurzzeitigen Effekt Schmerzvermeidung zu ja, hinzukriegen, desto frustrierter sind wir, wenn wir damit nicht zum Ziel kommen.
Die Akzeptanz- und Commitmentherapie ist auch hier für mich ein Teil der Lösung. Wenn Du in meiner Facebook Gruppe bist, bekommst Du ja schon ganz viele Impulse dazu, wie man in der Akzeptanz- und Therapie mit Dingen anders umgeht. Und dann weißt Du auch schon, dass Kontrolle des Schmerzes nicht die Antwort ist, wenn wir uns die Frage stellen, wie lebt man ein Leben, was man als lebenswert empfindet? Und dieser Spruch, den Du wahrscheinlich auch kennst, gib mir den Mut, die Dinge zu verändern, die ich ändern kann. Gib mir die Fähigkeit, die Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann.
Und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden ist ganz, ganz wichtig. Und Schmerz kann in 1 Art und Weise auftreten, wenn er chronisch ist, wo er nicht mehr veränderbar ist. Und das heißt nicht, dass Du resignieren sollst und nicht vielleicht die Augen aufhalten sollst nach neuen medizinischen Lösungen, die doch noch mal eine Veränderung bringen können. Es heißt erst mal, dass Du annehmen sollst, dass es jetzt keine medizinische Lösung für diesen Schmerz gibt und dass Du dich mit dem Schmerz beschäftigst, den Schmerz in dein Leben integrierst, ja, ein Werte zu erzählen, die nach 1 jahrelangen Migräne, ja, Odyssé, nenn ich das mal, zu mir gekommen ist. Die in Schmerzkliniken war, die spezialisierte Mediziner besucht hat, die Physiotherapie, die Osteopathie, die Akupunktur, Kortisonbehandlung, alles Mögliche gemacht hat, dem Migraineschmerz zu entkommen.
Und tatsächlich blieb die Migräne relativ hartnäckig Teil ihres Lebens. Und es vorwegzunehmen, auch wir beide haben im Therapieraum es nicht geschafft, die Migräne aus ihrem Leben zu entfernen. Was wir aber geschafft haben, ist erst mal die Migräne als ein Teil ihres Lebens anzunehmen. Und was ihr danach gelungen ist, ist ihren Blick auf das zu richten, was in ihrem Leben wichtig ist, wenn grade keine Migräne Teil ihres Lebens war. Also die Zeit, die außerhalb der Migräne blieb, so zu nutzen, so zu gestalten, dass sie das Gefühl hatte, mein Leben ist wertvoll.
Ich kann in meinem Leben Dinge tun, die mir wichtig sind. Ich bin zufrieden. Und das kann tatsächlich unter anderem Psychotherapie leisten, dass man in die Akzeptanz kommt des Schmerzes, in die Akzeptanz des unangenehmen Zustands, den man nicht lösen kann und den Fokus wieder öffnet, die Anstrengung loslässt, die Kontrolle loslässt und dahin guckt, wo es wieder darum geht, wie kann ich denn damit glücklich und zufrieden sein? Und wenn Du jetzt denkst, ja, aber Sabine, das erklärst Du doch so ungefähr mit den Emotionen so ähnlich, ja genau, weil die Akzeptanz- und Commitmentherapie das für alle unangenehmen Zustände gleich definiert. Kontrolle ist nicht die Lösung.
Weder Kontrolle über Schmerz noch Kontrolle über Wut noch Kontrolle über Angst, sondern es geht eher darum, gemeinsam mit dem unangenehmen Zustand, mit dem unangenehmen Gefühl einen Weg zu finden und trotzdem ein wertvolles, ein werteerfülltes Leben zu führen. Psychotherapie im Bereich Schmerz kann aber tatsächlich auch etwas anderes ja, tun, lösen. Weil Schmerzerleben häufig durch mentale Skripte sehr stark beeinflusst ist. Also Du fängst an, wenn Du mit dem Schmerz kämpfst, dir sehr rigide Regeln zu setzen. Also ich darf dies und jenes nicht tun, weil Und wenn dann aber trotzdem vielleicht der Schmerz kommt oder die Migräne kommt, dann bist Du selbst schuld, weil Du hast ja die und die Regeln nicht berücksichtigt.
Und dieses Regelkorsett, was Menschen sich dann bauen, irgendwie Sicherheit zu kriegen, irgendwie das Gefühl zu haben, ich habe einen Einfluss darauf, wie es mir geht. Dieses Bedürfnis, Selbstwirksamkeitserleben liegt in jedem von uns. Aber dieses Regelwerk wird häufig sehr, sehr eng. Und wenn Du dann mit Menschen sprichst, die viel mit, ah ja, die mit 1 schweren Erkrankung zu tun haben, die viel mit Schmerzen zu tun haben, dann wirst Du dich wundern, wie eng Leben tatsächlich wird. Und in diesem Regelkonstrukt gibt es Verstrickungen und Du hast es vorhin schon gehört, Schuldzuweisungen, innere Kritik, die zusätzlich wiederum Stress aufbauen.
Und dem Patienten ist das gar nicht so bewusst. Wenn Du betroffen bist, ist dir das auch nicht bewusst. Diese Regeln erst mal herauszuarbeiten und sich klarzumachen, in was für einem, ja, komplexen Regelwerk man sich da überhaupt bewegt und sich steuert und sich reguliert. Das hat wenig zu tun mit Freiheit, mit sich spüren, dem eigenen Bedürfnis nachgehen. Sondern es ist sehr eng, sehr, ja, autoritär angelegt.
Und auch das kann Psychotherapie leisten. Erst mal zu verstehen, dass es da dieses Regelwerk gibt, dieses Regelwerk zu hinterfragen und einen Weg zu finden, wie ich mit sehr engen Regeln anders umgehen kann. Wie ich vielleicht Regeln verdünnen kann, aufweichen kann oder infrage stellen kann, weil sie einfach sinnlos sind. Also diese mentalen Skripte, so nennen wir das, die es da häufig gibt, auch die kann man im psychotherapeutischen Kontext angucken und es ist für viele ein echter, ja, Gamechanger im Englischen. Dieses ganze Thema der Vermeidung, was Du vielleicht aus dem Bereich der Ängste schon kennst, wenn Du diesen Podcast verfolgst, ist tatsächlich auch bei Schmerz ein großes Thema.
Wenn Du dich viel ja so bewegst, dass Du möglichst schmerzvermeidend unterwegs bist, dann bestimmt der Schmerz sehr über dein Leben. Und wer schon mal akute Rückenschmerzen hat, der kennt das. Man bewegt sich ja dann quasi auch körperlich sehr roboterhaft, bloß den Schmerz nicht auszulösen. Was aber dann dazukommt, ist, es kommt ganz viel Anspannung ins System. Die anderen Muskeln machen dicht, weil unsere Bewegungsabläufe unrund werden und wir uns in bestimmte Positionen geradezu reinzwingen, die aber wiederum ja, unser Wohlbefinden alles andere als steigern.
Das heißt, wir verursachen jede Menge Kollateralschäden im Körperlichen, wenn wir so agieren. Und mit der Psyche ist das genauso. Wenn wir da in die Vermeidung kommen und wir nur noch uns, ja, so bewegen, dass wir keinen Schmerz mehr auslösen, kein unangenehmes Gefühl mehr auslösen, dann sitzt der Schmerz sozusagen am Steuer und bestimmt über unser ganzes Leben. Und das macht auf der Gefühlsebene ein Gefühl, der des Ausgeliefertseins, was kaum auszuhalten ist. Dann fängst Du an, vielleicht schnell Medikamente zu nehmen, kurzfristig Erleichterung zu kriegen, schaffst dir aber andere Probleme.
Du verlierst Aktivitäten und Hobbys aus dem Auge. Du verlierst Dinge aus dem Auge, die dir eigentlich Spaß machen. Der der Schmerz beherrscht dann sozusagen alles. Er beherrscht dein ganzes Leben und viele Menschen kommen auch an den Punkt, dass sie das Gefühl haben, aber so will ich gar nicht leben. Weil ich bin nicht mehr selbstbestimmt.
Ich bin so eingeschränkt. Und Du siehst schon, da gibt es auch zu dem verbalen mentalen Skript, zu dem Regelwerk Überschneidungen. Also die Themen, die ich hier anspreche, Kontrolle ist nicht die Antwort. Vermeidung gibt dem Schmerz zu viel Macht, mentale Skripte müssen angeschaut und gegebenenfalls umgeschrieben oder mit mehr Flexibilität angewandt werden. All das greift ineinander in der psychotherapeutischen Schmerzbehandlung und kann sehr individuell für den einen oder anderen in unterschiedlichsten Kombinationen eine ganz positive Wirkung entfalten.
Weil man das mittlerweile weiß, ist in Schmerzkliniken die Psychotherapie, die Psychologie immer mit an Bord. Also da ist das Team der Behandler immer interdisziplinär. Da gibt es den klassischen Mediziner, dann gibt es jemanden aus dem Bereich Physiotherapie, Osteopathie. Und mittlerweile gibt es auch immer jemanden aus dem Bereich Psychologie und Psychotherapie. Weil man weiß, was man mental bei der Schmerzbearbeitung, bei der ja, bei dem Umgang mit schweren Erkrankungen überhaupt leisten kann.
Und Du kannst dir vorstellen, wenn wir noch mal ganz zurückkommen auf den Anfang des Interviews, auf die Resilienzforschung, die viele Menschen interviewt hat, die in ganz schweren Lebenssituationen waren, in traumatischen Lebenssituationen. Und man herausgefunden hat, was ist es denn, was die Leute da hat mit wenig Schaden oder sogar unbeschadet durchgehen lassen durch diese Zeit? Die Antworten, die man da gefunden hat, waren häufig eher psychologischer und mentaler Natur. Es ging häufig die Einstellung, die innere Haltung, die man zu dem kritischen Ereignis entwickelt hat. Und dabei kann einem in der Regel der Mediziner nur wenig helfen.
Der Physiotherapeut, der Osteopath, die können das natürlich, wenn sie in diese Richtung denken, aber im Sinne der ganzheitlichen Medizin braucht es eben noch unsere Fachrichtung, Psychologie, Psychotherapie, dem Patienten ein Gesamtpaket zur Verfügung zu stellen, mit dem er ja, arbeiten kann und wo er sich seine hilfreichen Maßnahmen rauspicken kann. Wenn Du da Interesse hast, multimodale Schmerztherapie ist das Stichwort, was Du dazu einmal in die Suchmaschine eingeben kannst. Wie gesagt, am fünfzehnten Fünften gibt es das Webinar, wo ich dir gerne noch mal etwas zum Thema Schmerz erkläre, wo wir auch noch mal auf das Thema Werte, wertvolles Leben gucken und ja, einige Aspekte mehr bearbeiten, als das heute hier in dieser Podcastfolge möglich ist. Ich hoffe, ich hab dich neugierig gemacht. Du kannst dich gerne anmelden auf meiner Homepage und ich bin gespannt auf deine Rückmeldung zu dieser Folge.
Schreib mir gerne und ich sag mal, bis bald.
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