Ich bin weit davon entfernt die aktuelle Corona Situation schön zu reden. Trotzdem treibt mich mein Herzensthema an: Mentale Gesundheit. Wie kannst du jetzt deine Routinen und Gewohnheiten ändern, um in bessern Kontakt mit dir selbst zu kommen? Das Hamsterrad steht still. Nutze das aus, um dich neu und anders auszurichten. Es wartet ein Leben auf dich, das du deinen Bedürfnissen entsprechend gestaltest.
Leg los. ich freue mich auf dich! Deine Sabine
Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit.
Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.
Vollständiges Transkript · 1.945 Wörter · etwa 10 Minuten. Automatisch aus der Audio erstellt — kleine Fehler sind möglich.
Hey, hallo. Herzlich willkommen bei reif für die Couch, dem Podcast für alle Erschöpften, deren Leben besser werden darf. Mein Name ist Sabine Bimmler, ich bin Psychotherapeutin aus Köln, systemischer Coach und ich hoste diesen Podcast. Wieder einmal möchte ich mich bedanken für eure vielen Zuschriften. Tatsächlich merke in dieser besonderen Zeit, dass es mehr wird, dass es mehr Bedarf an Austausch und Beratung gibt.
Und ich bin da natürlich gerne an deiner Seite, an eurer Seite und freue mich über all die Anfragen, Themenwünsche und Rückmeldungen, die mich erreichen. Die heutige Folge geht tatsächlich auch auf diese Gespräche zurück und es ist kein einzelner Themenwunsch, sondern es ist eher so eine Zusammenfassung von vielen Gesprächen, die ich im Augenblick führe, im Rahmen der Onlineberatung oder auch im Rahmen der Psychotherapie in meiner Praxis. Die Folge hab ich genannt, Hamsterrad Full Stop. Weil das ist das, was viele von uns im Augenblick so erleben und da schließ ich mich auch ein. Durch den Lockdown sind wir in 1 ganz besonderen Situation und ich ja spreche jetzt vor allen Dingen über die, die plötzlich im Homeoffice sitzen, Homeschooling haben, mit ihren Kindern reduziert und zurückgeworfen sind auf die Familie.
Das ist eine ganz besondere Situation und ich find Hamsterrad Full Stop, das ist ein Zitat 1 meiner Klienten, bringt es für mich sehr gut auf den Punkt. Das hier wird keine Folge, in der dir erzähle, dass Corona eigentlich ganz toll ist und für uns alle eine Riesenchance birgt. Tatsächlich glaube ich da nicht dran, weil es sind einfach zu viele Existenzen, die gefährdet sind, die kaputtgehen werden. Für meinen persönlichen Geschmack sind einfach zu viele Ängste und Schrecken im Raum, die geschürt werden durch unterschiedlichste Zahlen und Geschichten. Mich besorgt, dass unsere Grundrechte mit Füßen getreten werden Und im Prinzip hab ich nicht genug Infos, zu beurteilen, was wirklich, ja, da draußen los ist, was angemessen ist, was nicht angemessen ist.
Von daher, das ist keine Zeit, die ich irgendwie versuche, schönzureden. Und trotzdem, vor diesem Hintergrund dieser besonderen Situation betrachte ich natürlich mein Herzensthema. Und das sind Menschen und ihre mentale Gesundheit. Und das tue ich mit dieser Folge, weil es einfach Zeit ist, innezuhalten, zu prüfen und zu schauen und dazu möcht ich dir heute Anleitung geben. Viele Menschen, die in meine Praxis kommen, schon vorher, aber auch jetzt, stellen fest, dass sie ihr Leben im Autopiloten leben.
Manchmal formuliere ich das auch so, sie werden gelebt. Aufstehen, Frühstück, gegebenenfalls die Kinder dazwischen fertig machen, zum Job gehen. Der Job ist oft mäßig erfüllend, es gibt viele Konflikte mit Kollegen. Dann ist der Job irgendwann zu Ende, Feierabend und je nach Geschmack eher passiv vor den Fernseher oder eher aktiv noch 'n kleine Trainingseinheit für die Bombenfigur oder den Marathon. Vielleicht auch weitere Pflichten familiärer Natur, Haushalt, funktionieren, funktionieren, funktionieren.
Dann irgendwann zusammen fallen, auf dem Sofa oder im Bett schlafen, am nächsten Tag aufstehen, weiter geht's das Gleiche noch mal. Essen zwischendurch, Freude zwischendurch, eher unbewusst und wenig achtsam. Wenn man das über Jahre gemacht hat und vielleicht erkennst Du dich zumindest in Teilen wieder in dieser Art zu leben, dann wirst Du irgendwann feststellen, es geht dir nicht gut. Dein Körper und deine Seele senden dir immer mehr Notsignale, weil man beim Leben im Autopilot innerlich verhungert. Denn das Leben geht ganz häufig an unseren Grundbedürfnissen, über die ich schon so oft gesprochen hab, vorbei.
Die aktive Gestaltung des Lebens anhand von Werten, die einem wichtig sind, anhand von Zielen, die man sich gesetzt hat, anhand der eigenen Bedürfnisse, häufig Fehlanzeige. Ich würde dir eine Geschichte vorlesen, die Du vielleicht schon kennst, die es für mich aber sehr schön auf den Punkt bringt. Und das ist die Geschichte von einem Fischer und einem Manager, die sich irgendwo am Meer treffen. Ein Fischer irgendwo am Meer fährt jeden Tag mit seinem kleinen Fischerboot hinaus. Er fängt 2 Fische und kehrt am Mittag wieder zurück zu seiner Familie.
Gemeinsam grillen sie die Fische am Strand und verbringen anschließend die Zeit miteinander. Irgendwann kommt ein Manager, irgendein hoher Unternehmer vorbei und macht im Dorf des Fischers Ferien. Er beobachtet den Fischer für ein paar Tage und wundert sich, warum der Fischer immer nur mit 2 Fischen zurückkommt. Ganz der Unternehmer, der er isst, geht er irgendwann zum Fischer und fragt diesen, warum er eigentlich immer nur 2 Fische fange und ob dann da draußen denn nicht mehr zu angeln wären. Die Antwort des Fischers ist, dass es selbstverständlich mehr Fische gäbe, aber dass ja die 2 Fische, die er täglich fange, genug seien für ihn und seine Familie.
Daraufhin schlägt der Unternehmer Folgendes vor, Du kannst doch trotzdem mehr Fische fangen und die übrigen dann einfach verkaufen. Der Fischer fragt zurück, was er denn davon hätte. Worauf der Unternehmer ihm mitteilt, dann kannst Du mit dem Verkauf der übrigen Fische noch zusätzlich Geld verdienen. Der Fischer fragt wieder, und was mach ich dann mit dem zusätzlichen Geld? Du kannst irgendwann vielleicht sogar Mitarbeiter anstellen.
Erneut wundert sich der Fischer und fragt, und was mach ich dann mit den Mitarbeitern? Na ja, mit mehr Mitarbeitern kannst Du dann noch mehr Fische fangen und diese verkaufen und damit noch mehr Geld verdienen, antwortet der Manager. Aber auch hier erkennt der Fischer den Wert noch nicht. Und er fragt wieder, und dann? Und dann hast Du vielleicht eine eigene Fabrik, ein wirklich großes Unternehmen und Du kannst viel mehr verkaufen und verdienen, erwidert der Manager.
Und was habe ich davon, fragt der Fischer wieder. Tja, irgendwann, dann verdienst Du vielleicht so viel Geld, dass Du gar nicht mehr arbeiten musst. Das wäre doch toll, ruft der Manager begeistert aus. Und wenn ich dann nicht mehr arbeiten muss, kann ich dann machen, was ich will? Hocherfreut, dass der Fischer nun scheinbar verstanden hatte, antwortet der Manager, ja, absolut.
Du musst nicht mehr arbeiten und kannst tun und lassen, was Du willst. Kann ich dann auch jeden Tag mit meinem Boot rausfahren, 2 Fische für mich und meine Familie fangen, diese zum Mittagessen grillen und den Nachmittag dann mit meiner Frau und den Kindern am Strand verbringen und die Zeit genießen? Ja, all das kannst Du tun, bestätigt der Manager. Nachdenklich schaut der Fischer ihn an und antwortet schließlich, aber genau das mache ich doch jetzt schon jeden Tag. Ja, eine symbolische Geschichte für ein Thema, dem wir ja, alle begegnen.
Nämlich unser Glück, unsere Zufriedenheit, das, was unseren Bedürfnissen entspricht, erst einmal zu opfern für die Idee, dass es später besser wird. Und mach mit der Geschichte, was Du willst. Lass sie auf dich wirken, kauen bisschen drauf rum. Vielleicht kanntest Du sie, dann reaktivier ich nur was, was vielleicht schon in deinen Gedanken aktiv ist. Aber so ist unser Leben häufig gestrickt.
Wir brauchen erst den Job, den wir uns wünschen, dann das Haus, in dem wir gerne leben möchten oder die Wohnung, das Designersofa. Oder wir müssen erst ganz viel arbeiten, damit wir in der Rente unser Leben genießen können. Ja, der Fischer, dem ist sehr klar, was er möchte und was ihm wichtig ist. Und jetzt kommen wir mal zurück zu diesen besonderen Zeiten. Weil wenn die Zeit, dieser Hamsterrad Modus etwas bietet, dann ist es die Möglichkeit für dich innezuhalten, dich, dein Leben, deine Bedürfnisse, all das, was Du tust, einmal zu sortieren.
Deinen Hamsterrad anzuschauen, es mal aufzuschreiben und dir anzuschauen, welche Ergebnisse Du mit dem Hamsterrad erreichst. Und wir sind natürlich wieder ganz schnell an deiner Wertethematik und die Frage, wie willst Du leben? Was ist dir wirklich wichtig? Der Vorteil, den diese ja, Coronaauszeit zusätzlich bietet, ist, dass sie wie ein Brennglas funktioniert. Sie hält auf verschiedenste Dinge noch mal wie eine Lupe drauf.
Ich geborene dir ein Beispiel. Eine Patientin, mit der ich kürzlich sprach, haderte schon lange mit ihrem Job und mit ihrem Führungsteam und war aber tatsächlich auf dem Weg, sich in dieses Führungsteam zu entwickeln. Und jetzt in der Krise hat sie die Möglichkeit, dieses Führungsteam aus 1 Distanz heraus zu betrachten. Zu gucken, wie funktionieren die eigentlich wirklich? Wie agieren die jetzt in der Krise?
Und für sie wird durch diese Lupe völlig offensichtlich, dass sie in dieses Führungsteam nicht hineinpasst. Und sie hat für sich relativ schnell jetzt die Klarheit gewonnen, dass sie diesem Karrierefahrt nicht weiter verfolgen wird. Wir sehen einfach deutlicher, was grade los ist. Und so hab ich auch in Gesprächen immer wieder die Beziehungsthematik. Menschen, die in Beziehungen ausharren schon lange Zeit und eigentlich wissen, dass das nicht der Partner ist, mit dem sie weiter das Leben verbringen möchten.
Und diese Krisenzeit holt genau das noch mal hervor. Sie arbeitet messerscharf raus im Alltag, warum eigentlich die Passung in diesem Paar nicht mehr gegeben ist. Und dann wird es auch schwieriger, wegzuschauen und weiter auszuharren. Du siehst also deutlicher in der Krise. Die Lupe hilft dir, noch klarer zu erkennen, was gerade in deinem Leben so los ist und ja, was betrachtenswert und veränderungswert ist.
Eine Warnung an dieser Stelle, der Zustand ist jetzt ja schon über 4 Wochen alt. Und Du weißt, es dauert ungefähr 4 Wochen 30 Tage, bis sich neue Routinen im Leben bilden. Das heißt, der Ausnahmezustand wird schon bald Routine für uns sein und schon wieder wird es schwieriger für dich, innezuhalten und hinzuschauen, weil plötzlich ist ein neues Hamsterrad etabliert. Das besteht dann aus Themen, die wir vorher so nicht hatten, aber es wird schwieriger, aus der Distanz draufzuschauen. Nutze die Zeit.
Wir sind ja dabei vermutlich, muss ich sagen, langsam zur Normalität, wie auch immer die aussehen, wird zurückzukehren. Wir können wieder etwas mehr einkaufen, Geschäfte machen auf Eine gute Zeit, sich neu zu sortieren und genau hinzuschauen. Und sei bitte nicht enttäuscht, wenn dein Prozess noch nicht sehr weit ist. Du musst nicht fertig sein mit deinem Prozess. Du kannst diesen Hamsterrad Modus als Startschuss für dich nehmen, zu schauen, wie geht es mir eigentlich in meinem Leben?
Was ist mir wichtig? Was muss ich vielleicht klären? Wo muss sich eine Veränderung herbeiführen? Worauf möcht ich zukünftig verzichten? Worauf möcht ich mich reduzieren?
Und so kannst Du bewusster zu 1 neuen Normalität zurückkehren. Und zwar zu 1 Normalität, die Du gestaltest. Ein Leben, von dem Du entscheidest, wie Du es lebst und nicht ein Leben, von dem Du gelebt wirst. Und ich sag noch mal, wenn Du dich jetzt erst mal in den letzten Wochen zurechtgeruckelt hast, zurechtgefummelt hast, das ist nicht schlimm. Sei nicht enttäuscht, dass Du vielleicht noch nicht so weit bist, dass Du Klarheit gewonnen hast.
Aber nimm diese Krise, dieses Anhalten der Welt zum Anlass, genau hinzuschauen und dich zu fragen, was will ich wirklich? Und zwar nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen. Wenn wir das alles nur durchdenken, dann bekommen wir oft sehr verkopfte Antworten. Aber Du weißt, ich bin ein großer Fan des Spürens. Das heißt, dein Herz, dein Körper signalisieren dir schon, was für dich das Richtige ist, das Wichtige ist.
In diesem Sinne möcht ich dich ermutigen, Hamsterrad zu nutzen, dir dein Hamsterrad für die nächste Zeit umzugestalten oder es sogar zu schaffen, gar in einem Hamsterrad zu laufen, sondern ganz bewusst dein Leben zu gestalten. Sollte dir die Folge gefallen haben, lass mich das wissen. Ich freu mich auf einen Austausch mit dir. Du kannst mir eine E-Mail schreiben. Du kannst mir eine Bewertung für den Podcast schreiben.
Ich freue mich total, wenn Du mit mir in den Kontakt triffst. In diesem Sinne sage ich für heute tschüs. Es ist ein wundervoll sonniger Tag da draußen. Genieße ihn Spaziergängehilfen beim Denken ungemein und ich sage hier bis zum nächsten Mal.
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