Wer am Hochstapler-Syndrom oder Impostor-Syndrom leidet, der fühlt sich im Job unzulänglich, verbunden mit dem Gefühl aufzufliegen. Was dahinter steckt und was kann man tun? Warum bekommt man dieses Syndrom überhaupt? An einem Patientenbeispiel erzähle ich dir von einem Therapieprozess voller Ressourcen und einem ganz wunderbaren Ergebnis. Mehr Selbstwertgefühl und eine hilfreiche Denkweise sind auch hier der Schlüssel zu mehr innerer Gelassenheit.
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Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit.
Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.
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Hey, hallo, herzlich willkommen bei reif für die Couch, dem Podcast für alle hoste diesen Podcast, bin Psychotherapeutin mit Praxis in Köln. Und heute wird das Thema wieder auf einen Zuhörerwunsch zurückgehen. Vielen Dank für all die E-Mails, Nachrichten und Bewertungen, die mich erreichen. Ich freue mich darüber sehr. Danke ganz herzlich und habe das Thema Hochstapler Syndrom mal herausgegriffen.
Eine Zuhörerin schrieb mir, dass sie gerne zu dem Thema mehr wüsste, dass sie glaubt, dass sie vielleicht auch davon betroffen ist, sich aber so richtig gar nicht darunter etwas vorstellen kann. Und das weckte bei mir eine Erinnerung und zwar an eine Klientin, die zu mir in die Praxis gekommen ist. Ich erzähl dir mal von ihr. Es war eine sehr erfolgreiche Unternehmerin, Inhaberin 1 PR Agentur hier in Köln mit mehreren Mitarbeitern. Geschäftlich lief alles super, zufriedene Kunden, tolle Projekte.
Es war das, was sie sich immer gewünscht hat. Und man sollte glauben, ihr würde es ganz wunderbar damit gehen. Stattdessen erzählte sie sie jedoch von recht hoher Anspannung. Sie beschrieb sich als sehr nervös und das war sie tatsächlich auch, das konnte man sehen. Sie klagte über Schlafstörungen, erzählte von dem Gläschen Wein, was eigentlich jeden Abend notwendig wäre, zur Ruhe zu kommen.
Berichtete von vielen Rücken- und Nackenverspannungen, häufigen Spannungskopfschmerzen. Schmerzen. Und ja, sie war relativ verzweifelt, weil sie hatte schon versucht, gesünder zu leben, mehr Sport zu machen. Also all diese klassischen Themen besser für sich zu sorgen, 'n paar Rückenkurse zu machen, das war ausgereizt. Und so kam sie letztendlich auf das Thema Psychotherapie, auch ausgelöst durch die Hausärztin, die ihr dazu geraten hatte.
Und was ich sehr gerne mache, wenn Klienten in meine Praxis kommen und mir so ihre Situation, ihre Symptomatik, ihre Problematik beschrieben haben, Ich frag ganz gerne nach ihrer Theorie, was da eigentlich los ist und wo das herkommt. Weil ich tatsächlich festgestellt habe, dass die meisten, wenn sie zu mir kommen, sehr wohl eine Erklärung dafür haben, was los ist. Nur die halten sie häufig zurück, weil die halten sie für nicht so richtig valide und da trauen sie sich manchmal nicht so richtig. Also hier hab ich dann auch gefragt, ne, hey, wie erklären Sie sich das? Also eigentlich, ne, geschäftlich alles top, Ehe und so weiter, alles super.
Die hatte jetzt keine Kinder. Auch damit war sie aber happy. Also es war eigentlich von außen, sah alles super aus. Und dann erklärte sie mir relativ schnell in den Gesprächen, dass sie Angst hatte, entlarvt zu werden. Weil sie eigentlich tief davon überzeugt war, dass sie unfähig sei, ihren Beruf auszuüben, dass sie sich im Bereich Kommunikation und PR überhaupt nicht gut genug auskenne, nicht gut genug für sone Agenturinhaberin, dass ihr Geschäft eigentlich nur lief, weil sie auf Beziehungen und Netzwerk baut, dass sie eigentlich relativ viel Glück gehabt hätte in ihrem Leben.
Ihr Handwerk, Kommunikation und PR aber gar nicht so richtig verstehen würde. Okay, das hab ich ja erst mal gespiegelt, hat mich natürlich auf meinem Stuhl irritiert. Ich gesagt, Mensch, da ist ja irgendwie eine große Diskrepanz. Sie sind seit 15 Jahren mit ihrer eigenen Agentur unterwegs. Sie beschreiben, dass die sehr erfolgreich ist.
Sie reden von vielen zufriedenen Mitarbeitern. Ihr geschäftlicher Erfolg bestätigt sie. Das heißt, sie wachsen sehr organisch, sehr langsam mit ihrem Unternehmen und haben viele zufriedene Kunden, berichten von guten Kundenbeziehungen. Das passt jetzt gar nicht zu ihrer Einschätzung von ihrem ihrer eigenen Kompetenz und von dem, was sie auszeichnet. Ja, wir haben uns da son bisschen an der Stelle gedreht und für mich war es dann an der Zeit und das hab ich auch gemacht, dass ich sie gebeten habe oder vorgeschlagen habe, doch ihren Mann mal mitzubringen in die Praxis.
Es ist ja so, im Rahmen der Psychotherapie haben wir immer die Möglichkeit, Angehörige mit ins Boot zu nehmen. Also per se steht uns bei 1 Langzeittherapie stehen uns immer 5 Sitzungen zur Verfügung, in denen wir auch Angehörige zu uns einladen dürfen in den Therapieraum, sei es alleine oder sei es zusammen mit dem Klienten, je nachdem, was uns sinnvoll erscheint und welche Präferenz der Klient hat. Und hier war's so, dass ich gesagt hab, Mensch, ich würd mal gern Ihren Mann dazu nehmen, weil das irgendwie ist für mich wird dieses Bild so gar nicht stimmig. Und ja. Warum dürfen wir das in der Psychotherapie?
Enge Angehörige sind halt häufig ein wichtiger Erfolgsfaktor für den Heilungs- und Besserungsprozess. Und hier in diesem Fall ist es natürlich der Angehörige, der mir eine zusätzliche Perspektive einbringen kann, grade wenn für mich so verwirrende, Perspektive einbringen kann, grade wenn für mich so verwirrende Beschreibungen, Theorien und Fakten im Raum stehen. Also der Mann war sehr gerne bereit. Die Frau hatte auch gesagt, das ist überhaupt kein Problem, das tue ich gerne. Und er kam mit bei der nächsten Sitzung und bestätigte auch den Erfolg und erzählte von den Talenten seiner Frau und sagte auch, dass er ihre Zweifel an ihrer Kompetenz und ja, an allem, was sie kann, überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann.
Erkenne das schon seit Jahren vor jedem Termin, vor jedem Projekt mit einem Neukunden. Also sie wäre immer extrem nervös, sehr ängstlich, immer sehr pessimistisch und wäre halt durchweg mit diesem Gefühl unterwegs, dass ihre Leistung und das, was sie einbringen könne, nicht ausreichen werde, das zu einem Erfolg zu machen. Er war mittlerweile auch tatsächlich etwas genervt, ungehalten. Er hat sehr klar gesagt, dass ihm mittlerweile auch das Verständnis fehlt, dass er das nicht mehr ernst nehmen kann. Und dass er eigentlich, wenn seine Frau in diesen Modus kommt, auch nichts mehr dazu sagt, weil für ihn war das so unverständlich, was da passiert, dass er sich sozusagen da immer rausgenommen hat, damit er nicht in eine Wut kommt, weil er's einfach nicht mehr nachvollziehen kann.
Für das hier vorliegende Phänomen gibt's in der Psychologie einen Fachausdruck. Und das ist das sogenannte Hochstapler Syndrom oder das Impostor Syndrom. Dieses Syndrom liegt dann vor, wenn wir einen Menschen haben, dessen Selbstwertgefühl sehr defizitär und wenig stabil ist. Also jemand, der sich für unfähig, untalentiert, unwissend hält, also nicht genug kann, nicht genug weiß Und er lebt in der ständigen Angst, zu werden. Und zwar insbesondere dann, wenn für ihn anspruchsvolle Aufgaben zu erledigen sind.
Und das ist, wenn dieses Syndrom vorliegt, eigentlich relativ häufig der Fall, weil das Syndrom betrifft vor allen Dingen sehr kompetente und erfolgreiche Menschen. So ist das Hochstaplersyndrom auch bei vielen Prominenten sehr verbreitet. Prominente Frauen tendieren eher dazu, darüber zu reden als Männer. Man sagt im Augenblick, Frauen sind häufiger vom Hochstapler Syndrom betroffen als Männer. Ich bin mir da gar nicht so sicher, weil ich weiß, dass Frauen eher dazu neigen, über diese Themen auch zu reden, offener damit umzugehen.
Und Männer verstecken diese Ängste vielleicht eher. Aber das ist meine persönliche Vermutung. Also wenn Du in die Statistiken guckst und in die Erhebung, dann müssen wir oder die die Zahlen sagen, es gibt mehr Frauen, die davon betroffen sind als Männer. Also viele Prominente, die ja vor der Kamera sind, viele Schauspieler, viele Musiker laufen mit diesem Gefühl durch die Gegend. Und wie kommt es überhaupt dazu?
Vielleicht erst mal zu dem Erklärungsmechanismus im Hier und Jetzt und dann können wir auch noch darüber sprechen, wie entsteht denn so was? Aber bei der Erklärung beim Erklärungsmechanismus müssen wir uns auf das sogenannte, ja, auf die Attribution von Erfolg und Misserfolg schauen. Attribution heißt, auf welche Faktoren führst Du Erfolg zurück? Also wenn Du selber einen beruflichen Erfolg hattest, auf welche Faktoren führst Du diesen Volk zurück Erfolg zurück? Einmal kannst Du ihn auf externe Faktoren zurückführen.
Zum Beispiel auf, ich habe Glück gehabt, ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Oder eigentlich hat mein Kollege die ganze Arbeit gemacht und ich war nur dabei. Das heißt, Du führst den Faktor, Du Du führst den Erfolg auf einen externen Faktor zurück. Oder Du führst ihn auf einen internen Faktor zurück, nämlich auf dein Wissen, auf dein Können, auf deine Kompetenz. Beim Erfolg kannst Du sagen, jawohl, ich hab das geschafft, weil ich hatte mich top vorbereitet auf den Termin.
Oder ich hab für die Prüfung wahnsinnig viel gelernt und war total fleißig und auch sehr diszipliniert im Lernen. Und deswegen hab ich eine besonders gute Prüfung gemacht. Also wir haben die Möglichkeit, unsere Erfolge auf externe oder internale Faktoren zurückzuführen. Das Gleiche gilt natürlich auch für Misserfolge. Auch wenn wir uns etwas vornehmen, was wir nicht schaffen, suchen wir immer nach Erklärung.
Das heißt, wir Attribieren. Du kannst zum Beispiel, wenn Du auf einen internen Grund schaust, Du bestehst eine Prüfung nicht. Ich mach's mal relativ einfach und Du attriboierst auf einen internalen Faktor. Ja, schönes Fach chinesisch heute. Aber das würde heißen, dass Du eben sagst, gut, ich bin nicht schlau genug.
Ja, ich bin einfach nicht schlau genug, deswegen hab ich die Prüfung nicht bestanden. Die suchst die Ursache in dir. Oder Du sagst halt, die Prüfung war ungerecht gestellt. Der Prüfer hat Schwerpunkte gesetzt, die waren so nicht angekündigt und ich konnte überhaupt nicht wissen, dass das drankommt. Hier gibt's eine Ungerechtigkeit bei der Prüfung an sich.
Wäre wieder ein externeraler Faktor. So, jetzt kommen wir auf das Hochstapler Syndrom zurück. Der Hochstapler, der Hochstapler ist auch schön, ne? Der Mensch, der an einem Hochstapler Syndrom leidet, führt Erfolg immer auf externe Gründe zurück. Das heißt, er sagt, ich hab das die Situation mit Scham gelöst.
Ich hab meine Beziehung da genutzt. Ich hab einfach Glück gehabt an der Stelle. Das heißt, es hat nie was mit seiner Kompetenz und seinem Wissen zu tun, sondern in seiner Denkweise hat er Glück gehabt. Und deswegen hat er beim nächsten Mal, wenn er wieder vor 1 kritischen Situation steht, das Problem, dass er ja wieder davon ausgeht, dass sein Wissen und sein Können nicht reichen, die Situation zu bewältigen. Also braucht er wieder diesen Faktor Glück oder Beziehungen und den kann er so schlecht beeinflussen.
Und das führt dazu, dass eine hohe Ängstlichkeit, ein hoher Stress entsteht. Beim Misserfolg hingegen tendieren diese Menschen dazu, die Ursachen, die Faktoren dafür in sich zu suchen. Das heißt, ich bin nicht schlau genug, ich bin nicht klug genug, ich weiß nicht genug, ich versteh die Zusammenhänge nicht, mir fehlt dies und jenes. Das heißt, der Misserfolg wird sehr stark auf internale Faktoren zurückgeführt. Und hier, ich bin nicht schlau genug, ich bin nicht klug genug, ich weiß nicht genug, ich versteh die Zusammenhänge nicht, mir fehlt dies und jenes.
Das heißt, der Misserfolg wird sehr stark auf intern Faktoren zurückgeführt. Und hier ist die Erklärung von, ich hab Pech gehabt, halt nie die, die diese Menschen wählen würden. Das heißt, sie bestätigen sich eigentlich ständig in einem defizitären Selbstwert. Und das schwächt sie enorm. Deswegen halten sie sich für einen Betrüger, für einen Hochstapler.
Sie haben das Gefühl, sie sind zu einem Ruhm, zu 1 Position gekommen, zu einem Erfolg gekommen wie meine Klientin hier, der tatsächlich nur auf Glück fußt, der gar nichts damit zu tun hat, dass sie viel geleistet haben, dass sie viel Wissen, viel richtig gemacht haben, viel können. Die fühlen sich also ständig unzulänglich und die Faktoren entziehen sich ihrer Kontrolle. Und so sind sie ständig besorgt, dass sie vielleicht entlarvt oder bloßgestellt werden. Ja, Fremdbild Selbstbild. Diese Menschen, ich hatt es schon angedeutet, sind häufig Menschen, die sehr kompetent und sehr leistungsstark wirken.
Das heißt von außen, das Umfeld erkennt sehr wohl, was diese Person alles kann, weiß, erreicht hat. Die Person selber in ihrem Selbstbild kann aber darauf nicht zugreifen beziehungsweise bewertet das anders. Und hier merkst Du schon wieder, es ist der Verstand, der hier diesen Personen einen Streich spielt. Weil der Verstand erzählt ihnen die Geschichte, dass sie eigentlich gar nichts können und dass sie auf Glück und Zufall und so weiter angewiesen sind. Es gibt unterschiedliche Typen.
Wenn wir uns das Hochstapler Syndrom angucken, dann gibt es immer wieder bestimmte Typen, die anfällig dafür sind, das zu entwickeln. Und entwickeln kann das letztendlich jeder, Du und ich, wenn wir diese Attributionsketten so aufbauen, wie ich sie eben erklärt hab, dann können wir alle uns ein wunderbares Hochstaper Syndrom heranzüchten geradezu. Unser Verstand würde uns bestimmt gerne dabei helfen, weil der liebt es ja immer mal wieder, sich in bestimmten Situationen zu verirren. Also wer ist besonders betroffen? Da gibt es einmal die Gruppe der sogenannten Naturtalente.
Menschen, die etwas besonders gut können, sich aber dafür gar nicht anstrengen müssen. Nehmen wir mal einen Musiker, ja? Ein Musiker, dem es sehr leicht fällt, Instrumente zu lernen, in Noten zu denken, Musik zu fühlen und der massenbegeistert, der aber, weil er ein solches Talent hat, überhaupt nicht ja, sich sehr dafür anstrengen musste. Der sieht, wie schwer fällt das eigentlich anderen Menschen, die das erlernen wollen und wie leicht ist es ihm gefallen? Und anstatt zu sagen, ich bin ein Naturtalent, ich freue mich darüber, dreht erst gegen sich und sagt, na ja, also ich hab mich ja gar nicht so angestrengt wie der andere.
Das heißt, das, was ich kann, kann gar nicht so gut sein. Ja, also das ist so die 1. Gruppe, die anfällig ist für dieses Syndrom. Die 2. Gruppe, das sind die Perfektionisten.
Natürlich, wenn ich wahnsinnig hohe Ansprüche an mich, meine Arbeit, mein Wissen, mein Können habe und es eigentlich nie genug ist und darauf kommt dann noch diese ungünstige Attributionsstrategie, Strategie. Dann bin ich sozusagen prädestiniert dafür, ein Hochstaplersyndrom zu entwickeln. Der klassische Experte, das wäre so die 3. Kategorie von Menschen, der sich auf einem Thema besonders gut auskennt und dafür sonen Fachexpertenstatus genießt, auch der ist tatsächlich anfällig dafür, weil er ja in seinem Gebiet eigentlich auch nie genug wissen kann und weil der Anspruch, der mit dem Expertenstatus zusammenhängt, ja so hoch ist, dass er sich tatsächlich nie entspannen kann. Ja, und es betrifft vor allen Dingen Menschen, die echte Arbeitstiere sind, ne.
Das setzt natürlich enorme Energie frei, wenn ich ständig in der Angst bin, zu werden, bloßgestellt zu werden, dann tendiere ich dazu, das zu kompensieren über massive Anstrengung. Also Selbstvertrauen und Selbstwert sind beschädigt. Das ist das darunterliegende Fusion, Selbstvertrauen und Selbstwert sind beschädigt. Das ist das darunterliegende Fundament, auf dem sich dieses Syndrom ausbreiten kann. Wie kann das sein?
Das weißt Du vielleicht schon aus den vorherigen Folgen. Aber natürlich hat das was mit unseren Bindungserfahrung in der frühen Kindheit zu tun. Also warum wurden wir geliebt? Weil wir besonders viel wussten, konnten, erreicht haben oder weil wir einfach nur wir waren als Kinder und einfach nur liebenswert, so wie wir in dem Moment waren. Bist Du dafür geliebt, dass Du einfach nur warst, wie Du warst?
Bist Du dafür geliebt worden? Wirst Du nicht so anfällig sein, ein Hochstaplersyndrom zu entwickeln wie jemand, der schon sehr früh gelernt hat, ich muss etwas Besonderes können, leisten in 1 besonderen Art und Weise, nur dann bekomm ich Liebe und Zuneigung. Und dann gibt es die sogenannten Wahrnehmungsfehler, die sich vielleicht in der Kindheit Jugend herausgebildet haben und die jetzt auch das Wahrnehmungsgeschehen dominieren. Also so fällt zum Beispiel auf, dass Menschen, die unter diesem Syndrom leiden, wahnsinnige Angst und Furcht vor Kritik haben. Sie scheinen sich nicht schützen zu können, macht ja Sinn bei mangelndem Selbstwert, sodass Kritik eine solche Verletzung und eine solche Zurückweisung und Abwertung beinhaltet, die so schmerzhaft ist, dass sie sie auf jeden Fall verhindern wollen.
Sie bauen natürlich ein Stück weit vor, wenn Sie sich selber schon erklären, dass Sie eigentlich nichts können, dann ist es für Sie natürlich leichter, Kritik nachzuvollziehen und ja, auch 'n bisschen abzuwerten in der Schmerzhaftigkeit, weil es ja sozusagen nichts Neues ist. Und Sie haben eine ja, überdimensionierte Anspruchshaltung an Kompetenzen. Das wäre so der 2. Wahrnehmungsfehler. Also gut ist nicht genug.
Es muss super, es muss perfektionistisch sein und nichts reicht eigentlich. Egal, was man leistet, es geht immer noch besser. Also Sie gucken immer auf das, was fehlt, anstatt auf all das, was Sie immer erreicht haben. Und auch das ist eine klassische Wahrnehmungsverzerrung. Ich würde dir empfehlen, wenn Du Tendenzen hast in Richtung Hochstapler Syndrom, das nicht einfach laufen zu lassen.
Und ich hab auch mit meiner Patientin, Klientin sehr intensiv daran gearbeitet, weil der Verstand ist hier auf Abwägen gekommen und ist ja, legt eine komische Schallplatte auf, die er immer wiederholt. Und wenn man zu lange in diesem Teufelskreis drinbleibt, dann haben wir ganz schnell ja, unorbide Störungen, so nennen wir das. Also dann haben wir ganz schnell andere Probleme an Bord, nämlich zum Beispiel Depression oder Angsterkrankungen, weil die fallen nämlich auf so ein Syndrom relativ ja, es es fördert sich, es bedingt sich gegenseitig ganz gut. Das heißt, dein Leben schöner zu machen, dich besser zu fühlen und auch dich vor weiteren psychischen Schieflagen zu schützen, wäre es sehr wünschenswert, dass Du anfängst, an deinem Selbstwert zu arbeiten. Und das geht über unterschiedliche Thematiken, das kennst Du schon.
Und das 1. Und 1 der wichtigsten Dinge ist, dass Du anfängst, dich von deinem Verstand und den Gedanken, die er dir eintrichtert, zu distanzieren und dir sehr kritisch anguckt, was gibt er mir grade rein? Beim Hochstapler Syndrom geht es natürlich vor allen Dingen auf diese Attribution zurück. Wo wird ein externaler Faktor verantwortlich für Erfolg und Misserfolg gemacht und wo ein internaler Faktor? Und ist das hilfreich?
Ist das etwas, was den Selbstwert eher zerpflückt und zerstört? Oder wie kann ich eigentlich denken, meinen Selbstwert zu stabilisieren? Also Du brauchst dieses beobachtende Selbst, wie ich das gerne nenne. Du brauchst die Distanz zu deinen Gedanken, dich damit auseinanderzusetzen und dir die Frage zu stellen, denke ich grade hilfreich für meinen Selbstwert, ja oder nein? Und wie kann ich anders denken, meinen Selbstwert zu stabilisieren?
Gleiches gilt natürlich auch für die Gefühle. Wenn dein Verstand dir solche Geschichten erzählt, dann kennst Du das schon, hat das starke Auswirkungen auf die Gefühle. Und da kommen Gefühle von Unzulänglichkeit, Gefühle nicht zu genügen, sich als Betrüger zu fühlen, also diese Gefühle ins Visier zu nehmen und denen andere Gefühle gegenüberzustellen. Nämlich ganz wichtig, das Gefühl des Stolzes. Jemand, der an einem Hochstapler Syndrom leidet, sollte an seinem Stolz arbeiten.
Er sollte Mechanismen entwickeln, Denkmuster, Fühlmustern, die ihm helfen, in das Thema Stolz hineinzukommen und das Thema Stolz zu fühlen. Denn Stolz ist das Gefühl, da das euphorisch, was unseren Selbstwert stabilisiert. Ja? Dazu kann man dann noch Anspruchsmanagement kommen lassen. Also was für Ansprüche hab ich selber an meine Arbeit?
Was haben andere für Ansprüche an meine Arbeit? Was ist realistisch? Was kann ich überhaupt leisten? Wann ist es genug? All die Dinge kann man natürlich durchdenken und anschauen.
Und so war letztendlich auch die Therapie meiner Klientin aufgebaut. Wir haben Success stories noch und nöcher erzählt und zusammengetragen auch mit Feedback von anderen, was sie eigentlich alles kann, was sie weiß und welchen Anteil sie an ihrer bisherigen beruflichen Erfolgsgeschichte mit der Agentur überhaupt hatte. Und diese Erfolge, die haben wir nicht nur aufgeschrieben, sondern die haben wir gefühlt, ja. Das heißt, wir haben im Therapieraum geübt, dass sie mit den positiven Gefühlen, die damit verbunden sind, in den Kontakt kommt. Das ist übrigens eine sehr schöne Arbeit.
Und man braucht da die Unterstützung des Atems und man braucht den Fokus auf den Körper. Und man muss lernen, überhaupt einen Zugang zu positiven Gefühlen zu finden. Und das war in der Therapie sicherlich ein großer Durchbruch, als ihr das gelungen ist und sie plötzlich festgestellt hat, auch im Alltag komm ich plötzlich mit diesen ganz positiven Gefühlen in den Kontakt. Das ist dann ein echter Durchbruch in der Behandlung. Wir haben ganz stark geübt, uns von Gedanken zu distanzieren, den Verstand zu entlarven, wenn er wieder wilde Themen, Geschichten, Schallplatten spielt, Geschichten schreibt und haben uns immer wieder gefragt, was tut der Verstand da?
Ist das sinnvoll? Also das heißt, wir haben dieses beobachtende Selbst sehr stark etabliert. Und das haben wir zum Beispiel auch darüber getan, dass wir die innere Mitte mit Körperübung sehr stark gestärkt haben. Also in die Wirbelsäule atmen, eine Säulenatmung praktizieren, hab ich auch schon als Podcastfolge aufgesprochen. Wirklich bei sich bleiben, in der inneren Mitte bleiben, weil nur dann oder nicht nur dann, aber dann ist es viel leichter, in diese Beobachterperspektive zu wechseln, auf eine Metaebene zu gehen.
Das heißt, Du hörst schon, es war eine sehr ressourcenorientierte Therapie. Und das sind natürlich schöne therapeutische Prozesse, grade wenn sie dann anfangen zu wirken. Und damit geht dann einher, dass Anspannung, auch körperlich stressbedingte Verspannungen zurückgehen. Dass das Gläschen Wein am Abend wirklich nicht mehr notwendig war irgendwann, dass sie wieder in guten, entspannten Schlaf gekommen ist und sich oft sehr wohl gefühlt hat in ihrer Haut die Anspannung weichen durfte und 1 großen Gelassenheit und 1 Entspanntheit Platz machen durfte. So war das ein schöner therapeutischer Prozess, der bei dieser sehr reflektierten Frau nach etwas über 20 Stunden zu Ende war.
Und ja, wir haben uns beide zum Abschied einmal festgedrückt und umarmt, weil das wirklich ein für Sie sehr hilfreicher Prozess war und für mich natürlich auch ressourcenorientierte Therapie mich ganz eng mit den Patienten in Kontakt bringt. Solltest Du Fragen haben zu, schreib mir die Fragen. Und das war's nämlich an dieser Stelle heute für mich. Das war das, was ich zum Hochstaplersyndrom vermitteln wollte, weitergeben wollte. Wenn es dir gefallen hat, freu ich mich natürlich wie immer über eine positive Bewertung.
Und ja, in diesem Sinne sag ich für heute tschüs. Deine Sabine.
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