Introvertierte Menschen fühlen sich oft „falsch". Dabei zeigt dein Grad an Introversion und Extroversion erst einmal nur eine Präferenz an. Wo lädst du deine Akkus auf? Eher in der Kommunikation mit Menschen oder eher in Zeiten, in denen du allein bist. Hier bekommst du eine Ermutigung dich so anzunehmen wie du bist, deine Präferenz ernst zu nehmen und dein Leben entsprechend deiner Bedürfnisse zu gestalten. Denn das erlaubt dir Gelassenheit und Wohlbefinden.
Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit.
Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.
Vollständiges Transkript · 2.251 Wörter · etwa 11 Minuten. Automatisch aus der Audio erstellt — kleine Fehler sind möglich.
Hey, hallo. Herzlich willkommen bei Reif für die Couch, dem Podcast für alle Erschöpften, deren Leben besser werden darf. Mein Name ist Sabine Bimmler, ich bin Psychotherapeutin aus Köln und ich bin zurück aus der Sommerpause. Ich freu mich auf den Rest des Jahres, insbesondere weil ich Anfang Oktober ja diesen tollen Workshop mit meiner Freundin Anke in der Eifel durchführe. Das Thema ist Achtsamkeit und Yoga.
Wenn Du dazu mehr wissen willst, melde dich gerne bei Sabine at Bimmler Punkt com. Die heutige Folge des Podcasts geht mal wieder auf einen Zuhörerwunsch zurück und tatsächlich auf viele Gespräche, die ich in meinem Therapieraum schon führen durfte. Es geht das Thema introvertiert sein. Ich hab die Folge genannt, introvertiert, leise und wertvoll, weil ich gerne eine Lanze für all die Menschen brechen würde, die da draußen sind und sich mit ihrem Grad an Introvertiertheit nicht wohlfühlen. Das ist sehr, sehr schade und ich möchte erklären, was ja das Thema introvertiert, extrovertiert bedeutet und warum es keine Einschränkung oder Strafe ist, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal, das zu dir gehört und das wertvoll ist.
Wenn wir davon sprechen, dass jemand introvertiert und extrovertiert ist, dann ist das aus meiner Sicht erst einmal eine Beschreibung 1 Präferenz. Und es geht darum, woher derjenige seine Energie bezieht, wo die Person, wie die Person ihre Akkus auflädt. Ein introvertierter Mensch tut das bei Tätigkeiten in Momenten, in denen er allein ist mit sich, in denen er im Einklang mit seinem Tempo, seinen Bedürfnissen, seinen Gedanken und Gefühlen sein kann. Und diese Momente helfen, die Akkus aufzuladen, Energie zurückzubekommen. Jemand, der extrovertiert ist, also eine Präferenz hat, mit Menschen im Kontakt zu sein, lädt seine Akkus in Situationen auf, in denen er im Gespräch ist, wo er mit anderen redet, spricht, sich austauscht.
Hier gewinnt er oder sie Energie. Und das ist der große Unterschied. Das heißt, bei dieser Präfe oder wenn Du sagst, jemand ist introvertiert oder extrovertiert, sprichst Du letztendlich erst einmal eine Präferenz ein an und beschreibst, wo derjenige seine Energie auflädt. Eher in Situationen, in denen er allein ist oder eher in Situationen, mit denen er mit Menschen zusammen ist. Und das heißt automatisch auch und das find ich total wichtig, deswegen möcht ich's hier noch mal beteuern, Es ist geht nicht Kompetenzen.
Es geht nicht darum, dass Introvertierte bestimmte Dinge nicht können, zum Beispiel vor Menschen reden oder sich in großen Gruppen bewegen. Die können das sehr wohl. Es kostet sie nur sehr viel mehr Energie als jemand mit 1 anderen Präferenz. Und so kann der Extrovertierte auch gut mit sich allein sein, aber er verliert in diesem Alleinsein oft mehr Energie, als er gewinnt. Und das macht den großen Unterschied.
Menschen, die von sich aber behaupten, sie sind oder die sich als introvertiert einschätzen, hadern oft damit. Das hat aus meiner Sicht etwas zu damit zu tun, dass unsere Gesellschaft, in der wir uns hier in Deutschland, westliche Welt bewegen, eher das andere als ein Ideal ja, voranstellt. Es sind häufig die Extrovertierten, die auf Bühnen sind, die sichtbar sind, die beruflich sehr erfolgreich sind, zu denen man aufschaut und denkt, boah, der hat aber was auf dem Kasten. Und die Menschen, die eher zurückhaltend auftreten, denn das geht mit dieser Präferenz nach Zeit mit sich allein zu verbringen, mit dieser mit diesem Introvertiertsein häufig einher, dass man etwas zurückhaltender ist, dass man sich nicht so in den Mittelpunkt stellt, dass man vielleicht auf andere schüchtern wirkt. Das sind dann oft Menschen, die, ja, deren Wert sieht man erst auf den zweiten Blick, manchmal auch erst auf den dritten Blick, weil man sie übersieht, denn da draußen sind jede Menge von diesen schillernden, extrovertierten Menschen, die die Blicke und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Nichtsdestotrotz sind die damit nicht wertvoller. Und das, finde ich, möchte ich allen da draußen, die introvertiert sind, immer wieder klarmachen. In meinem Therapieraum sitzen ganz viele Menschen, die damit hadern, dass sie sagen, ich bin ich kann nicht gut mit Menschen. Ich bin nicht gut in der Kommunikation. Ich möchte nicht so viel Raum einnehmen.
Und die hadern sehr stark damit. Aber wieso? Warum erfolgt hier eine Bewertung? Die ist aus meiner Sicht nicht sinnvoll und ich würde dir gerne sagen, sprich dich frei davon. Nimm deine Präferenz so wie sie ist.
Sie ist übrigens, das ist gut untersucht, genetisch vorbestimmt. Das heißt, Du kannst sie sowieso nicht ändern. Was Du kannst, ist im guten Kontakt mit dir selber sein und spüren, wo Du auf diesem Kontinuum introvertiert extrovertiert stehst. Diese Bezeichnung geht auf einen ja, Psychotherapeuten, Psychiater, den dieses CG Jung zurück. Der hat schon vor ganz langer Zeit diese beiden Ja Pole aufgemacht.
Und er hat auch sehr schnell gesagt, das ist nicht ein Entweder oder Modell, sondern das ist eine Skala mit vielen unterschiedlichen Abstufungen. Und Du musst für dich oder Du solltest für dich, weil es sehr hilfreich ist, wissen, wo Du dort ungefähr stehst. Ein Beispiel aus meiner Erfahrung, ich befinde mich eher in der Mitte. Das heißt, meine introvertierten und extrovertierten Anteile halten sich die Waage. Ich habe einen Beruf, in dem ich, ja, sehr viel im Gespräch mit Menschen bin.
So ist das im Therapieraum und im Coaching. Ich bin oft unter Leuten. Das führt dazu, dass meine, ja, ja, Energie aufgeladen wird, zumindest für meinen extrovertierten Teil. Wer eindeutig zu kurz kommt während meiner beruflichen Arbeitszeiten, sind meine introvertierten Anteile. Und dann weißt Du ja vielleicht auch, dass ich Mutter von 3 Kindern bin.
Also auch in meinem eigenen Haus finde ich relativ wenig Möglichkeiten, komplett allein mit mir zu sein. Es wird besser, da alle meine Kinder über 10 sind mittlerweile. Aber das heißt auch, es gab Zeiten in meinem Leben, da sind meine introvertierten Anteile verhungert ein Stück weit. Und ich bin sehr aus dem Gleichgewicht gekommen, weil ich die Zeit, meine Akkus aufzuladen, diese Momente gar nicht gefunden habe. Und hier möcht ich dich ermutigen, für dich festzustellen, wie viel Zeit des Alleinseins brauchst Du, damit es dir gut geht?
Und wie viel Zeit im Kontakt, in der Kommunikation mit anderen brauchst Du, damit es dir gut geht? Und dann gilt es, dein Leben danach einzurichten. Also noch mal zurückzukommen auf mein Beispiel. Ich hab einen Job, in dem ich sehr viel in Kommunikation bin. Das heißt, in meinem Privatleben lebe ich eher zurückgezogen.
Da gibt's meine Familie und die Zeit, die dann noch übrig bleibt, brauche ich häufig für mich. Deswegen bin ich jemand, der alleine mit seinem Hund im Wald spazieren geht. Wenn ich laufen gehe, gehe ich häufig alleine laufen, Weil mich da, wenn ich mich 1 Gruppe oder 1 mit 1 Freundin treffen würde, 1 Gruppe anschließen würde, mich das zusätzlich belasten würde. Ich brauche diese Situation für meine introvertierten Anteile. Und so würde ich dir das auch ans Herz legen, für dich zu überlegen, wo stehst Du da auf dem Kontinuum?
Wie viel Zeit brauchst Du in guter Verbindung mit dir selbst ungestört ohne andere Menschen? Und wie viel Zeit möchtest Du mit anderen Menschen verbringen? Und das muss ungefähr, ja, Du kannst dir so einen Prozentsatz geben. Von den 100 Prozent kannst Du das aufteilen. Ich hatte es gesagt, bei mir sind's eher 50 50.
Es kann aber auch ein 80 20 Modell sein. Spür mal in dich rein und überleg mal, in welchen Zeiten deines Lebens es dir am besten ging. Waren das Zeiten, wo Du viel in 1 Gruppe von Menschen unterwegs warst oder waren das eher Zeiten, wo Du alleine mit dir warst? Ich hatte es schon angesprochen, es gibt eine genetische Vordisposition und die Frage ist ja auch, warum ist das überhaupt so? Warum gibt es diese Unterschiedlichkeit?
Und etwas, was so die Verbindung zum Thema Hochsensibilität auch ein Stück weit aufmacht, sind Untersuchungen, die gezeigt haben, dass introvertierte Menschen bei dem Kontakt mit Außenreizen, zum Beispiel in Gesprächen, eine höhere Hirnaktivität haben. Das heißt, das kann zum Beispiel erklären, warum es die Introvertierten so viel mehr Energie kostet. Ja, Reize aus dem Außen zu verarbeiten und warum sie deswegen ein höheres Bedürfnis haben, sich zu schützen, Sich zu schützen vor 1 Überflutung mit Reizen. Viele sehr begabte Menschen, sehr kreative Menschen sind eher introvertiert. Wir sehen von außen ja dann oft die die Künstler, die exzentrischen Künstler, die sich präsentieren in 'ner bestimmten Art und Weise auf Bühnen.
Du weißt aber auch, dass gerade in dem Bereich Depressionen recht verbreitet sind. Und aus meiner Sicht kann das was damit zu tun haben, dass diese Menschen, die natürlich auf die Bühne müssen, ihre Kunst, ihr Werk irgendwie nach außen zu tragen, eigentlich ein hohes Bedürfnis haben, mit sich zu sein. Ich denke jetzt grade so an Sänger und Songwriter, ja. Und die leben oft an ihrem Bedürfnissen vorbei, weil sie plötzlich, wenn sie erfolgreich sind, ganz viel auf den Bühnen sind. Und da bleibt ganz wenig Zeitrückzugsraum, wo man auftankt, wo man sich mit sich beschäftigt, die introvertierten Anteile pflegt und hegt.
Du siehst also, Introversion ist für mich alles andere als eine Schwäche, wie sie oftmals von Betroffenen wahrgenommen wird. Es ist eine Präferenz und aus dieser Präferenz leitet sich ab, wie Du dein Leben gestaltest, je nachdem, wo Du auf dem Kontinuum bist. Und je größer dein Bedürfnis, deine Präferenz nach Alleinsein ist, also je höher dein Grad an Introversion ist, desto genauer musst Du überlegen, wie Du dein Leben gestaltest. Wenn nämlich zum Beispiel dein Job es dir nicht möglich macht, diese Anteile zu pflegen, dann musst Du dein Privatleben entsprechend gestalten. Was können solche Menschen tun?
Viele Introvertierte sind sehr stark mit sich und Musik beschäftigt. Es gibt oft eine hohe Präferenz fürs Lesen, fürs Spazierengehen, fürs Draußen in der Natur sein, Wandern, aber eben alleine und nicht in Gruppen. Es gibt eine Präferenz dafür, alleine in den Urlaub zu fahren. Es gibt ganz klein gedacht eine Präferenz dafür, die Mittagspause alleine zu verbringen. Ja, natürlich ist es nett, wenn man mit Kollegen in die Mittagspause geht und dann auch noch quatschen kann.
Wenn Du aber ein eher introvertierter Mensch bist, eine Präferenz hast, eher Zeit mit dir allein zu verbringen, wird so deine Pause, die dich eigentlich entspannen soll, plötzlich zu 1 zusätzlichen Belastung. Also schaff dir deine Räume, wo Du ganz für dich mit dir im Einklang mit dir, in Stille mit dir sein kannst. Lade deine Akkus auf, damit Du an den Stellen, Familie, Job, wo wirklich Kontakt im Außen erfolgen muss, weil es manchmal nicht anders geht, gerecht wirst. Du hörst schon, das, was ich sage, ist, mach dir klar, wo Du stehst, was Du brauchst, was deine inneren Bedürfnisse sind. Und wenn Du dann das klarhast, schau dir dein Leben an, wie Du's im Augenblick lebst und überlege, ob das überhaupt dieser Präferenz entspricht.
Was ich ganz häufig sehe und was ich so als ja, warendes Beispiel gern noch mal erzählen möchte, sind Menschen, die ganz viel im Außen sind, die 'n Job haben, wo sie ganz viel Kundenkontakt haben. Und wenn sie dann nach Hause kommen, ist da die Familie mit Kindern. Und aus dieser Konstellation resultiert dann ganz viel Verabredung mit anderen Familien, die auch ähnliche Kinder im ähnlichen Alter haben, mit Sportgruppen, mit Elternabenden, Stammtischen, das volle Familienprogramm. Und das volle ja, das volle Lebensprogramm. Also es resultiert ganz viel Kontakt daraus.
Und dadurch entsteht eine Unterversorgung. Diese Frauen vor allen Dingen, an die ich denke, schaffen es dann oft nicht, Verabredung abzusagen und sich zurückzuziehen, weil sie irgendwie den Anspruch haben, dass sie da sein müssen. Ich sehe das komplett anders. Ich glaube, dass Du im Einklang mit deiner Präferenz leben musst. Und das ist das Wichtige.
Und wenn dann deine introvertierten Anteile unterversorgt sind, dann geht es darum, dir diese Du darfst das. Du musst nicht überall mitmachen, wenn es dir nicht guttut. Und Du weißt ja, was die anderen von dir denken, sage ich, ist irrelevant, weil da draußen wird es immer Menschen geben, die das, was Du machst, gut finden und es wird andere geben, die das anders sehen. Aber, es ist dein Leben, dein Wohlbefinden und dich unabhängig zu machen von dem, was andere Menschen über dich denken, ist ein großer, großer Schritt. Grade dazu möchte ich die Menschen, die am anderen, also die eher an dem Kontinu ums Ende stehen, ermutigen und ehrlich gesagt auch die Extrovertierten.
Weil häufig werden auch die sogenannten Rampensäule dafür abgekanzelt, dass sie ständig im Mittelpunkt stehen müssen und so weiter. Aber auch hier find ich die Bewertung fehl am Platze, weil auch diese Menschen diese ja, sich so verhalten, weil sie damit ihre Energie gewinnen und damit ist es Teil ihrer Persönlichkeit. Und im Rahmen der Achtsamkeit hat diese Bewertung einfach keinen Platz. Du siehst, es ist ein spannendes Thema. Es geht auf einen Zuhörerwunsch zurück.
Jemand hatte mir geschrieben und ich glaube auch, dass dieser jemand, also eine Frau war das, mit sich hadert und vielleicht in den Frieden kommen möchte damit, dass sie eher introvertiert als extrovertiert ist und sich damit gar nicht immer so gut fühlt. Und ich hoffe, dass meine Erklärungen und mein Appell ihr geholfen haben, da für sich eine Veränderung der Haltung zu entwickeln und das, was sie hat, als etwas a, Gegebenes, aber auch sehr Kostbares zu sehen. Und in diesem Sinne möchte ich für heute schließen und Du weißt, ich freu mich über Bewertung bei iTunes. Ich freu mich über Themenwünsche von dir und ich wünsch dir einen wunderbaren Tag. Bis dann, deine Sabine.
Die folgenden Empfehlungen enthalten Partner-Links. Kaufst du darüber, erhält der Podcast eine kleine Provision — für dich bleibt der Preis derselbe.
Ausgesucht von Sabine — weil sie gut zu dieser Folge passen.
Praktisches Tool für Paare/Zuhören
Zum Produkt →Ein kurzer, fundierter Impuls zum Innehalten — kostenlos in dein Postfach. Kein Spam, nur Substanz.
Fast geschafft: Wir haben dir eine Bestätigungsmail geschickt. Klick den Link darin, dann bist du dabei.
Jederzeit mit einem Klick abbestellbar.