Anna Sophia Feuerbach ist bereits in ihrer Jugend mit den Themen Essstörung und Depression in Kontakt gekommen. Heute (mit 32) führt sie ein glückliches und unbeschwertes Leben. Über den Weg der Genesung, ihre Erfahrungen in Therapien und ihre persönliche Veränderung, die in den letzten 12 Jahren stattgefunden hat, berichtet sie in diesem Interview. Ein Appell für einen freundlichen Umgang mit sich selbst, für Geduld auf dem therapeutischen Weg und für die Bereitschaft, mit den eigenen Themen nach außen zu gehen. Danke Anna. Das Interview war eine Bereicherung für mich persönlich und den Podcast!
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Leg los. ich freue mich auf dich! Deine Sabine
Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit.
Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.
Vollständiges Transkript · 9.238 Wörter · etwa 46 Minuten. Automatisch aus der Audio erstellt — kleine Fehler sind möglich.
Hey, hallo, herzlich willkommen bei Reif für die Couch, dem Podcast für alle Erschöpften, deren Leben ein kleines bisschen besser werden darf. Mein Name ist Sabine und heute habe ich ein tolles Interview für dich mit der wunderbaren Anna Sophia Feuerbach. Anna leidet beziehungsweise litt seit ihrer Jugend unter 1 Essstörung kombiniert mit 1 Depression und sie ist sehr therapieerfahren, denn sie hat sich Hilfe geholt und sie beschreibt uns in dem Interview ihren Weg der Genesung. Sie erzählt, was in der Therapie hilfreich für sie war, was sie als seltsam empfunden hat beziehungsweise was nicht hilfreich war und was ihre Genesung letztendlich mit ihr selbst und ihren Entschluss im Kopf zu tun hatte. Ich hab ein wunderbares Interview mit ihr gefühlt, ein interessantes Gespräch und ich freu mich drauf, euch jedes im Podcast vorzustellen.
Also viel Spaß beim Hören und such dir das raus, was für dich spannend und inspirierend ist. Tschüs, deine Sabine. Ja, ich begrüße dich ganz herzlich hier zu dem Interview und ich danke dir, Anna, dass Du bei mir bist. Ich hab meinen Gästen ja ein Interview versprochen mit jemandem, der berichtet aus seiner Erfahrung von ja Selbstheilung. Wär das der Begriff, den Du aufnehmen würdest?
Ha, Heilung ist son großes Wort. Wie beschreiben das, was Du da gemacht hast die letzten Jahre? Ich mag das Wort Genesung lieber. Irgendwie Heilung ist son bisschen spirituell. Also als Erstes mal ganz lieben Dank natürlich auch für die Einladung hier in deinem Podcast, quasi auch meine Erfahrungen zu teilen.
Wie würde ich das nennen? Ja, ich würde es einfach, ja, mein Weg der Genesung nennen. Und er hatte viele verschiedene Bausteine und ja, einen großen Teil davon hab ich auch selbst beigetragen. Okay. Ja, vielleicht erklärst Du den Gästen mal ganz kurz den Zuhörern, wer Du bist und ja, was so das Thema war, was dich umgetrieben hat die letzten Jahre und jetzt endlich zu deiner beruflichen Ausrichtung geführt hat, ne?
Genau. Ja, also mein Name ganz ist Anna Sophia Feuerbach. Ich stamm aus 'nem kleinen Dorf in der Nähe von Würzburg, da bin ich aufgewachsen. Und ja, hab einen klassischen beruflichen Weg erst mal eingeschlagen, hab Abitur gemacht. Dann habe ich Bioni studiert und dann in molekularer Biotechnologie promoviert.
Und ich hatte aber auch schon recht früh, sage ich mal, in meiner Geschichte ja Kontakt mit der Psychotherapie. Hab relativ früh ja psychische Probleme bekommen schon vor dem Abitur. Das war damals son bisschen ja, auch meinem Charakter geschuldet, dass ich halt sehr perfektionistisch bin und sehr leistungsbezogen. Und ja, ich war auch immer eine sehr gute Schülerin, eine sehr fleißige Schülerin und bin dann ja so ein Jahr, 'n halbes Jahr vor dem Abitur son bisschen an meinen eigenen Ansprüchen gescheitert, sag ich mal. Und es begann dann, ja, also auch relativ klassisch mit Prüfungsangst.
Also ich hatte das Gefühl, nie genug vorbereitet zu sein und es hat sich ja dann so gesteigert, dass ich wirklich sone Blockade hatte, also dass ich einfach, wenn 'n Test anstand, nicht in die Schule gehen konnte. Mhm. Und ich war dann viel bei meinem Hausarzt, war viel krankgeschrieben. Er hat mich da auch ganz gut unterstützt, irgendwie eine Lösung zu finden. Und das hat sich dann aber schon vor den Endprüfungen son bisschen gesteigert zu 'ner depressiven Episode.
Also dass ich Probleme hatte, morgens aus dem Bett zu kommen und überhaupt so meinen Alltag zu gestalten. Natürlich immer mit diesen riesigen Ansprüchen an mich selbst noch im Hintergrund, was es irgendwie noch schwieriger gemacht hat. Und ja, und dann waren's ungefähr so 2 Monate vor den Abschlussprüfungen und es ging irgendwie gar nichts mehr. Und ich war beim Hausarzt und ja, er hat mir damals schon gesagt, dass es das Beste wär, eine Therapie zu machen, aber dass es natürlich innerhalb von 2 Monaten utopisch ist, erstens jemanden zu finden und zweitens, dass es auch halt einen Effekt hat. Und ich hab dann in der kurzen Zeit Psychopharmaka genommen, also klassisch so Serotonin wie der Aufnahmehemmer.
Okay. Und man merkt schon, dass Du total in Fachjargon bist. Ja, in der Zwischenzeit, wie gesagt, mache ich ja auch in der Richtung viel beruflich. Also falls es zu fachlich wird, dann Nee, dann glaub ich nicht. Aber ich find, ich würd gerne einmal anhalten, weil ich das so wichtig finde, weil ich glaub, das geht heute immer noch vielen, ja, vor allen Dingen Frauen, glaube ich, aber ich will die Jungs da gar nicht ausnehmen, weil für die wird das, glaube ich, auch immer schwieriger.
Dieses Schulsystem, dieses Druck System. Ich hab selber 3 Kinder, die sind da drin. Wenn ich erlebe, was die an Druck kriegen in diesem System, was so auf Leistung und so menschenunwürdig teilweise ist, ja. Also gerade finde ich, die Schule mit ihren Prüfungen und den Noten lädt ja geradezu ein, diese Leistung Angst zu entwickeln, ne. Und natürlich kommen da son paar persönliche Themen mit rein, wie Du das ja auch schön bei dir erzählt hast, so dieser Perfektionismus und die hohe Anspruchshaltung.
Aber ich finde halt auch das System Schule einfach menschenfeindlich, das muss ich noch mal sagen. Und da verlaufen sich viele junge Menschen und so war es ja auch bei dir. Ja, also ich muss auch dazu sagen, ich war hab auch in meiner Laufbahn die Schule mal gewechselt, weil ich auch zu Beginn des Gymnasiums, na ja, wie das dann halt so ist, weil man sehr leistungsbezogen ist und auch sehr gut. Also ich würde auch sagen, ich bin jetzt auch nicht die Dümmste. Also deswegen hatte ich halt auch in vielen Fächern gute Leistung und dann war ich auch ja son bisschen das klassische Mobbingopfer, dass ich da halt eher sein kann.
Wahrscheinlich, ne. Ja, genau. Also ich muss aber sagen, also ich wurde zum Glück nie aktiv gemobbt, aber es war halt immer so, ja, mit der Streberin will man nichts zu tun haben. Und manchmal kann auch ja gar keine Aufmerksamkeit so die schlimmste Strafe sein. Ignoranz tut auch weh, ne.
Ja, genau. Und deswegen habe ich mitten in der zehnten Klasse noch mal die Schule gewechselt und war dann am an dem privaten Gymnasium, das wirklich auch total toll ist. Also heute, wenn ich noch in der Nähe wohnen würde, würde ich meine Kinder da auch hinschicken. Mhm. Weil die auch immer noch und damals auch schon sonen Ansatz hatten, dass eben ja jeder Mensch und jeder Schüler kann irgendwas gut.
Und es gab damals schon ganz viel Außerschulisches wie Theater und Sport und so, dass eigentlich jeder Schüler was für sich finden konnte. Nur ich war halt dann einfach schon auf diesem Leistungsweg so eingeschossen, dass ich das dort einfach quasi so weiter durchgezogen hab, sag ich mal. Und dann, hat das funktioniert mit den Psychopharmakern? Bist Du dann irgendwie durchs Abi gekommen? Ja, also ich glaub heute, dass es eher son Placeboeffekt war.
Mhm. Also ich weiß gar nicht, gefühlt haben sie jetzt nicht so viel verändert in mir, an mir. Ich glaub, es ist ja auch bekannt, dass sie eine relativ lange Phase auch brauchen, bis sie anschlagen. Aber es hat tatsächlich Dieser Placeboeffekt hat total viel bei mir ausgemacht. Also einfach so zu wissen, na ja, ich hab da ja jetzt was, was hilft.
Und dann muss ich auch dazu sagen, dass ich auch ja, die Lehrer meiner Hauptfächer, die hatte ich auch darüber unterrichtet und auch das hat mir sehr geholfen, einfach zu wissen, dass die wissen, dass ich eingeschränkt bin. Das hat auch son bisschen die Erwartungshaltung von außen gedämpft. Mhm. Und ich werd es auch nicht vergessen. Ich saß im Matheabitur, schriftliches Matheabitur und hatte eine Krankschreibung in der Tasche.
Also ich hätte quasi noch sagen können, nee, ich pack's nicht. Und mein Lehrer hat, bevor er eben ausgeteilt hat, er gesagt, so, jetzt ist die letzte Chance. Pakst Du so, packst es nicht, willst Du schreiben oder nicht? Mhm. Und ja, in dem Moment, wo ich dann gesagt hab, ja, ich zieh das jetzt durch, hab sich's irgendwie gut angefühlt.
Und ja, obwohl die Zeit davor so schlecht gelaufen war, war ich natürlich auch sehr gut vorbereitet. Und ja, letztlich war's dann auch kein Problem, hab ja auch 'n Abi mit 1 0 gemacht. Also das waren halt eher so das, was in mir war, als das, was wir der Realität entsprochen haben. Bevor wir jetzt so chronologisch weitergehen, ne, ich würd gern 'n bisschen abstrahieren, glaube ich. Erst mal würde ich noch mal sagen, ich finde es so toll, dass Du mit deiner Geschichte über deinen Block nach außen gegangen bist.
Also, wenn ich das richtig verfolgt habe, bist Du ja 2017 sozusagen damit über den Block an die Öffentlichkeit gegangen und hast so deine Erfahrungen, Erlebnisse, das, was dir geholfen hat, einfach ja, verschriftlicht auch deine Gedanken dazu. Und das ist so wichtig, weil die Leute hocken ja oft zu Hause, wissen eigentlich, dass sie Hilfe brauchen. Wahrscheinlich ging's dir auch eine Zeit lang so. Aber dieser Weg dann letztendlich doch zum Therapeuten zu gehen oder 'n viel schlimmeres Angstbild, glaube ich, noch für die Menschen in die Klinik, ja? Das ist ja so was was ganz Schlimmes, das will ja keiner.
Dabei kann das so hilfreich sein, weil sich irgendwie ja jeder im Leben mal verläuft 'n Stück weit, ne. Also jeder kann ja mal irgendwo aufm Lebensweg falsch abbiegen und sich zum Beispiel in sone Leistungsgeschichte verrennen mit ganz vielen Selbstzweifeln. Und ja, ich würd einfach gern so die Botschaft mit dir in die Welt bringen, dass die Leute sich Hilfe holen sollen. Die kann wie auch immer geartet sein, die muss nicht 'n Therapeut sein. Aber auf jeden Fall loszugehen mit dem Thema, sich nicht zu schämen und sich Hilfe zu holen und das hast Du ja auch gemacht.
Und durch den Blog bist Du natürlich 'n super Vorbild für alle. Ja, also ich muss natürlich auch dazu sagen, wenn man sich mal überlegt, wie viele Jahre ich dafür gebraucht hab, wenn ich überlege, ich war 17, als das Ganze begann und ja, quasi der Endpunkt der Block sind entstanden, da war ich 30. Also so lange Zeit habe ich das Thema immer in mir mitgetragen und natürlich hat Ich mein, meine Familie hat das ja mitbekommen, die wussten das, aber sonst auch nur ganz enge Freunde, weil natürlich auch ich so diese diese klassischen Sorgen irgendwie hatte. Also ich hatte zwar schon relativ früh dann auch therapeutische Hilfe und so, aber ich hab das immer sehr unter Verschluss gehalten, weil ich eben einfach dachte, ja, was denken die anderen dann? Also so ja, auch dann im Studium, ja, denken die Professoren dann, ich bin nicht mehr leistungsfähig oder Also das Ich wollte immer eigentlich Ich dachte immer, es es würde mir sehr negativ angerechnet werden.
Und ich muss auch ganz ehrlich sagen, das war auch, als ich dann diesen Blog veröffentlicht hab, da war das mir auch nicht klar, ob mir das nicht total auf die Füße fallen wird. Was was für eine Reaktion hast Du bekommen auf deinen Blog? Was ist seitdem Also fanden die Leute dich deswegen weniger nett, doof, weniger leistungsfähig? Erzähl mal 'n bisschen. Nee, natürlich überhaupt nicht.
Also es ist Tatsächlich hab ich am Anfang Ich mein, wie das halt so ist, es gibt so unglaublich viele Internetseiten, es ist Am Anfang ist da keiner irgendwie zufällig über meinen Blog gestolpert. Das heißt, ich hab das nur 'n paar ausgewählten Leuten gesagt und die haben das eben erst mal so gelesen und ich hab dann aber echt schnell sehr, sehr viel positives Feedback bekommen. Und eben auch einfach, dass ich da schon gemerkt hab, ich kann durch meine Geschichte bei anderen auch was bewegen. Also dass ich dann viel auf das Feedback bekommen hab, ja, weil ich durch dich angeregt wurde, habe ich mein Leben jetzt auch verändert und ich hab den Schritt auch gemacht und das tut so gut. Und ja, das hat mir natürlich 'n großen Antrieb gegeben zu sagen, ja, wenn meine Geschichte zu was gut ist, dass ich anderen dadurch helfen kann, ja, dann hat das Ganze auch 'n ganz großen Wert.
Und irgendwie habe ich auch dadurch son bisschen Frieden geschlossen mit meiner Vergangenheit, weil ich jetzt eben sagen kann, das hat alles seinen Sinn gehabt, dass es so kam, natürlich vor allem für meine Entwicklung. Ich stand nicht jetzt da, wo ich jetzt stehe. Ja, da würde ich gern, ich würd gern einhaken, weil das war meine 1. Frage, die ich hier auf meinem Zettel habe, ne. Wenn das alles, weil ich muss mal eben umschlagen dazu, wenn diese ganze leidensvolle Geschichte einen Sinn gehabt hat oder ja, hatte, Du hast ja gesagt, Du hast schon eine Antwort, welcher welcher ist das beziehungsweise welcher könnte das sein?
Der Sinn des Ganzen? Also ich würde sagen, es hat 2. Das eine und natürlich für mich erst mal das Wichtigere ist, dass ich mich einfach so unglaublich gut kennengelernt hab. Mhm. Und das war aber halt auch 'n sehr, sehr langer Prozess.
Und ja, grade dieses Thema Glaubenssätze sind in aller Munde. Ich hab wirklich in den letzten Jahren so ungefähr alles, was ich über mich dachte, noch mal umgedreht und noch mal von der anderen Seite angeschaut. Mhm. Und hab jetzt das Gefühl, total bei mir angekommen zu sein und so zu leben und so auch zu arbeiten, wie's absolut mir entspricht. Und ja, ich bin so viele Jahre irgendwie so mit Scheuklappen durchs Leben gerannt, irgend 'nem Ziel hinterher, wo ich dachte, dass ich das erreichen möchte.
Mhm. Und das hat mir nicht gutgetan. Und ja, und das hat mich jetzt eben dahin gebracht, wo ich jetzt stehe. Und der 2. Große Sinn ist eben Aber warte, lass uns mal anhalten.
Das finde ich so wichtig. Also wie viele Menschen in deinem Umfeld können von sich sagen, sie sind bei sich angekommen und sie leben ein Leben, was so ihren Bedürfnissen und ihr ihnen als Person entspricht? Es sind ja auch die, die ich täglich treffe, ne, die wo ich denke, nein, da haben sich Menschen unterwegs verloren. Vielleicht haben die sich auch noch nie gefunden. Auch das ist ja eine Möglichkeit, ne.
Und Leben son Leben mit Scheuklappen, wie Du es genannt hast, auf ihrem Weg und wissen, dass irgendwas nicht stimmt, aber kommen da nicht raus. Deswegen, ich find das so wunderbar, wenn Du das sagst. Da würde ich jetzt gern nicht so direkt weitergehen zum nächsten Punkt, sondern das ist so schön, oder? Zu sagen, ich lebe so, wie es für mich gut und richtig ist. Und vor allem bin ich jetzt auch durch die ganze Geschichte eben so, dass ich auch nie wieder in diese Scheuklappen geraten werde.
Da bin ich mir sehr sicher, sondern dass ich jetzt auch immer wieder, ja, mich da auch wieder rückversichere, wieder mit mir in Kontakt gehe und sag, ist es noch oder möchtest Du wieder was anderes? Also so auch dieses große Bewusstsein von, ich kann mein Leben jederzeit auch wieder ändern, weil's eben einfach mein Leben ist und ja, ich der Steuermann, die Steuerfrau bin. Ja, das hast Du auch auf deiner Homepage irgendwo geschrieben, ne. Ich gucke mal, wie hast Du das genannt? Als ich anfing, mein eigenes Leben zu erschaffen, hast Du geschrieben.
Es hat ja auch so was Gestaltendes, ne, wie Du es gerade auch gesagt hast. Du bist derjenige, der dein Leben erschafft und diese Gewissheit zu haben. Wenn ich in eine Situation gerate, die mir nicht entspricht, dann kann ich's ändern. Das finde ich, das ist so so eine so wichtige Botschaft für alle da draußen, die noch so in der Krise und in der Findung und in der Entwicklung stecken, ne. Das ist so viel wert.
Ah, schön. Ja. Und jetzt Punkt 2. Genau. Punkt 2 ist eben genau dieser Punkt, der mich jetzt auch in dieses Interview gebracht hat, dass ich einfach merk, es gibt so unglaublich viele Menschen da draußen, die eben entweder, ja, noch komplett in diesen Scheuklappen leben und noch gar nicht daran denken, dass es vielleicht 'n anderes Leben auch gäbe oder sich gar nicht trauen, daran zu denken.
Und zum anderen gibt's eben ganz, ganz viele Menschen, ja, die die wirklich auch schon denen's wirklich schlechter durchgeht, dass sie nicht ihr Leben leben und die entweder sich eben keine Hilfe suchen. Also es gibt ja diese Statistik, das durchschnittlich dauert es 7 Jahre, bis sich jemand therapeutische Hilfe zum Beispiel sucht, obwohl er schon weiß, dass irgendwas nicht passt. Und das find ich so unglaublich, dass es so viele Menschen gibt, die vielleicht immer noch Angst haben, sich schämen. Und ja, wenn ich 'n bisschen was von dieser Scham abbauen kann und ja, vielleicht nur einen Menschen dazu bringen, ein Jahr früher sich Hilfe zu suchen, dann hätte das schon einen Riesensinn gehabt. Ja.
Und das war damals auch, als ich diesen Blog angefangen hab, dachte ich, wenn ich einen einzigen Menschen damit erreiche und einen einzigen Menschen zum Umdenken bewegen kann, dann hat das sich schon gelohnt. Das ist schön, da sind wir uns total ähnlich, ne. Das war ja auch mein Ziel, warum ich diesen Podcast ins Leben gerufen habe, ne. Weil ich auch merke, hey, die Leute holen sich entweder keine Hilfe oder in diesem Krankenkassensystem, sie finden einfach keinen, ja? Also selbst wenn man sich ja irgendwann entscheidet, hey, jetzt suche ich mir 'n Psychotherapeuten, kann's ja immer noch sein oder 'n Klinikplatz, dass man keinen bekommt, ja?
Das ist ja das ist 'n echter Skandal. Aber gut, das soll heut uns hier nicht das Interview von der Stimmung herunterziehen, aber das war mit 'n Grund, warum ich auch diesen Podcastweg gegangen bin, weil ich gedacht hab, hey, ich erzähl so viele mal im Therapieraum und es wär so wichtig, dass das auch nach draußen kommt und dass Leute sich das anhören können. Und wenn's nur einen erreicht, dann bin ich komplett bei dir, der deswegen schneller oder anders vorangeht. Dann hat sich das Ganze schon gelohnt. Also, das war der Sinn.
Einmal für dich persönlich hast Du dargestellt, ne, wie es so dich mit dir wieder in Kontakt gebracht hat und dir jetzt hilft, 'n selbstgesteuertes Leben zu führen. Und das 2. Eben, Du bist quasi ein, ja, ein Botschafter für, ja, die psychische Gesundheit, wenn man's irgendwie son bisschen eher aus dieser Krankheitsrichtung ausdrückt, aber eigentlich auch für das Glück und für die Selbstverwirklichung, ne. Genau, ja. Das ist ganz schön.
Ich mag auch das Wort Brückenbauerin. Ja, das habe ich auch bei dir gelesen, ja. Ja, so sehe ich mich auch wirklich. Du machst ja auch jetzt viel in der Begleitung von Menschen, zum Beispiel mit Essstörungen, ne? Ich hab gesehen, Du bist in Selbsthilfegruppen aktiv.
Erzähl da mal 'n bisschen, wie Du deine Botschaft in die Welt bringst, außer mit solchen schönen Interviews wie dem hier. Genau, also Aber damit hat alles begonnen. Also der Blog war irgendwie so der Startschuss, den habe ich auch begonnen in 'ner Phase, wo ich selber noch überhaupt nicht wusste, dass ich mich beruflich weiter anders entwickeln würde. Also da war es wirklich noch so, ich war mir total sicher, ich werd ja mir, wenn ich wieder stark genug bin und auf die Beine gekommen bin, dann such ich mir den Job in der Pharmabranche, für den ich jetzt ausgebildet bin. Mhm.
Also selbst zu dem Zeitpunkt war ich dann noch sehr eingenordert, sag ich mal. So der Weg, der wird weitergegangen, wenn ich quasi das ja meine Schwäche überwunden hab. Und es war dann schon 'n ganz, ganz großer Schritt, überhaupt mal den Gedanken zuzulassen, aus dem System in irgend 'ner Form vielleicht aussteigen zu dürfen und den Weg nicht zu Ende zu gehen. Und ja, und dann muss ich sagen, dass ich das kamen die Projekte son bisschen zu mir. Also durch das, dass ich eben mit meiner Geschichte nach außen gegangen bin, sind viele auch professionelle Menschen zu mir gekommen und gesagt haben, so jemand wie dich, auf dich hab ich gewartet.
Also dass ja auch im, ja, Menschen, die mit Betroffenen arbeiten oder die auch in der Prävention arbeiten, sagen, es hat so viel mehr Gewicht, wenn sich da jemand hinstellt und sagt, ich hab das erlebt und ich kann das aus meiner Erfahrung euch erzählen, dass es eben nicht der Weltuntergang ist und dass man auch mal in die Klinik gehen kann. Dass ich einfach gemerkt hab, das hat 'n großen Wert und da ist Bedarf. Und ja, das hat dann eben Ich hab mir dann einfach auch erlaubt zu sagen, okay, ich nehm mir jetzt die Zeit und probier mich aus. Das heißt, die Projekte, die an mich herangetragen wurden, da hab ich gesagt, ja, ich probier's einfach. Und das war auch son wichtiger Prozess, mich selbst kennenzulernen, weil auch da hatte ich zum Beispiel noch total diesen Glaubenssatz, ich kann überhaupt nicht mit Menschen arbeiten.
Also ich bin so vergeistigt, ich muss auf jeden Fall quasi nur an Bücher und vielleicht ins Labor, aber mit Menschen kann ich nicht so. Du mit deinem hohen Intellekt bleibst besser bei den Büchern. Genau. Ja, so war das total in mir irgendwie verankert. Und ja, und dann habe ich gesagt, okay, jetzt stehe ich einfach gerade an dem Punkt, ja, wo ich überleg, welches Leben möchte ich mir erschaffen und jetzt probiere ich einfach alles aus.
Und da habe ich eben dann begonnen, 1. Projekte mit Schülern zu machen, eben mit Präventionsprojekte in Schulen zu gehen. Inzwischen ist das son bisschen ausgeweitet, dass ich auch an Universitäten gehe und auch da sag, ja, ich hatte das im Studium auch und trotzdem hab ich studiert und trotzdem hab ich 'n super Abschluss gemacht. Und also das war so der der Präventionsteil, dass da verschiedene Projekte kamen. Und das 2.
War eben, dass ich damals hier in Nürnberg bei dick und Dünn hab ich selber mich sehr gut aufgehoben gefühlt, war damals selber Teilnehmerin in 'ner Selbsthilfegruppe. Mhm. Und ja, hab mich da auf meinem Weg in dieser Entwicklung son bisschen raus entwickelt und hab dort quasi dann erstmals die Seite gewechselt und hab die Leitung übernommen. Also man muss dazu sagen, das ist keine therapeutische Gruppe, sondern eine angeleitete Selbsthilfegruppe. Mhm.
Das heißt, dass halt jemand son bisschen den Rahmen bietet und auch 'n paar Regeln eben aufpasst, dass es nicht abdriftet. Und eigene Erfahrung einbringt, ne. Das ist der Vorteil bei dir, das kannst Du. Ja, genau. Und auch da Ich mag auch dieses Wort Hoffnungsbewahrer.
Also auch da kann ich sagen, schaut, man kann es schaffen. Und ich bin den Weg gegangen und ich hab jetzt nicht die Lösung für alles, aber ich kann einfach sagen, es geht irgendwie. Der Weg ist hart und ist vielleicht auch schwer zu finden, aber es ist möglich. Ja und dieses, ich find, Du bist da vorhin auch wieder. Du bist manchmal etwas schnell für mich, weil ich find, da sind so wichtige Botschaften drin, ne.
Du hast dich ausprobiert mit diesen Berufsdingen, als Du dir erlaubt hast, so von der eigentlich in deinem Kopf vorgefertigten Karriere wegzugehen und zu sagen, ich probier mich jetzt einfach aus. Ich probiere mal was. Das ist natürlich ganz wunderbar, weil wie viele Leute denken, ich stecke irgendwo fest, wo ich mich eigentlich wohlfühle, aber ich kann ja nicht weg oder ich trau mich nicht wegzugehen. Und das gehört, glaube ich, zu diesem Genesungsweg ganz wichtig dazu, 'n Stück weit zu sagen, okay, ich trau mich jetzt. Ich hab den Mut, loszugehen.
Und das ist ja auch was, was wir sagen können. Es lohnt sich sozusagen, diesen Weg zu gehen, ne. Es ist nicht so, dass mein Weg immer krisenfrei war, Gottes Willen. Also ich hab auch schon so so manche Burnout Stufe hab ich schon so mitgenommen. Aber da Deswegen kann ich jetzt in solchen Beratungssituationen eben auch besonders hilfreich sein, weil ich sah Wie Du sagen kann, ja, das kenne ich.
Das ging mir genauso. Und das finde ich noch mal so diesen Mut, diese Selbstverantwortung irgendwann zu sagen, ich probier jetzt was mit dem Risiko, dass es auch nicht klappt. Ja. Hätte ja auch sein können, dass alle deinen Block blöd finden. Ist jetzt Ja.
Wirklich nicht passiert, überhaupt nicht, aber kann ja auch sein, aber dann ist das doch nur ein weiterer ein weiterer Erkenntnisstein, der dazukommt. Ja, das hätte genauso gut sein können, dass es die totale Belastung wird und mir überhaupt keinen Spaß mehr macht oder also. Ja, da hab ich mir aufgehört. Genau. Und das war aber halt der Punkt, diese Flexibilität und das war ein ganz, ganz wichtiger Schritt eben in meinem Kopf, diese Flexibilität mir einzuräumen.
Zu sagen, also zum einen die Erkenntnis, dass, dass es mir so viele Jahre so schlecht ging, hatte ja irgend einen Grund. Und es ist unglaublich, dass es so viele Jahre gebraucht hat, bis ich mal begriffen hab, es könnte an meiner Art des Lebens, an meine Art der Lebensführung liegen. Mhm. Und eben mir mal zu erlauben, zu sagen, und vielleicht kannst Du auch mal was verändern. Aber das war auf jeden Fall 'n ganz, ganz entscheidender Punkt.
Tust Du noch was beruflich? Also wir hatten jetzt einmal so, dass Du sagst, Du gehst an Universitäten, Du arbeitest mit Leuten, die Ängsten haben, dann hast Du dick und Dünn genannt, so als eine Station, wo Du Selbsthilfegruppen leitest. Was tust Du sonst noch so? Ja, also davon hat sich das son bisschen weiterentwickelt, dass ich jetzt ja auch in anderen Settings Workshops gebe. Also ich hab lange Zeit auch eine Kreativgruppe geleitet Und dann kam auch irgendwie das son bisschen zu mir, dass ich, ja, an mich herangetragen wurde, dass dadurch, dass ich ja Biochemikerin bin eigentlich, ist es auch nicht so weit der Schritt zur Ernährung.
Und dass es halt 'n großen Bedarf gibt an Ernährungsberatern, die sich eben auch, ja, so mit dem Krankheitsbild auskennen. Ja. Und dann hab ich erst, ja, sone kleine Ausbildung gemacht, son bisschen reinzukommen Und mach jetzt aktuell am Frankfurter Zentrum für Essstörung, die bieten son recht großen Block in Ernährungspsychologie. Und da hab ich auch erst mal so reingeschnuppert und da hab ich einfach gemerkt, auch das hat mich total getroffen und total, ich sag mal angefixt. Also auch da, das ist sone wunderbare Art, mit dem Menschen umzugehen und auch auf die Ernährung von dem Menschen zu gucken und so, ja, einfach mit 'ner mit 'ner bestimmten Haltung dem Menschen gegenüber, dass mich das unglaublich anspricht.
Mhm. Und das ist jetzt quasi noch ja, das so der weitere Baustein, den ich so mit reingenommen hab, dass ich sag, ja, vielleicht kann ich auch mit dem Wissen eben Menschen noch weiterhelfen. Schön. Ja, und wenn Du darüber redest, merkt man direkt, dass das auch was ist, was zu dir passt, ne. Was dieses Bild einfach noch komplettiert, wo die Reise noch weitergeht.
Und das hört nie auf, oder? Also ich finde, es kommen immer wieder neue Sachen und denen kann man nachspüren und nachgehen und die begleiten einen dann ein Stück des Lebens und irgendwann ist vielleicht auch mal wieder 'n neuer Schwerpunkt dran. Aber ich finde auch, das passt total gut. Also es ist auch so, dass Also es ist jetzt auch nicht so, dass ich sag, alles, was ich jetzt da angefangen hab, hat dann auch komplett gepasst. Also ich hab zum Beispiel ganz am Anfang hab ich mal in der Flüchtlingshilfe gearbeitet, da hab ich dann total schnell gemerkt, dass mich das unglaublich überfordert.
Also die die Sprachbarriere und Also da waren zum Teil auch einfach Frauen, die überhaupt gar kein Englisch, gar kein Deutsch, da hab ich einfach gemerkt, das das hat mir auch überhaupt nicht gut getan. Ich war permanent völlig überfordert. Mhm. Und es hat mir dann auch irgendwie leid getan, dass wieder, ja, so dieses Gefühl, ich lass die jetzt im Stich. Aber das war auch 'n Punkt, das musste ich dann machen, dass ich einfach sag, das kann ich nicht weitermachen, weil daran geh ich irgendwie auch kaputt.
Genau, Du hattest ja schon zu diesem Zeitpunkt gelernt, auf dich aufzupassen, ne? Ja, genau. Dann muss man sich von manchen Dingen halt wieder verabschieden, auch wenn man meint von der Wertehaltung, ich würde das gerne tun, aber es geht für mich nicht, sondern ich muss mich schützen an der Stelle. Sag mal, ich bin ja auch total neugierig, was so das Thema betrifft. Diese ganzen Therapien, sei es jetzt, ob Du in der Klinik warst oder ob Du ambulant mit jemandem gearbeitet hast.
Was waren sozusagen die Erfahrungen, wo Du sagst, nee, das war doof und das war unangenehm? Und dann möchte ich natürlich auf jeden Fall auch hören, was waren die positiven Sachen und was hat dir das Ganze gebracht? Mhm. Also, was hat es nicht gebracht oder was was nicht so gut war, war das einfach Bei meiner allerersten Therapie, als ich die begonnen hab, da ja, ich war noch jung und natürlich war auch da der Schamfaktor irgendwie da. Also ich dachte, ja, ich krieg halt mein Leben nicht auf die Reihe und deswegen muss ich jetzt dort hingehen.
Ja, Höchststrafe. Ja, es war es war irgendwie so. Also ich muss jetzt quasi einmal die Woche einen Abend dafür opfern, weil ich's halt alleine nicht gebacken krieg, so. Und so mit dieser Haltung bin ich dahin und dann war natürlich auch damit verbunden son bisschen die Haltung, also es war eine Frau damals, dass sie hat quasi ganz viel Ahnung und ich hab ja gar keine. Das heißt, ich bin da hingegangen jede Woche mit dem ich erzähl dir, wo das Problem ist und Du sagst mir, was die Lösung ist.
Mhm. Und das hatte 2 große Probleme, weil zum einen ja, war natürlich, also kann das natürlich auch der Therapeut nicht leisten, dass er dir sagt, so musst Du jetzt dein Leben machen. Also ist ja utopig. Diesen einen Weg nicht, ja. Ja, genau.
Und das 2. Große Problem war, dass ich dann auch einfach alles, ja, ohne es zu hinterfragen übernommen hab. Also es Für mich war das, was diese Dame gesprochen hat, war Wahrheit. Mhm. Und das ist natürlich 'n ganz, ganz großes Problem, weil sie natürlich nicht mein Leben gelebt hat.
Also sie hat Vermutungen geäußert, aber das musste ja eigentlich nicht stimmen. Und ja, deswegen bin ich trotzdem dankbar für diese 1. Therapie, weil sie hat mich ja aus dieser Depression geführt und hat mich leistungsfähig gemacht, hat mir auch viele Tools an den Mann gegeben. Aber letztlich bin ich dort halt nicht so auf den Kern des Problems, sag ich mal, gekommen, weil ich einfach, ja, wie 'n Bittsteller da war und gesagt hab, sag Du mir, wie's geht. Und so finde ich, ist Therapie überhaupt nicht gedacht, ne.
Also zumindest in meiner Welt überhaupt nicht, weil ich auch immer denke, der Transfer liegt ja auf der Klientenseite. Also ich kann natürlich sagen, hey, vielen Leuten hat das und das geholfen oder das schon mal ausprobiert, ne. Ich hab unterschiedliche Möglichkeiten, Vorschläge zu machen oder ich denke, das und das. Aber diese ganze Transferleistung, die liegt ja tatsächlich und das hast Du schön beschrieben, auf der Klientenseite, also in deinem Fall bei dir. Und wenn Du noch nicht so weit bist, dass Du transferierst, dann wird das son ganz unschönes Miteinander, weil ich erlebe es häufig so, dass die Patienten dann auch so enttäuscht sind, weil sie sind ja irgendwo hingekommen, wo sie die Lösung erwartet haben.
Und dann sitzt da jemand wie ich und sagt, ja, aber ich hab keine Lösung. Also ne, ich kann mit dir gemeinsam überlegen, wie wir losgehen können und wo das für dich hinführt, aber ich hab die Lösung nicht. Aber es macht häufig im Therapieraum 'n ganz komisches Miteinander für den Therapeuten und für den Klienten. Und ich find das super, weil dass Du es so beschreibst, das war irgendwie, ja, das war die 1.. Also man lernt auch son bisschen, was Therapie für einen tun kann und was eben auch nicht, ne?
Ja, auf jeden Fall. Ich mein, ich hab das dann halt auch Ich glaube, es hat auch deswegen nicht so viel gebracht, wie ich's hätte bringen können, weil ich auch son ganz krasses Machtgefälle dann halt im Kunden hab. Das ich aber natürlich auch reingebracht hab, indem ich sie auf son Sockel gesetzt hab. Aber eben so dieses Gefühl, ich darf auch nicht nein sagen, das macht auch eine ganz ungute Atmosphäre. Und ja, das hab ich aber halt auch alles erst viel, viel später begriffen, weil natürlich erst mal denkt man ja, okay, so läuft halt Therapie ab.
Ja, die Leute wissen's ja gar nicht. Das ist Ja, nur so hat ich's erlebt, ja. Und aber trotzdem, 'n weiterer großer Vorteil, den ich dann hatte, war, dass ich trotzdem die Erfahrung gemacht hab, es gibt solche Menschen und die können ja auch hilfreich sein und können für dich da sein. Und als ich das 2. Mal wieder in der Situation war, dass ich einfach gemerkt hab, irgendwie läuft was schief in meinem Leben und ich komm irgendwie so alleine nicht klar, Da war der Weg irgendwie nicht mehr so weit zu sagen, ich guck jetzt, ob ich nicht wieder einen Therapeuten finde.
Da war ich allerdings dann in dem Problem, dass ich ja so im Speckgürtel von München gelebt hab damals und dass es dann wirklich, wirklich schwierig war, einen Platz zu finden. Und auch da, dass ich sehr lange gesucht hab zum Glück, war ich da dann auch schon in meiner Entwicklung weiter, dass ich auch, obwohl's schwierig war, überhaupt einen Platz zu kriegen, mir auch ganz klar war, ich nehm nicht den Erstbesten. Mhm. Super. Also man hat ja eben diese probatorischen Sitzungen, wo man sich erst mal kennenlernen kann.
Und da war ich auch insgesamt eben bei 3 verschiedenen, bis ich dann gesagt hab, okay, da kann ich mir das jetzt vorstellen. Und das ist nämlich auch was, was halt durch diese Knappheit, das krieg ich auch immer wieder in der Selbsthilfe mit, durch diese Knappheit ist ganz oft, dass ja die Menschen das Gefühl haben, eigentlich harmoniert's überhaupt mich mit dem Therapeuten. Mhm. Aber wenn ich das jetzt aufhör, dann find ich ja niemand anders. Mhm.
Und ich finde immer so schlimm. Ja und ich finde immer aber, wenn Du quasi sagst, das passt nicht und magst den Platz frei, dann ist ja der wieder frei, auch wie jemand, mit dem's vielleicht total gut passt. Mhm. Vielleicht ist immer so, als könnte man Plätze tauschen imaginär. Aber das ist auf jeden Fall auch 'n ganz großes Problem, weil ja nicht Man man begegnet sich einfach auch auf 'ner menschlichen Ebene und nicht jeder Mensch passt zu jedem Menschen.
Ja, und wenn man mit jemandem wirklich über seine innersten Gedanken und seine Ängste und seine Befürchtungen und seine Selbstzweifel reden soll. Das bedingt ja ein gewisses Vertrauensverhältnis, was einfach da sein muss, ne. Das funktioniert ja nicht, wenn da eine Störung auf der Ebene vorliegt. Aber ich seh die Not der Patienten, ich seh es. Mhm.
Wirklich. Mhm. Und dann hab ich noch mal eine andere Erfahrung gemacht. Dann hab ich eine Therapeutin gefunden, mit der ich unglaublich gut harmoniert hab und wir auch 'n sehr tiefes Vertrauensverhältnis hatten. Und trotzdem konnte sie mir leider nicht so weiterhelfen, wie ich's gebraucht hätte, weil zu dem Zeitpunkt hatte ja dann die Essstörung, so die Depression abgelöst.
Und sie war einfach nicht spezialisiert in dem Gebiet und kannte sich nicht aus. Und ich weiß, ich kenn mich jetzt nicht mit sämtlichen psychischen Erkrankungen aus, aber grade bei Essstörungen ist es so unglaublich wichtig, dass der Behandler auch weiß, wie das ganze System läuft und wie das tickt. Und sie hat auf jeden Fall ihr Bestes gegeben und ist da auch nach so Manual vorgegangen und so, aber es war einfach für mich nicht das Richtige. Mhm. Und es war aber dann auch sehr schön, weil weil ihr das dann auch recht schnell bewusst wurde, dass wir das eben so nicht gelöst kriegen, sag ich mal.
Auch natürlich mit der Situation, dass ich ja gleichzeitig noch diese Promotion da im Labor stemmen wollte. Dass wir uns dann eben, ja, quasi auf einen Deal geeinigt haben und gesagt haben, okay, das Gewicht darf nicht mehr tiefer rutschen. Und ja, dafür kann ich quasi die Promotion zu Ende machen. Und dann ist aber der Deal, dass ich eben stationär gehe. Und das ist auch was, was ich in dem ganzen System kennengelernt hab, dass es auch viele Stellen gibt, jetzt zum Beispiel auch Hausärzte oder Allgemeinmediziner, die sich einfach nicht gut auskennen.
Mhm. Und die dann oft einen Weg als den einzig richtigen darstellen. Ja, und gerade wenn Du so dünn bist, häufig ist es Kontrolle, ne? Ja, also ich war zum Glück nie so untergewichtig, dass man jetzt sagt, das war jetzt auf jeden Fall lebenserhalten nötig, aber trotzdem hab ich einfach die Erfahrung gemacht, dass tatsächlich auch die Fachleute große Angst haben davor, dass im ambulanten Setting irgendwie anzugehen. Ja, ich kann Das kann ich aus von meiner Seite total bestätigen.
Du musst Angst haben manchmal, dass die Leute wegsterben über dieses körperlich Verschwindende. Das ist natürlich, ich meine, einmal die Woche 50 Minuten, ne. Also da ist die der Einfluss des Therapeuten wird wahrlich auch überschätzt, weil alleine aus zeitlichen Gründen, der ist nicht wirklich da, ja. Das ist schon und das macht mir dann auch Angst, wenn ich mit für jemanden Verantwortung übernehme, wie ich das Gefühl hab, na ja, aber ich seh den einmal die Woche, wenn's gut läuft. Und ich find auch dieses, dass ich Patienten in der Praxis biegen muss, zu kontrollieren, wo sie stehen, das ist so wieder mein therapeutisches Sein.
Da komme ich mir albern bei vor beziehungsweise das kriegt wieder so Machtgefälle, was ich nicht will Ja. Hast, wie Du's beschrieben hast. Ja. Also ich Stehen wir wieder in in 'nem Machtverhältnis zueinander, weil ich der Kontrolleur werde. Ja, finde ich auch total ungut.
War auch mit 1 der Gründe, warum das damals bei mir ambulant nicht funktioniert hat, eben diese Wiegerei, weil das einfach unglaublich schwierig für mich war in diesem Setting. Und ich bin heute überzeugt davon, dass es ambulant funktionieren kann, aber eben natürlich nur bis zu 'ner gewissen Gewichtsgrenze. Also nicht umsonst ist, glaube ich, der BMI bei 16 bis Also Wir dürfen sogar noch 14, ne, 14 vorne haben, 14.8, glaube ich, rein rein jetzt mal von der formalen Rechtsordnung es gibt. Ich meine, wo wir wirklich auf eine Einweisung bestehen müssen, ist 14. Wobei wir beide wissen, 14 ist das Ganze ist schon nicht mehr tragbar eigentlich.
Ja. Und ich finde aber, dass es im ambulanten Setting, wenn es das sein soll, dann braucht es tatsächlich 'n richtiges Team. Also dann muss der Hausarzt da involviert sein, der dann zum Beispiel das Wiegen übernimmt, der das alles überwacht. Dann braucht's eben jemand, der auf die Ernährung schaut, weil auch der Therapeut, wenn der jedes Mal sich 10 Gramm Butter diskutieren soll, dann ist die Therapiezeit vorbei. Mhm.
Also es braucht er braucht auf jeden Fall dann auch 'n größeres Team. Und deswegen bin ich im Nachhinein auf jeden Fall auch dankbar und ich glaub es Also ich bin mir über sicher, dass Ich bin überzeugt davon, dass es richtig war, in die Klinik zu gehen und dass es mir auch auf jeden Fall was gebracht hat, weil ich da zu dem Zeitpunkt auch an dem Punkt stand, wo ich sag, ich hätte ambulant das Daheim nicht mehr geschafft, wieder so das Essen anzufangen. Und in der Klinik war's einfach klar, es wird jetzt gegessen. Und ja, und ich hab dort ja auch diese Trinkzusatznahrung. Ich hab mich zwar erst total gewehrt, aber jetzt bin ich da der totale Fan von, weil so gut abgestimmt kannst Du eigentlich die ganzen Nährstoffe und so weiter gar nicht bekommen wie durch diese Zusatzdrinks.
Also es ist ja dann nicht ersetztend, sondern zusätzlich, eben ein Gewicht aufzubauen. Also das hat mir alles auf jeden Fall total viel gebracht. Allerdings direkter oder anhaltend, weil ich find das noch mal, da da ist son ganz wichtiger Punkt drin. Ich werde immer wieder mit der Aussage konfrontiert von Menschen, die sagen, ja, ich hab schon so viel gemacht, ich hab schon Therapien gemacht, ich hab schon Pläne gemacht, nichts hat mir geholfen. Ne, und das da versuche ich dann auch immer zu sagen, nee, das das finde ich von der Betrachtungsweise her einfach total entwertend für all das, was derjenige schon geleistet hat.
Auch für das Helfersystem dahinter, aber auch für den eigenen Weg. Weil wenn man sich anguckt, wann funktionieren Therapien eigentlich? Was ist so der Moment, wo wirklich so dieser Schalter fällt und man in die Heilung, in die Genesung kommt? Dann ist das ja 'n Weg bis dahin. Das ist ja dann nicht dieser eine Therapeut, dieser eine Klinikaufenthalt, der die Wände oder doch, der bringt vielleicht schon die Wände, aber der baut natürlich auf allem, was vorher passiert ist, auf.
Das heißt plötzlich, also wenn Du sagst, dass in der Klinik war wichtig, das hat mich wieder zum Essen geführt, aber all das, was Du vorher aus deinem Prozess schon wusstest, konntest Du ja plötzlich wieder anwenden. Und ich ich tu mich ganz schwer damit, dass Leute das immer so entwerten, ne. Ich hab da was gemacht und das hat nichts gebracht. Nee, glaube ich nicht. Es hat noch nicht den gewünschten Effekt gebracht, aber mittelfristig ist all das, was man da gelernt und verstanden hat, das, was einen hinterher mitträgt, wenn es dann wieder in die Genesung kommt, ne.
Und das finde ich noch mal so wichtig. Du beschreibst das so schön, weil Du sagst, ja, da war ich da. Das hat zwar nicht so gut geklappt, das hat mir nicht so sehr geholfen, aber das war für den Zeitpunkt vielleicht gut, weil dieser Deal, den Du gerade beschrieben hast, ne, es war vielleicht auch wichtig, dass Dieter dann Anker war und dann hast Du in der Klinik schon wieder darauf zurückgreifen können, was Du mit ihr besprochen hast. Ja. Also ein aufbauender Prozess, das will ich, glaube ich, sagen.
Und man sollte nicht zu vorschnell entwerten, wenn mal nach, was weiß ich, 15 Wochen in 'ner Klinik nicht 'n Mann komplett genesen ist. Ja, auf jeden Fall. Und ich denk auch, dass man eben einfach aus jeder Station eben was für sich mitnimmt. Und tatsächlich war's jetzt bei der Klinik eben zum einen, dass er sich einfach körperlich wieder besser aufgestellt war und dann natürlich auch das Gehirn wieder besser funktioniert, muss man mal ganz klar sagen. Das heißt, das habe ich schon mitgenommen und ich bin ja dann auch quasi vorzeitig gegangen, war quasi Klinikabbrecher.
Ich mag das Wort nicht, weil das auch sone Hürde aufbaut, gar nicht in die Klinik zu gehen, wenn man dann ja irgendwie nicht das Recht hat zu sagen, wenn's mir nicht hilft, gehe ich wieder, sondern dann eben 'n Abbrecher ist. Bei mir war es hilft mir nicht, sondern wahrscheinlich hast Du in dem Moment gesagt, danke, jetzt reicht es hier. Ja, genau, so war's. Ja. Es hilft nichts, sondern danke, es reicht jetzt.
Ich, das weiß ich nicht länger. Genau, es war einfach für mich 'n Punkt, wo ich gesagt hab, wenn ich jetzt noch länger bleibe, schadet es mir. Deswegen gehe ich jetzt nach Hause. Mhm. Und ja, aber trotzdem wird das dann halt immer son bisschen Unmut eben mit diesem Abbruch dann dargestellt, was dann auch wieder mit den Krankenkassen zu tun hat, dass da natürlich eine Rechtfertigung stattfinden muss und so weiter.
Aber tatsächlich war auch dieser Klinikaufenthalt für mich so unglaublich wichtig, als dieser letzte Impuls, den's gebraucht hat, zu begreifen, dass mich niemand anders heilen kann. Also wenn ich gesund werden will, dann muss ich das selber tun. Es gibt natürlich viele Hilfstellungen, aber ich bin auch in diese Klinik gegangen mit diesem Dürgglauben, ich geh da hin. Und dann, wenn ich wieder heimkomm, dann bin ich gesund. Die machen mich heile.
Und es war total schmerzhaft, mich davon dann zu verabschieden. Natürlich war das auch erst mal, es war dann natürlich meine Schuld. Also ich hab ja mich nicht ordentlich angestrengt, deswegen bin ich jetzt nicht gesund und solche Gedanken. Aber es war einfach son ganz wichtiger Faktor, das zu sehen, zu sagen, okay, eigentlich hab ich doch jetzt schon mal alles mitgemacht und jetzt bin ich ja immer noch nicht gesund. Verdammt.
Woran könnt's denn liegen? Und ja, das war dann auch so der Punkt, da bin ich dann zum einen hier in Nürnberg an eine ganz, ganz tolle Therapeutin auch geraten, die sich eben auch mit Essstörungen auskennt und wo ich auch ja zum ersten Mal so richtig dieses Gefühl von Sparringpartner hatte, von ja, man sucht gemeinsam einen Weg, sie äußert vielleicht eben Erfahrungen oder Vermutungen und ich schaue, ob das stimmt oder nicht. Und zum anderen bin ich da zum ersten Mal in Berührung gekommen mit der Persönlichkeitsentwicklung, die ja jetzt auch in Deutschland immer größer wird. Mhm. Gibt ja auch da immer mehr, auch Podcasts und so weiter.
Und bei mir war es damals eben Laura Malina Seiler, die ja jetzt auch recht groß ist inzwischen. Also damals groß ist gut, wahnsinnig groß. Ja. Hatte damals gerade erst angefangen. Also da waren so die ersten Folgen des Podcasts draußen und sie hatte da in irgend 'ner Podcastfolge eben auch darüber gesprochen, dass Du eben der Erschaffer deines eigenen Lebens bist und alles selbst entscheiden kannst.
Und der hatte da ganz zum Schluss ja einen Satz gesagt und es war eben, geh los, geh einfach los. Und das war irgendwie dann son Mantra in meinem Kopf, wo ich dachte, ja, sie hat eigentlich recht. Eigentlich ist es doch mein Leben und ich kann eben gucken, welcher Weg für mich richtig war und das hat noch mal ganz, ganz viel bei mir irgendwie geändert, auch mein Verhältnis eben zu diesem Hilfssystem. Und er hat eigentlich meine ganze Perspektive auf das alles ganz geändert. Schön.
Ach, da war schon wieder so viel drin. Einmal dieser diese Sparringspartnerschaft, die Therapie sein kann und die die sinnvollerweise in der Therapie auch da sein sollte. Und dann natürlich diese ganzen Selbsthilfemittel, wie Du das sagst, die es jetzt gibt, ne. Es gibt die Podcasts. Wir sprechen ja auch für einen Podcast hier miteinander.
Es gibt so viele Bücher, es gibt so viele Blogs, es gibt Artikel und nicht jeder passt für einen, aber manche Leute berühren einen einfach. Und manche Folgen berühren einen, so wie Du heute noch 'n Satz zitieren kannst, der da drin ist. Und dieser Satz ist dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, sodass Du denkst, jo, ich geh mal los. Genau. Wir gehen ja los.
Und das finde ich, das ist ja Es ist sind so viele Möglichkeiten da, aber irgendwann muss derjenige sagen, okay, jetzt jetzt Ja. Jetzt darf alles zusammenkommen, jetzt darf sich was verändern, jetzt geh ich los. Ja. Und ich muss auch sagen, dass wirklich ja auch die Unterstützung im Umfeld war für mich total wichtig. Also dass man einfach auch Leute hat, die auch in sonem Prozess an der Seite stehen und eben Bei mir war's, wie gesagt, diese Therapeutin, ich bin da hingegangen mit dieser Idee, ich fang jetzt das Blocken an und ich dachte, sie sagt, oh Gott, jetzt sind sie aber komplett abgedreht und es war überhaupt nicht so.
Sondern sie sagte, ja, so begeistert, wie sie das erzählen, machen Sie das. Und sie war auch die 1., der ich den Link geschickt hab und gesagt hab, lesen Sie mal. Und dann war's für mich auch mein Bruder und mein Freund natürlich, die beide genauso reagiert haben. Die nicht gesagt haben, ja, sag mal, hast Du sie noch alle? So, damit kann man doch nicht an die Öffentlichkeit gehen, sondern die gesagt haben, ja, wenn Du das Gefühl hast, das könnte dir helfen, dann macht es.
Wir stehen da hinter dir und an deiner Seite. Und das merke ich halt auch jetzt, wo ich ja auch sehr, sehr viele Betroffene mit unterschiedlichen Geschichten kenn, dass auch das sehr, sehr wichtig ist, dass man einfach son paar Bezugspersonen hat, die Du bist selber schon so unglaublich verunsichert. Die einfach dir son bisschen den Rücken stärken und sagen, ja, geht diesen Weg. Und so sehe ich mich jetzt eben ja mit meinen Klienten und auch mit denen, die in der Gruppe mir gegenüber sitzen, auch son bisschen, dass ich die kleine Chance hab zu sagen, ja, ich stärke da 'n bisschen den Rücken, weil das war für mich auch sehr wichtig. Ja, genau.
Finde deinen Weg, ne, so, dass es Also jeder für sich, jeder muss gucken, was ist meine Lösung des Ganzen? Wo fange ich an? Und das ist bei dir ja so viel Schönes draus geworden, ne. Der Weg kennt sich ja so weit getragen, von diesem ersten Moment an mit damit an die Öffentlichkeit zu gehen, bis heute hier. Das ist ja, das ist einfach schön.
Ja und ich bin mit jedem Schritt unglaublich gewachsen und gefühlt auch, ja, man könnte sagen mutiger geworden, aber ich glaube, es ist eher, dass so mein Vertrauen gewachsen ist, so mein Vertrauen in dieses Leben und das alles ja schon seinen Sinn hat und alles so kommt, wie es dann gerade sein soll. Und halt auch das Vertrauen in mich, dass ich ja auch mit nicht jeder Situation, aber mit sehr, sehr vielen Situationen auch irgendwie umgehen kann. Das ist so schön, da sind wir wieder bei der Glaubwürdigkeit, ne, wenn son Therapeut so was sagt wie ich oder wenn Du so was sagst als Betroffene, wo Du sagst, der Weg von 17 bis 30, der war wahrlich hart in meinem Leben, ja? Das hat mich viel Energie gekostet, da habe ich viel ausgehalten, da habe ich viel gekämpft, weiterzukommen und das hat aber jetzt, von jetzt aus betrachtet, das hat einen Sinn gemacht. Das war mein Weg.
Der hat mich irgendwo hingeführt. Ich glaub, Du hast auch son schönes Zitat in einem deiner Blogs, habe ich gelesen, da hast Du sowas geschrieben wie, das Leben macht dir ein Geschenk und verpackt es als Problem, glaube ich, ne? Ja, genau. Ich habe tatsächlich eine ähnliche Einstellung. Die hat die hat Grenzen bei manchen Themen, ne?
Also wenn wir so an dieses ganze Thema Traumatisierung durch andere Menschen denken, Gewaltverbrechen, so, das nehme ich 'n Stück weit aus, weil da kann ich das vor mir selber nicht verantworten. Aber ich kenn so viele Leute, die sich einfach verlaufen haben, weil sie keine Verantwortung für ihr Leben eine Zeit lang übernommen haben, ihre Bedürfnisse nach hinten angestellt haben. Bestimmt auch aus gutem Grund, ne? Die sind ja nicht Ich mein, Du bist da ja auch nicht reingestolpert, weil Du das ausgesucht hast, sondern es gibt Gründe, warum man im Leben sozusagen Da sind wir wieder von der Bei der Metapher vom Anfang falsch abbiegt. Aber man kann auch wieder auf die Spur zurückkommen, auf der man sich sicher, wohl und ja, gut fühlt.
Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, dann sind wir schon fast durch. Es war so schön, ich könnte noch eine Dreiviertelstunde mit dir quatschen, glaube ich. In der Autobahn hat viele Themen, so ist es nicht. Genau, Themen hätten wir noch genug.
Es muss ja auch nicht das letzte Mal sein, dass wir was beruflich miteinander machen, weißt Du. Also, ich würd mich da echt freuen, wobei Essstörung auch tatsächlich nicht mein Spezialgebiet ist. Ich bin tatsächlich eher auf andere Schwerpunkte spezialisiert. Er hat aber jetzt, das hatte ich dir ja schon gesagt, auch noch mal eine Folge zum Thema Essstörung machen, die einfach noch mal so die Basics an Wissen in die Welt gibt. Und es wär ja super, wenn Du dir dir anhörst und falls ich totalen Schwachsinn erzähle, wenn Du mich das wissen lässt, bitte.
Ja, super, gerne. Als Experte, gibt's noch irgendwas, was Du loswerden willst an dieser Stelle für die Zuhörer? Also eigentlich will ich nur noch mal loswerden, wie wunderbar ich die Idee find, einen Podcast zu machen genau über dieses Thema. Weil ich auch da eben das erlebe, dass es unglaublich viele falsche Vorstellungen gibt von Therapien und auch von Kliniken und so weiter. Das merke ich in den Schulen, in den Unis.
Also auch da, ja, denke ich, tust Du 'n ganz, ganz großen Dienst, da einfach mal son bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern und 'n bisschen Einblick zu kriegen, wie die Realität aussieht. Und die Realität ist in meinen Augen toll. In Deutschland gibt's wunderbares Hilfsnetzwerk. Also klar, es gibt auch viel zu kritisieren auf jeden Fall, aber grundsätzlich ist es erst mal so, es gibt die Möglichkeit, zu 'nem Therapeuten zu gehen. Die Krankenkasse übernimmt das.
Das hat in der Regel auch keine negativen Folgen. Also es ja, ich find einfach so wichtig, dass auch da eben bisschen Aufklärung in die Welt gebracht wird und ja, finde ich ganz toll, dass Du dich da auf den Weg magst. Ja, Dankeschön. Und da noch mal, ne, selbst wenn das eben mit dem Therapeuten länger dauert und nicht so klappt, da seid dann Menschen wie Du mit ihren Selbsthilfegruppen, wie dieses dick dick und dünn hießen die, ne? Nicht, dass ich das falsch zitiere.
In Nürnberg, das gibt's ja, so was Ähnliches gibt's ja auch in anderen Städten. Also loszugehen, es gibt so viel Selbsthilfeorganisation, wo Menschen zusammenkommen, die sich auskennen, die was gemeinsam haben, die sich über Themen austauschen. Also das wäre so mein Appell noch mal an alle da draußen, die schon länger mit der Idee hadern, hol ich mir Hilfe oder nicht? Ja, holt euch Hilfe, weil ihr habt nichts zu verlieren auf dem Weg. Ja.
Gerade Gruppenarbeit, finde ich, kann so schön sein, das kenne ich noch aus der Tagesklinik. Ich vermiss das manchmal regelrecht, weil oft waren die anderen Teilnehmer in den Gruppen die viel wichtigeren Personen als ich als Gruppenleitung. Mhm. Weil sie eben ein 1, ja wie Du, ein, die hat eine Erfahrung mit dem Problem. Ja.
Und das find ich eben auch so schön bei uns in der Gruppe, das ist auch so das Credo, Du bist der Experte für dich selbst. Ja. Das würd ich jetzt unterschreiben. Das könnt ich mir an meine Therapieraum Tür hängen. Das ist so.
Egal, bei allem Expertenwissen, was ich vielleicht habe, bei allem, was ich gelernt habe, derjenige ist der Experte für sich. Ja. Und Ja, dann schließen wir an dieser Stelle, oder? Genau, ich wollt nur noch mal sagen, dass eben auch meine ganz wichtige Message ist, dass sich niemand schämen muss dafür, dass er eben in schwierige Situationen kommt, in Krisen kommt und dass das einfach total menschlich und ja, es gibt viel Hilfe und man darf sich die gerne holen. Ja.
Anne, ich danke dir ganz herzlich für das tolle Interview und für den tollen Input, den Du geleistet hast hier heute und hoffe, dass wir uns an anderer Stelle noch mal wiedersehen. Ja, da würd ich mich gut erfreuen. Vielen Dank auch an dich. Tschüs.
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