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Beziehungen Folge 15 · 2. Februar 2019 · 25 Min
Cover: Wie du Menschen hilfst, die depressiv sind

Wie du Menschen hilfst, die depressiv sind

0:00 25 Min

Worum geht's?

Du hast jemanden in deinem Umfeld, der gerade an einer Depression leidet? Dann bekommst du hier Ideen, wie du mit dafür sorgen kannst, dass derjenige da wieder rauskommt. Ohne all die Freunde und Angehörigen wären viele Genesungsprozesse kaum möglich. Hier erzähle ich von einem tollen Paar, in dem der Mann seiner Frau eine riesige Hilfe war. Ein dickes Danke schön an all die „Unterstützer" da draußen. Aber Achtung- bitte wahre auch du deine Belastungsgrenze, um gesund und munter zu bleiben.

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Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit. 

Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.

Zum Nachlesen

Vollständiges Transkript · 3.443 Wörter · etwa 17 Minuten. Automatisch aus der Audio erstellt — kleine Fehler sind möglich.

Hey, hallo. Herzlich willkommen bei Reif für die Couch, deinem Podcast für Psychologie und Psychotherapie. Wenn Du etwas mehr über Depressionen, Ängste und andere unangenehme Gefühlszustände wissen möchtest, dann bist Du hier bei mir richtig. Ich erkläre dir, was die Psychologie und die Psychotherapie für Hilfen zu bieten haben. Bestimmt ist doch etwas dabei, was dir hilft.

Mein Name ist Sabine Bimmler. Ich habe vor einigen Jahren schon Psychologie studiert, habe meine Ausbildung zur Psychotherapeutin gemacht und unterwegs auch eine Ausbildung zum systemischen Coach. Seit etwa 20 Jahren begleite ich nun Personen in ihrer persönlichen Entwicklung und das tue ich mit viel Freude. Ich möchte diesen Podcast wieder mit einem ganz dicken Dankeschön beginnen, weil ich für die letzten Folgen von euch Bewertungen, Kommentare, persönliche E-Mails bekommen habe, die wirklich wunderschön zu lesen waren und für die ich euch so dankbar bin. Die motivieren mich auch weiterzumachen mit dem, was ich hier tue, weil ich mich einfach wahnsinnig freue über eure Worte.

Und tatsächlich haben mich auch schon Themenvorschläge erreicht und die heutige Folge geht auf einen solchen Themenvorschlag zurück. Weil jemand gesagt hat, hey, mach doch mal eine Folge für die Person, die mit Depressivem zu tun haben, damit die eine Idee kriegen, was sie machen können und was sie vielleicht unterlassen sollten. Und das find ich eine super Idee und die nehm ich direkt auf. Und deswegen heute hier diese Folge. Und damit das nicht ganz so trocken wird, würd ich dir gerne von einem Paar erzählen, was ich begleiten durfte.

Also sind Nina und Martin und eigentlich hab ich Nina begleitet. Die war Patientin, Klientin in meiner Praxis. Aber ihr Mann Martin spielt im Laufe der Zeit eine immer wichtigere Rolle, weil er für ihren Heilungs- und Genesungsprozess unglaublich hilfreich war. Und das hatte etwas mit seiner Art zu tun, wie er mit der Krankheit seiner Frau umgegangen ist. Und davon würd ich euch heute gerne erzählen.

Nina war durch ihre berufliche Situation in eine, ja es ist kein Fachbegriff, aber ich nenn das mal so Erschöpfungsdepression gerutscht. Sie hatte in ihrem Beruf als Lehrerin für verhaltensauffällige Kinder ganz lange mit 1 unheimlich problembeladenen Klasse zu tun. Und sie war in 1 Schulsituation, die durch ständige Wechsel im Kollegium und durch eine sehr herrische Schulleitung geprägt war, zu tun, sodass der ganze Arbeitskontext für sie voll mit Stress und unangenehmen Erfahrungen war. Sie hat viele Wochen in der Stunde viele Stunden in der Woche gearbeitet und zu Hause musste sie natürlich auch noch ihre eigenen beiden Kinder, die war zu dem Zeitpunkt 9 und 12 versorgen, den Haushalt, den sie gemeinsam mit Martin hatte. Und ja, dann zu Hause eben auch Elterngespräche vorbereiten, Schulstunden vorbereiten und so weiter.

Sie hatte auch eine längere Pause gemacht vorher, war in Elternzeit. Und der Neueinstieg in dieser Schule hat für sie eigentlich überhaupt nicht funktioniert. Als sie zu mir kamen, war sie wirklich übel dran. Ich sag das mal so. Also sie war wirklich in 'ner richtig depressiven Phase, sehr niedergestimmt, sehr traurig, weinte sehr viel, konnte kaum noch Freude empfinden, die klassische Interessenslosigkeit.

Ihr seht schon, ich zähle jetzt so die klassischen Depressionssymptome auf, die kennt ihr vielleicht schon aus der Folge zum Thema Depression. Hier war eigentlich das Vollbild 1 Depression gegeben und zwar eher in Richtung Passivität. Also sie wär überhaupt nicht aggressiv, was man auch manchmal hat, sondern Nina war einfach in sich zusammengeklappt, so könnte man es sagen und funktionierte nicht mehr. Weder beruflich noch im Alltag, sehr antriebslos, kam eigentlich kaum noch aus dem Bett, konnte ihre Kinder nicht mehr versorgen, der Haushalt verlotterte. Also eine schlimme Situation.

Martin hatte ja die die Entwicklung seiner Frau beobachtet und war trotzdem erschrocken, als es dann an einem Tag kam das relativ plötzlich, dass es so weit war, dass Nina einfach als Frau in der Familie wegbrach ein Stück weit, weil nichts mehr ging. So, aber jetzt komm ich dazu. Ich wollt ja darüber reden, was hat Martin eigentlich in der Zeit gemacht? In der Therapie war er am Ende 4 oder 5 Stunden mit anwesend. Wir hatten auch zwischendurch mal E-Mail Kontakt, er und ich.

Das war mit seiner Frau natürlich immer abgesprochen. Es war auch der Wunsch seiner Frau, ihn in die Behandlung mit einzuziehen, weil sie, und das ist vielleicht schon mal ganz wichtig für euch, wie alle Depressiven das Gefühl hatte, für eine für ihre Angehörigen, für ihre Familie eine riesige Last zu sein. Also das hat Nina wirklich mit vielen Depressiven gemeinsam, dass sie das Gefühl haben, sie sind für alle Personen, die ihnen wichtig sind durch ihre Erkrankung zu 1 riesigen Last geworden. Und in einem inneren Selbstdialog dazu werfen die sich das wieder und wieder vor, so war das auch bei Nina, lieber ständig verstrickt in Gespräche wie, ich kann meine Rolle als Mutter nicht mehr wahrnehmen. Meine Kinder brauchen mich und ich schaff es nicht.

Mein armer Mann, der leidet darunter. Das kann doch nicht sein, dass ich nicht mehr funktioniere. Ich bin zu schwach, durchs Leben zu kommen. Also ein 1 ungeheurer Gedankensturm, der darauf ab zielte, ja, dieses Bild festzuhalten, ich bin eine unerträgliche Belastung für meine Familie. Das ist son ganz klassische Denke, die die Depression mit sich bringt.

Und das hatte Martin auch erkannt. Das haben wir auch gemeinsam im Rahmen der Therapie besprochen. Und ein Bestandteil seiner Begleitung war die ganze Zeit ihr, der Nina, immer wieder zu erklären, dass das so nicht der Fall ist, wie sie das sieht. Er hat immer wieder betont, dass sie krank ist, dass das etwas mit einem Huhn Ungleichgewicht in ihrem Gehirn zu tun hat. Dass er weiß, dass sie gerne anders würde, aber dass sie nicht anders kann und dass er das versteht, dass sie im Augenblick aus dieser Situation nicht rauskommt.

Das war seine begleitende Haltung und zwar durch den ganzen Prozess, der ein dreiviertel Jahr gedauert hat, ja. Er blieb kontinuierlich im Großen, sag ich jetzt mal, ich komm gleich noch mal dazu, dass natürlich bestimmte Alltagssituationen auch schwierig waren, aber im Großen blieb er in dieser sehr zugewandten Haltung die Beziehungssicherheit ausstrahlte. Er hat nie infrage gestellt oder nie angedroht, dass die Beziehung irgendwie gefährdet ist, sondern er hat immer als Haltung vorangetragen, wir beide schaffen das zusammen. Und wenn seine Frau geweint hat, hat er sie in den Arm genommen. Er hat sie getröstet.

Er ist mit Mitgefühl auf sie zugegangen. Ja, weil das ist das, überlegt mal selber, was ihr braucht, wenn ihr schlecht drauf seid, wenn ihr so richtig traurig seid, weil irgendwas Schlimmes passiert ist. Was wünschen wir uns da? In der Regel jemanden, der uns festhält, der uns umarmt, der mit uns fühlt und anerkennt, dass es uns einfach grade nicht gut geht. Also das wäre bestimmt etwas, was ihr tun könnt für denjenigen, den ihr begleitet.

Seid da, gebt Trost, spendet Mitgefühl, drückt ihn einfach, umarmt ihn, haltet ihn fest und gebt ihm das Gefühl, auch wenn das jetzt grad eine schwierige Phase ist, wir beide sind Freunde. Wir beide sind vielleicht in Liebe miteinander. Unsere Beziehung, unsere Freundschaft ist stabil. Die ist nicht gefährdet, auch wenn es mal schwierig. Was Martin darüber hinausgemacht hat, war, er hat angefangen, Nina Alltagsdinge abzunehmen.

Sie fühlte sich überfordert von den kleinsten Dingen Und er hat einfach angefangen über Familienmitglieder, die in Köln greifbar waren und über auch über Menschen, die er bezahlt hat, einfach dafür zu sorgen, dass die Kinder von der Schule abgeholt werden, dass die Wohnung geputzt wird. Er hat selber Einkäufe beim Lieferdienst bestellt, aber es geht ja hier in der Großstadt. Er hat selber viel gekocht in der Zeit. Also er hat jede Menge aufgefangen beziehungsweise Leute besorgt, die das aufgefangen haben, was normalerweise Ninas Verantwortung war, sie zu entlasten. Und auch das ist natürlich etwas, was ihr tun könnt.

Ihr könnt helfen, ganz konkret beim Putzen, beim Kochen, beim Ordnungmachen in der Wohnung, beim bürokratischen Kram. Und zum Beispiel auch bei der Suche nach einem Therapieplatz. Also wenn ihr jemanden habt, der einen Therapieplatz sucht und sagt, das ist eine Katastrophe, ich muss so viele Leute anrufen, ich muss mich mit der Krankenkasse rumschlagen, Helft demjenigen. Macht es mit ihm zusammen. Nehmt ihm was ab.

Geht vielleicht mit ihm zum Hausarzt. Geht mit ihm zum Therapeuten. Begleitet ihn. Fahrt ihn. Ganz konkrete Hilfe im Alltag, damit derjenige aus den Verpflichtungen rauskommt, sind ein unheimlich starkes Mittel der Unterstützung.

Was ihr auch tun könnt, sind, und manchmal wird das unterschätzt, kleine Aufmerksamkeiten. Das kann eine Postkarte sein, die ihr hinterlasst. Das kann ein kleiner Blumenstrauß sein. Das kann eine kleine Überraschung sein. Dinge, die, von denen ihr wisst, hey, vor dieser Phase hätte ihr das total viel Freude gemacht.

Und auch hier war Martin wirklich großartig, ja. Er hat wirklich für seine Frau immer wieder, wenn er etwas gesehen hat, kleine Dinge mitgebracht, hat den Kindern Dinge gegeben, die sie dann der Mama geschenkt haben. Hat Sachen organisiert, ne, wo man einfach wusste, hey, da waren wir mal an bestimmten Orten, da fahren wir wieder hin, da hat es ihr damals gut gefallen. Also er war wirklich in seiner Grundhaltung sehr aufmerksam und hat versucht, immer wieder durch kleine Aufmerksamkeiten etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Was Martin auch getan hat und das kündigte sich grade im letzten Punkt schon an, er hat die Nina eingeladen, aktiv zu werden.

Also wenn die Kinder abends im Bett waren, dann sind die beiden noch eine Runde den Block gegangen. Er hat am Wochenende, anstatt viel zu Hause zu sitzen, immer wieder Angebote ausgesprochen. Wo können wir hinfahren? Können wir eine Radtour machen? Können wir mit den Kindern in 'n Park gehen?

Da waren ganz viele verschiedene Dinge, die er immer wieder als Ideen eingebracht haben. Und wenn es Nina einfach zu viel war und sie nicht wollte, dann hat er sie auch einfach gefragt, ob es ihr helfen würde oder ob's für sie okay wäre, wenn er mit den Kindern in den Park geht, sodass sie einfach Ruhe und Zeit für sich bekommen hat. Und je im Wechsel hat sie das manchmal dankbar, manchmal weniger dankbar abgenommen. Oft ist sie mit der Aussage, ich weiß gar nicht, was ich will, sitzen geblieben. Aber er war da sehr aktiv.

Und für ihn war das nicht einfach und das werdet ihr auch kennen. Die Reaktion, die der andere zeigt, dem ihr eigentlich helfen wollt, ist nicht so wie sonst. Also ihr seid es ja gewohnt, wenn ihr jemandem eine Freude macht oder jemand einlaht, dass ihr ein großes Dankeschön bekommt und dass derjenige ja euch dafür feiert und glücklich ist. Das passiert in der Regel nicht, wenn der andere depressiv ist. Sondern es ist 'n bisschen wie gegen eine Mauer laufen, ja?

Ihr werdet viele Ablehnung bekommen. Nein, danke, will ich nicht, brauch ich nicht, weiß ich nicht, kann ich nicht. Nein, jetzt nicht. Selbst wenn derjenige dann sagt, hey, ja, ich mach das, sagt der vielleicht doch kurzfristig ab. Bitte nehmt das nicht persönlich, weil es so nicht gemeint ist.

Es hat nichts mit euch zu tun, sondern das ist der depressive Mantel, der dadrüber liegt. Schützt euch gut oder schützt Du dich gut davor? Finde 'n Weg, wie Du mit dieser Enttäuschung umgehst. Rechne vielleicht gar nicht damit, dass Du großartige Veränderungen oder Gefühle beim anderen auslöst, sondern mach dir klar, dass es wichtig ist, dranzubleiben, aber dass Du derjenige bist, der in dem Prozess auch immer wieder frustriert wirst. Und so war's mit Martin auch.

Er hat ganz viel gemacht, getan, überlegt, wenn er darauf gebaut hätte von seiner Frau dafür gefeiert zu werden, ein Dankeschön zu bekommen, Tränen der Rührung, sag ich jetzt mal ganz überzogen, dann wär seine Enttäuschung grenzenlos gewesen. Sondern er wusste von Anfang an, dass er, egal was er tut und wie sehr er sich anstrengt, eher oft auf eine gleichgültige Haltung trifft. Weil das ist das. Die die die Menschen, die in 1 Depression stecken, sind oft wahnsinnig gleichgültig. Das heißt, leblos wie der Durazell Hase, wer den noch kennt, dem man die Batterien ausm Rücken genommen hat, Die tun einfach mimisch, Gestik und kommunikativ nicht mehr das, was man sonst von ihnen erwarten kann, wenn sie bei Kräften sind.

Sie sind wie abgeschaltet. Trotzdem war's wichtig, dass Martin seine Bemühungen nicht eingestellt hat und dass Martin für sich einen Weg gefunden hat, mit der Frustration umzugehen. Und darüber hab ich in dem Angehörigengespräch auch viel mit ihm gesprochen. Wer ist seine Unterstützung? Wer ist im Hintergrund für ihn da?

Bei wem kann er sich aussprechen? Wo kann er seine Kräfte wieder auffüllen? Sieht er zu, dass er regelmäßig zum Sport kommt? Bei all dem, was er jetzt mit übernimmt, verausgabt er sich da nicht? Also da wirklich auch und dafür zu sorgen, dass seine Waage in der Balance bleibt von Pflichten und positiven Aktivitäten.

Ja, Martin war mit beim Therapeuten. Auch das ist etwas, was Du tun kannst. Du kannst zum Arzt begleiten, Du kannst zum Therapeuten begleiten. Vielleicht freut sich derjenige, wenn Du deine Perspektive und deine Ideen mit einbringst. Für den Therapeuten, für mich ist das oft was ganz Tolles, weil ich noch eine Fremdwahrnehmung bekomme.

Sonst bin ich ja immer darauf ja, reduziert, dass ich die Welt durch die Augen des Patienten sehe. Ich bekomm ja immer nur die Patientenbrille berichtet, ja. Und wenn dann ein Angehöriger oder ein Freund mitkommt, dann krieg ich ihn noch mal eine ganz andere Sicht. Und das, was der Patient mir berichtet, wird noch mal ergänzt und das ist oft sehr spannend. Und die Klienten selber sind total dankbar, wenn ein Angehöriger mitkommt und sich positiv und konstruktiv in den Prozess mit einbringt.

Das ist ja auch Also Also das Stichwort gewaltfreie Kommunikation hast Du vielleicht schon mal gehört. Wünsche statt Vorwürfe, kein Druck, eher den anderen zu locken mit Wünschen. Das sind Dinge, die sind sehr wichtig, weil derjenige ist dünnhäutig. Auch das steckt im Wesen dieser ja, depressiven Verstimmung drin. Und hier ist es sehr wünschenswert, wenn Du eine positive Art der Ansprache mit viel Wertschätzung und Anerkennung wählst.

Ich rate davon ab, tatsächlich Druck auszuüben auf diese Menschen, weil wenn wir jetzt grade von diesen Erschöpfungsdepressiven sprechen, die sind in der Regel so voll mit Selbstvorwürfe und machen sich selber einen solchen Druck, dass es gut ist, wenn jemand anders eher den Part übernimmt, der sagt, hey, lass dir Zeit. Wir kriegen das schon hin. Und das war Martin in diesem Fall. Also er war derjenige, der gesagt hat, pass auf, Du hast noch Elternzeit übrig. Nimm dir Elternzeit.

Bleib noch eine Zeit zu Hause. Wechsel die Schule. Lass dich krankschreiben. Er war ganz unterstützend im Sinne von, nimm dir Zeit, das zu ordnen. Guck, dass Du wieder gesund wirst, dass Du wieder auf den Damm kommst.

Und wenn das Zeit braucht, dann nimm sie dir. Ich schaff sie dir, ich unterstütze dich. Ja, die Betroffenen, ich wiederhol das noch mal, weil das ist son wichtiger Punkt, es haben häufig einen starken inneren Dialog, der sich damit beschäftigt, dass sie eine Belastung sind für die anderen Menschen. Lasst die Menschen das wissen, dass sie für euch keine Belastung sind, sondern dass es eine schwierige Situation ist, dass ihr es versteht und dass ihr bereit seid, hier eure Kraft zu investieren, damit es dem anderen wieder besser geht. Im Sinne von Freundschaft und Liebe oder was immer euch auch verbinden.

Besteht darauf, dass derjenige sich professionelle Hilfe holt, wenn ihr das Gefühl habt, das ist hier dringend notwendig. Ja, also da auch son bisschen hilft's euch natürlich, wenn ihr Vorerfahrung habt. Aber auch da ist es immer gut, denjenigen zu ermutigen, zu sagen, hey, besprrich's mal mit deinem Hausarzt. Überleg mal, ob Du nicht eine Psychotherapie machst. Weil mit diesen unterstützenden Maßnahmen geht's dann doch häufig schneller voran.

Und wenn dir demjenigen nur diesen Podcast empfiehlt, dann ist der vielleicht auch schon einen Schritt weiter. Ich komme trotzdem dazu, dass es Situationen gegeben hat, wo auch Martin mal die Hutschnur geplatzt ist. Im Alltag manchmal, wenn die Situation brenzlig wurde, weil die Kinder vielleicht 'n schlechten Tag hatten und hohe Anforderungen gestellt haben, ist der auch manchmal ausgeflippt, weil er an den Rand seiner Belastungsgrenze gekommen ist. Und dann hat er vielleicht auch schon mal die Kinder angefaucht oder auch Nina. Und hat manchmal auch gesagt, er wünschte sich, dass das jetzt endlich mal vorbei ist und dass er auch nicht mehr lange durchhalten kann.

All diese Worte sind natürlich auch mal in Extremsituationen über seine Lippen gekommen. Und das ist auch in Ordnung so. Denn auch Martin ist ja nur ein Mensch und er hat viel mehr geleistet, als er vorher in der Rolle Führungskraft und Vater jemanden leisten musste. Also er wurde auch in dieser Zeit über Gebühr beansprucht und das hat manchmal ein Ventil gesucht. Was ich aber an der Stelle vorbildlich fand, war, wenn das passiert ist, was natürlich für Nina jedes Mal wieder ein Rückschlag war, hat er hinterher das Gespräch gesucht und hat gesagt, pass auf, Nina.

Das tut mir leid, was ich da gesagt hab. Und es tut mir leid, dass ich dich an der Stelle da angebrüllt habe. Ich komme mit meinen Kräften langsam auch an meine Grenzen. Und die Situation war für mich so stressreich, dass ich einfach hilflos mich geschlagen habe, verbal, weil ich grad nicht anders konnte. Das tut mir leid.

Das ändert aber nichts daran, dass ich dich liebe, dass ich für dich da bin, dass wir das zusammen durchstehen. Und ich versuche auch, dass das nicht wieder passiert. Nur sieh's mir manchmal nach, wenn ich einfach die Nerven verliere. Also dieses offene Gespräch, was er dann immer wieder dazu gesucht hat und diese Beziehungssicherheit, die er in dem Moment, auch wenn er sie mal wirklich etwas ja, angeflaumt hat, die er hinterher immer wieder zum Ausdruck gebracht hat, waren für Nina unendlich wichtig. Später im Prozess war's so, dass wir natürlich, also Nina und ich vor allen Dingen auch geguckt haben, welche Bedürfnisse waren eigentlich unterversorgt in der Phase, bevor sie in die Depression gerutscht ist?

Wodurch kam dieser massive Erschöpfungszustand zustande und welche ihrer Bedürfnisse müsste sie in ihrem Leben von jetzt ab stärker in den Mittelpunkt stellen, damit sie nicht wieder so gegen ihre eigenen Bedürfnisse arbeitet. Und auch da war er ein wahnsinnig wichtiger Gesprächspartner. Weil er natürlich Nina schon unheimlich lange kennt, viel länger als ich als Therapeutin. Und vieles von dieser, ja, wir nennen das Wertearbeit in der Therapie, hat Nina dann mitgenommen nach Hause und hat das mit Martin besprochen. Und da war er wirklich auch unterstützend und zugewandt und auch sehr hilfreich.

Und er konnte auch Lösungen mit Andenken, weil er natürlich die Ressourcen der Familie, sei es finanziell oder sei es auch vom sozialen Umfeld viel besser kannte als ich, weil er da ein unheimlich wichtiger Gesprächspartner, der sich mit eingebracht hat. Also auch das ist was, was Du tun kannst. Du kannst, wenn Du die Person gut kennst, ein unheimlich guter Gesprächspartner, Sparringspartner sein, die wichtigen Fragen des Lebens, nämlich, was muss ich jetzt verändern, damit ich nicht wieder in eine Depression falle, zu reflektieren und Antworten zu finden. Da sind dem Therapeuten oft Grenzen gesetzt, weil er dann doch über die Person nicht so viel weiß und sie nicht so gut kennt und das Umfeld nicht so gut kennt. Lass dir zum Abschluss 1 gesagt sein.

Du bist unheimlich wichtig, egal ob Du Ehemann bist, egal ob Du Freundin bist, Schwester, was auch immer. Der Heilungs- und Genesungsprozess von Menschen, die in eine Depression rutschen, kann oder funktioniert nur, weil es da jede Menge Menschen, Freunde, Angehörige gibt, die diesen Heilungs- und Genesungsprozess mit unterstützen. Und das ist nicht immer selbstverständlich. Und dafür ein ganz dickes Dankeschön an dich da draußen, weil Du das tust und weil Du so wichtig bist an der Stelle. Für mich ist auch wichtig, dir zu sagen, pass auf dich auf und wahre deine Grenzen, weil es ist 'n bisschen wie im Flugzeug setzen zuerst die Erwachsenen die Masken auf, bevor sie den Kindern helfen.

Du kannst nur nachhaltig und lange helfen, wenn Du darauf achtest, dass Du selbst in einem guten Gleichgewichtszustand bleibst. Deswegen pass auf dich selber auf und klopf dir selber dafür auf die Schulter, dass Du so wichtig bist für diesen Menschen, dem es grad alles andere als gut geht. Und in diesem Sinne schließe ich die Folge heute ab. Und ich wünsche dir einen schönen Tag und ja, ganz lieben Dank noch mal an die Zuhörerin, die die Idee für diese Folge eingebracht hat. Tschüs, deine Sabine.

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