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Angst Folge 46 · 29. August 2019 · 15 Min
Cover: Wieso kommen Angst und Depression so oft zusammen vor?

Wieso kommen Angst und Depression so oft zusammen vor?

0:00 15 Min

Worum geht's?

Diese Frage erreichte mich durch eine Zuhörerin und ist sehr spannend. Erfahre, wie die Dinge zusammenhängen, was der Unterschied ist und wie du es schaffen kannst, dir beides vom Leib zu halten. In der heutigen Hetze haben wir alle ein Risiko unter übermäßiger Angst und Depression zu leiden.

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Leg los. ich freue mich auf dich! Deine Sabine

Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit.

Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.

Zum Nachlesen

Vollständiges Transkript · 1.866 Wörter · etwa 9 Minuten. Automatisch aus der Audio erstellt — kleine Fehler sind möglich.

Hey, hallo. Herzlich willkommen bei reif für die Couch, dem Podcast für alle Erschöpften, deren Leben ein bisschen besser werden darf. Mein Name ist Sabine und ich freue mich, dass Du heute wieder dabei bist. Das Thema heute ist Angst und Depression und warum beide so häufig zusammen auftreten. Wie Du vielleicht schon mitbekommen hast, ist mein erster Onlinekurs fertig.

Der beschäftigt sich auch mit dem Thema Depression und wendet sich vor allen Dingen an alle Angehörigen und zugehörigen, bei denen jemand im Umfeld an 1 Depression erkrankt ist und die nicht so richtig wissen, wie sie damit umgehen soll. Also wenn das vielleicht dein Thema ist oder Du jemanden kennst, für den das interessant sein könnte, so findest Du nähere Informationen auf meiner Homepage unter mein Angebot Onlinekurse. Und jetzt weiter, Angst und Depression. Warum treten die beide so häufig zusammen auf? Für mich, Du weißt das, ich bin Anhänger der folgenden Theorie, wenn deine psychologischen Bedürfnisse untererfüllt sind.

Ja, und dazu gehören, Du weißt das, wenn Du mir schon länger folgst, das Bedürfnis nach Nähe und Zuneigung, nach Zugehörigkeit oder das Bedürfnis nach Freiheit, Autonomie oder das Bedürfnis nach Kompetenzerleben, das Bedürfnis, Lust, Spaß zu erleben. Wenn diese Bedürfnisse im Defizit sind, das heißt nicht ausreichend befriedigt werden, kommt es zu 1 psychischen und seelischen Schieflage. Und diese seelische Schieflage führt dazu, dass wir bestimmte Symptome entwickeln. Und die Symptome sind sehr unterschiedlich von Mensch zu Mensch. Bei dem einen sind es eher Angstsymptome, bei dem anderen eher Depressionssymptome, vielleicht bei einem Dritten eher zwanghafte Symptome.

Das ist sehr unterschiedlich, hängt von der Lerngeschichte und von der Lebensgeschichte der Person ab. Und deswegen kann sich das Ganze auch wunderbar vermischen. Es kann sein, dass etwas in Reinform auftritt und die Persönlichkeit, die erkrankt, die Symptome entwickelt, eher in den depressiven Bereich geht. Das kann sein. Häufig entstehen aber sogenannte Mischformen.

Und grade, wenn wir länger Angst haben, dann bietet die Depression sich auch an als eine Art Folgeerkrankung, weil die Depression immer dann in unser Leben kommt, wenn Hilflosigkeitsgefühle im Spiel sind. Also Du siehst schon, es gibt ein gemeinsames Fundament der Erkrankung und deswegen treten sie häufig zusammen auf. Wenn ich auf Depressionen und Ängste schaue, find ich es ganz wichtig, dass es eine grundlegende Unterscheidung gibt. Angst richtet sich immer in die Zukunft. Wir haben immer Angst vor etwas, was passieren könnte, vor Schicksalsschlägen, die uns ereilen werden, davor, dass uns jemand ablehnt, dass wir unseren Arbeitsplatz verlieren, dass wir krank werden.

Wir haben immer Angst vor Ereignissen, die in der Zukunft stattfinden werden. Das heißt, wenn wir uns einen Zeitstrahl vorstellen, gehen angst besetzte Gedanken immer in die Zukunftsrichtung. Das ist bei der Depression ganz anders. Die Depressionsgedanken gehen immer auf dem Zeitstrahl nach hinten. Das heißt, wenn ich mit depressiven Gedanken zu tun habe, beschäftige ich mich sehr viel mit der Vergangenheit.

Was ist mir passiert? Was habe ich alles erlebt? Welche Schicksalsschläge habe ich erlitten? Was habe ich alles versucht? Was hat nicht geklappt?

Diese ganze ja Schmerzgeschichte, die Erinnerungsgeschichte wird bei depressiven Tendenzen oder depressiven Gedanken immer wieder wiederholt und in 1 Dauerschleife wieder und wieder durchlaufen. Und Du weißt, Gedanken machen Gefühle. Also wenn ich mich wieder und wieder in diesen Gedanken Vergangenheitsschleifen bewege und über Schuld und Schicksal und Schmerz nachdenke, schlägt das natürlich auf die Gefühlswelt und es steht am Anfang auf so etwas wie Traurigkeit, teilweise auch Wut, weil ich ausgeliefert bin. Wenn ich mich in diesem Vergangenheitsbereich bewege, entsteht aber niemals Angst. Wovor auch?

Angst kann ich nur entwickeln, wenn ich den Rückschluss ziehe, dass mir so was in Zukunft wieder passieren kann und dass ich mich vielleicht wieder nicht wehren kann. Also springt das Ganze nach vorne und dann entstehen plötzlich angstbesetzte Gedanken. Es hat also etwas mit der Richtung der Gedanken zu tun, welche Art von Symptomen Du entwickelst und welche Gefühle damit verbunden sind. Die Frage, was zuerst da war, erst die Angst oder erst die Depression, ist häufig müßig zu beantworten und sie ist nicht wichtig. In der Verhaltenstherapie arbeiten wir ganz oft mit der Metapher, in der wir erklären, dass es eigentlich egal ist, wie die Karre in den Dreck reingekommen ist, sondern es geht darum, die Karre aus dem Dreck herauszuziehen und zukünftig davor zu sorgen, dass sie sich nicht wieder im Dreck verfährt.

Trotzdem fragen Menschen immer wieder nach dem Warum. Sie suchen immer wieder eine Erklärung Und ich hab viel mit Patienten zu tun, die für sich die Hypothese aufgestellt haben, erst wenn ich verstanden habe, warum ich erkrankt bin, kann ich sicher sein, dass ich nicht wieder erkranke. Ich halte von dieser Hypothese nicht viel. Ich glaube, dass das ein ja selbstgewählter Glaubenssatz ist, der einen ganz schön blockieren kann. Weil das Geschehen der menschlichen Psyche so komplex ist und häufig so viele Faktoren an der Entstehung 1 Schieflage entstanden sind, dass man das schlüssige Warum nie finden wird.

Depression, das würd ich gern auch noch erklären, begleitet unheimlich viele Erkrankungen und zwar nicht nur psychische, sondern auch körperliche Erkrankung. Also Menschen, die an chronischen Schmerzen leiden, zum die entwickeln die entwickeln ganz häufig eine Depression oder das Risiko, in 1 Depression zu erkranken, ist deutlich höher, wenn ich eine andere chronische Erkrankung Erkrankung habe. Warum? Das hat wiederum was mit dem Hilflosigkeitserleben zu tun. Dieses den Schmerzen ausgeliefert sein, der Erkrankung und ihrer Behandlung ausgeliefert sein, es nicht selber steuern können, ob man gesund wird.

Das sind alles Dinge, die führen dazu, dass ein Patient häufig ins Hilflosigkeitserleben kommt. Und wenn das passiert, dann entsteht ein guter Nährboden für die Depression. Und das heißt nicht, dass jeder, der in einem solchen Situation ist, eine Depression entwickeln muss, ganz bestimmt nicht. Auch das hat wieder mit der individuellen Lerngeschichte zu tun und mit der Lebensgeschichte, die man hatte. Also ich fass bisher zusammen.

Eine Schieflage bei den psychischen Bedürfnissen, ein Defizit schafft das Fundament für psychische Erkrankung. Tendenierst Du eher in Richtung Angst, so sind deine Gedanken eher zukunftsgeprägt und Du hältst dich gedanklich viel damit auf, was passieren könnte, welche Katastrophen eintreten könnte. Die Symptome sind Angstsymptome, weil das Gefühl, was damit befeuert ist, ist Angst. Die Depression ist eine Krankheit, die eher auf die Vergangenheit schaut. Man schaut auf all das, was man erlebt hat, was einem passiert ist, an Versuchen, die man unternommen hat, sich zu befreien, die Lage zu verbessern und die nicht funktioniert haben.

Häufig treten deswegen auch so Schuldschleifen in den Gedanken auf. Wer wohin tendiert, eher in die Vergangenheit oder eher in die Zukunft, ist hochindividuell. Und manche tun eben beides und springen mal mit ihren Gedanken in die Zukunft und mal in die Vergangenheit. Und dann haben wir eine Mischform von Angst und Depression. Warum das Ganze so entsteht, warum jemand eher ängstlich oder warum jemand eher depressiv ist, ist sekundär.

Die Frage ist eher, welche Bedürfnisse sind im Defizitbereich? Und was und wie kann derjenige sein Leben verändern, sein Sein verändern, damit diese Schieflage aufhört und beiden psychischen Erkrankungen der Nährboden entzogen wird. Depression ist häufig eine Begleiterkrankung, die sich auf anderen Themen aufsetzt und mitgeht und dort auch gut behandelt werden kann. Wie Du meiner Erklärung entnehmen konntest, hat es viel mit den Gedanken zu tun, an denen wir anhaften. Und Du weißt, Gedanken machen Gefühle.

Und Gefühle haben wieder Einfluss auf unser Verhalten und das wiederum auf Gedanken und Gefühle. Ein Kreislauf, den es zu durchbrechen gilt. Und bei Angst und Depressionen arbeite ich immer mit der Distanzierungstechnik von Gedanken. Ich muss lernen oder in dem Fall die Menschen, die in Behandlung sind bei mir, denen möchte ich vermitteln und so auch dir heute, dass Du dir nicht alles glauben sollst, was Du denkst. Das heißt, wenn dein Verstand anfängt, Angstszenarien zu malen, Katastrophen sich auszumalen, dann ist das erst mal etwas Fiktives, was nur in deinem Verstand passiert.

Das wird vermutlich so überhaupt nie eintreten. Deswegen tust Du gut daran, es als das zu betrachten, was es ist. Es sind Gedanken, nicht mehr und von Gedanken kannst Du dich distanzieren. Du musst sie nicht für wahrnehmen. Du musst nicht mit ihnen verschmelzen.

Du musst ihn nicht anhaften, sondern Du kannst sie dir anschauen und an dir vorbeiziehen lassen. Ähnlich ist das mit den depressiven Gedanken. Wenn dein Kopf Situationen wieder und wieder durchspielt, Dinge, die dir passiert, sind wieder und wieder durchspielt und überlegt, was hätte in der Situation alles anders sein können, dann ist auch das eine wahnsinnige Energieverschwendung. Es bringt dich im Hier und Jetzt nicht weiter, weil Du verlässt das Hier und Jetzt, indem Du in die Vergangenheit abdriftest. Also auch hier ist die Lösung, distanziere dich von den Gedanken, die dich in die Vergangenheit ziehen wollen.

Lass die Gedanken Gedanken sein und sage dir, nein, ich bleibe jetzt und hier am heutigen Tag in der heutigen Stunde. Und ich rekapituliere nicht wieder und wieder, was vor einem Monat, vor 1 Woche am gestrigen Tag passiert ist, weil es mich nicht weiterbringt. Und Du siehst schon, worauf es hinausläuft, es geht Achtsamkeit. Sei achtsam mit dir und deinen Gedanken. Schau dir an, was dein Verstand macht, weil er soll eigentlich für dich arbeiten und nicht gegen dich.

Das heißt, es ist wichtig, wichtig, wichtig zu lernen, dem Verstand nicht zu 100 Prozent zu vertrauen, sondern ihn als ein Werkzeug zu benutzen, von dem man ja, sich distanzieren kann, wenn es grad eine Fehlfunktion hat. Und sowohl übermäßige Angst als auch übermäßige depressive Verstimmung beruhen letztendlich auf 1 Fehlfunktion, Verstimmung beruhen letztendlich auf 1 Fehlfunktion in deinem Kopf, weil dein Verstand Dinge tut, die für dich Energieräuber sind, belastend sind. Es geht Achtsamkeit. Und Achtsamkeit, das weißt Du, beginnt mit der Akzeptanz, mit dem Aushalten, dem Kennenlernen und Verstehen der eigenen Funktionsweise, mit dem Lenken der Aufmerksamkeit auf die Dinge, die hilfreich sind. Und das ist, was wichtig ist, in einem therapeutischen Prozess zu lernen.

Und daneben verstehst Du, wenn Ängste ein Thema sind, was Ängste sind. Und wenn Du eine Depression hast, bekommst Du auch erklärt, was eine Depression ist und wie sie funktioniert. Aber am Ende geht es darum, deinem Verstand und dem Denken nicht länger zu vertrauen, sondern ja, dass Du wieder die Kontrolle über deine Gedanken übernimmst beziehungsweise dich dann von deinen Gedanken distanzierst, wenn sie wahrlich alles andere als hilfreich sind. Also dazu gibt's schon jede Menge Folgen. Hör dir die Folgen über Achtsamkeit noch mal an.

Hör dir die Folgen an von dein dein Verstand erzählt dir Geschichten. All das hab ich schon besprochen. Und ja, guck doch einfach oder hör doch einfach noch mal in die alten Folgen rein und hol dir Input, wie Du da vorgehen kannst. Und bedanken möcht ich mich bei 1 Zuhörerin, die nämlich genau die Frage gestellt hat, die ich heute beantwortet habe. Angst und Depression, wieso trifft das eigentlich so häufig zusammen auf?

Und ich hoffe, ich habe das für dich zufriedenstellend beantwortet. Hat dir die Folge gefallen, freu ich mich über eine positive Bewertung. Und ansonsten hoff ich, dass Du mal den Weg auf meine Homepage findest und dir anschaust, was es da alles so gibt. Ich sage in diesem Sinne tschüs, bis dann, deine Sabine.

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