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Nervensystem Folge 1 · 9. Januar 2019 · 18 Min
Cover: Wo stehst Du gerade? Der Start in die Therapie

Wo stehst Du gerade? Der Start in die Therapie

0:00 18 Min

Worum geht's?

🎙 Reif für die Couch? – Der Start in deine Therapie

Schön, dass du da bist! Heute sprechen wir über den Beginn einer Therapie. Warum ist es so wichtig, erst einmal herauszufinden, wo du gerade stehst? In dieser Folge erfährst du:


✅ Warum ein klares Bild deines Ausgangspunkts so wichtig ist
✅ Wie du dieses Bild selbst erarbeiten kannst
✅ Praktische Tipps für deinen klärenden Prozess

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Vollständiges Transkript · 2.432 Wörter · etwa 12 Minuten. Automatisch aus der Audio erstellt — kleine Fehler sind möglich.

Du hast den Weg hierher gefunden. Wie schön. Trotzdem heißt das, dass dein Leben irgendwie in einen Ausnahmezustand geraten ist. Dass es grad nicht so läuft, wie Du dir das vorstellst, dass sich die Dinge nicht so entwickelt haben, wie Du's dir gewünscht hast. Das wollen wir gemeinsam ändern.

Und dass Du hier bist, zeigt, dass in dir schon der Entschluss reift, es muss sich etwas ändern. Es muss etwas passieren, so kann es nicht bleiben. Und das ist gut und wichtig, denn Du solltest es dir wert sein, dass Du dein Leben wieder in die Spur bringst und dass Du es lebenswert machst, denn Du hast ja nur dieses eine. Diese Folge heute gehört zu den Basics, weil wir gucken sozusagen, wir beantworten die Frage aus dem Titel, wo stehst Du heute? Und das ist zu Beginn 1 Therapie, zu Beginn deiner Selbsttherapie eine ganz wichtige Frage.

Es geht dabei Fokussierung, eine Konzentration auf das, was ist und das, was Du möchtest. Ich empfehle dir, deine Erkenntnisse ja, aus dem heutigen Prozess, der sicherlich die nächsten Tage weitergeht, zu verschriftlichen. Es ist wunderbar, wenn man im Veränderungsprozess immer mal wieder aus den Start zurückblicken kann und die Information bekommt. Und weil unser Gehirn so fehleranfällig ist, kann es dir nach ein paar Wochen schon nicht mehr sagen, wie es zu Beginn deiner Reise gefühlt hat, gesehen hat, gedacht hat. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir das irgendwie notieren.

Also im besten Fall verschriftlichst Du das Ganze und greifst im Prozess immer wieder darauf zurück. Starte mit der ganz offenen Frage, was ist das Problem? Standortbestimmung im Jetzt und Hier. Sofort merkst Du, wo deine Aufmerksamkeit hingeht. Und grade wo die Aufmerksamkeit hingeht, das gibt uns schon einen ganz wichtigen Hinweis darauf, wo grade die Energie ist.

Also jetzt füllst Du vielleicht eine halbe DIN-a-vier-Seite, eine ganze DIN-a-vier-Seite, was auch immer. Die Frage, was ist das Problem, Klammer auf, Stand heute, ist ganz wichtig zu beantworten. Ich rate dir, deinen Blick jetzt ein wenig zu differenzieren, wenn Du das Problem das 1. Mal spontan beschrieben hast. Nämlich welche Gefühle herrschen grade in meinem Leben vor?

Was fühle ich dazu? Was denke ich? Welche Gedanken kehren immer wieder sind vorherrschend über das Problem? Und wie verhalte ich mich, weil ich das Problem habe? Alles ganz wichtige Aspekte.

Solltest Du dir Menschen suchen, die dich bei deinem Veränderungsprozess begleiten, ist auch für die ganz wichtig zu verstehen, was das Problem grade ist. Ein gemeinsames Problemverständnis ist die Basis dafür, dass jemand dich unterstützen kann, dir hilfreiche Hinweise und ja, Feedback geben kann. Zur Problembeschreibung nehmen wir in der Therapie ganz häufig Fragebögen zu Hilfe. Es gibt sogenannte Symptomchecklisten, es gibt spezielle Fragebögen zum Thema Ängste, Depressionen, Zwänge. Ich finde, die haben teils ihre Berechtigung, aber eigentlich hast Du alles in dir, was Du wissen musst.

Du kennst das Problem am besten. Du erlebst es jede Minute, jede Stunde begleitet es dich sozusagen, sodass Du völlig auch ohne Fragebogen der beste Quell der Information bist. So, wenn wir das Problem sozusagen beschrieben, umrissen haben, würde ich gerne mit dir zum zweiten Aspekt gehen. Für mich als Therapeutin ist es immer ganz wichtig zu verstehen, wer bist Du am anderen Ende? Und auch für dich selbst würde ich, Stand heute, noch mal eine solche Erhebung ja machen.

Wer bin ich, ganz ganzheitlich betrachtet? Was bin ich für ein Mensch? Wie lebe ich? Bin ich in 1 Partnerschaft? Wie ist meine Beziehung zur Familie?

Lebe ich in 1 Familie? Hab ich Kinder? Was gibt es über meine gesundheitliche Situation zu sagen? Gibt es chronische Erkrankungen oder irgendwelche Symptome körperlicher Art? Was ist zu meinem Beruf zu sagen?

Was für eine Ausbildung habe ich? Was arbeite ich jetzt im Augenblick? Wie viel arbeite ich? Find ich das zufriedenstellend? Find ich das nicht zufriedenstellend?

Was ist sonst noch wichtig in deinem Leben? Hast Du schon mal ähnliche Situationen erlebt wie diejenige, in der Du jetzt grade bist? Ein ganzheitliches Verständnis der Person und wenn Du's für dich machst, deiner eigenen Person, ist ganz, ganz wichtig, weil Du bist derjenige, der das Ganze wuppen soll. Du bist derjenige, der das Problem angreift und die Veränderung herbeiführt. Und je mehr Du über dich weißt und je ganzheitlicher Du dich siehst, desto einfacher wird das für dich.

Wenn ich verstanden habe als Therapeutin, wer am anderen Ende sitzt und wenn Du eine ganzheitliche Betrachtung deiner Person ja niedergeschrieben hast, würd ich zum nächsten Thema gehen. Und das Thema ist, was hast Du schon versucht, das Thema zu lösen? Es ist eine Ressourcenfrage. Also was hast Du schon versucht in den letzten Wochen, Monaten, je nachdem, wie lange dein Thema besteht, eine Verbesserung herbeizuführen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Du alles in dir hast, was Du brauchst, das Problem zu lösen.

Da bin ich ganz sicher. Das zeigt mir meine Berufserfahrung. Egal wie verzweifelt die Menschen sind, die zu mir kommen, am Ende stellt sich für die Lösung immer wieder heraus, dass sie alles schon in sich trugen, wussten teilweise intuitiv, was sie brauchten, das Ding zu lösen. Und da weiß ich auch, dass deine ja, Lösung schon in dir schlummert. Sie ist nur im Augenblick noch nicht an der Oberfläche.

Und dieser Prozess soll dir helfen, die Sachen an die Oberfläche zu holen, die Du jetzt brauchst. Also wir waren bei der Frage, was hast Du schon versucht, das Thema zu lösen? Und da würd ich nachfragen. Gibt es Dinge, die dir guttun, mit denen Du dich ablenkst? Gibt es Menschen, die Du schon Rat gefragt hast?

Warst Du schon beim Arzt? Gibt's eine Freundin? Alles Mögliche, was man fragen kann, was vielleicht hilfreich war. Längst Du dich mit Sport ab? Hier würde tatsächlich auch die Frage kommen, lenkst Du dich vielleicht mit irgendwelchen Suchtmitteln, sei es Zigaretten, Alkohol, sonstige Drogen ab?

Ja, und wir würden uns diese Selbsttherapieversuche quasi angucken und uns fragen, was hat denn geklappt davon? Was ist denn hilfreich? Was hat nicht geklappt? Und ja, wir gucken das also gemeinsam an sozusagen. Dieser Prozess, den wir hier grade machen, ne, der dauert in 'ner Therapie insgesamt 4 Wochen.

Also es ist nicht so, dass ich jetzt sage, hey, Du musst die Antworten auf all diese Fragen direkt parat haben und Du musst das alles runterschreiben. Das ist überhaupt nicht die Idee, sondern das ist ein klärender Prozess. Es ist sozusagen Licht ins Dunkel bringen oder den Nebel auflösen. Und das braucht Zeit. Das braucht Gedankenprozesse, und zwar Gedankenprozesse mit auch ganz positiven Gedanken.

Wie Du siehst, fokussieren wir nicht nur auf das Problem, sondern wir gucken viel weiter. Wir gucken auf dich als Person und das leitet mich jetzt zum nächsten Punkt über, wir gucken auf deine Stärken. Und da gibt es ja bei den Ressourcen noch jede Menge mehr zu erfragen. Zum Beispiel, welche Eigenschaften, Stärken, Hobbys, Erfahrungen hast Du, die dir helfen können oder die dir guttun? Welche Menschen gibt's in deinem Leben, die dich unterstützen?

Und dann gibt es wunderschöne Selbstreflektionsfragen. Ich pack dir das alles in die Shownotes natürlich. Da sind die Dokumente, mit denen bekommst Du alle Fragen einfach noch mal ja in gedruckter Form. Was sind deine Stärken? Wofür bist Du dankbar?

Wofür worauf bist Du stolz? Womit verbringst Du am liebsten deine Zeit? Wie kümmerst Du dich dich selbst, wenn es dir nicht gut geht? Alles Ressourcenfragen ganz wichtig. Und auch da würd ich dich blicken, hinzugucken, weil im Augenblick dein Fokus wahrscheinlich eher auf dem Problem liegt und weniger auf dir als Person und auf all dem, was dir zur Verfügung steht und was Du schon kannst.

Ich würd dir auch noch mal empfehlen, hinzugucken, was sind eigentlich meine Werte? Wie möchte ich leben? Was ist mir wichtig? Und auch noch mal 'n Blick auf, was stresst dich? Und ja, wofür kritisierst Du dich am meisten?

Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Die meisten von uns haben einen unheimlich lauten inneren Kritiker und schelten und schimpfen sich für ganz, ganz vieles in ihrem Leben. Sinnvoll ist das nicht, aber das braucht tatsächlich eine eigene Folge, da kann ich heute gar nicht drauf eingehen. Wir sind also immer noch bei der Ressourcenfrage. Und wir führen das positive Thema der Bestandsaufnahme noch 'n bisschen weiter, indem wir uns fragen, welche Krisen hast Du eigentlich in deinem Leben schon gemeistert?

Was gab es für Krisen anderer Natur? Was ist dir Schlimmes passiert? Und wie bist Du da rausgekommen? Weil Du bist da rausgekommen, sonst wärst Du heute nicht hier und würdest nicht zuhören. Was ich auch sehr mag, ist die Sinnfrage.

Wenn alles, was Du grade erlebst, einen Sinn macht, was könnte dieser Sinn sein? Manche Menschen können in der Krise da noch nicht hingucken und das kann ich gut verstehen. Der Punkt ist aber, dass wir uns in jeder Krise weiterentwickeln. Wir entwickeln uns nicht im Wohlfühlmodus. Im Wohlfühlmodus ist alles easy, da sind wir entspannt, da läuft es super.

Entwickeln in der im Sinne der persönlichen Entwicklung tun wir immer dann, wenn es wehtut, wenn es schmerzhaft ist. Ne, deswegen ist diese Sinnfrage, finde ich, sehr wichtig. Also damit hätten wir sozusagen die Standortbestimmung abgeschlossen. Wir hatten die Frage oder den den Fragebereich zum Thema Problem, eine Problemschärfung. Dann haben wir dich ganz genau angeguckt.

Wer bist Du? Was bringst Du mit, der Du jetzt mit diesem Problem da in der Welt stehst? Was hast Du schon versucht zu was hast Du schon selbst versucht, das Thema zu lösen? Was sind deine Stärken, also der ganze Bereich der Ressourcen? Wir haben auch geguckt, welche Krisen Du in deinem Leben schon gemeistert hast und auch hier nach Ressourcen gesucht.

Und am Ende uns die Sinnfrage gestellt. Wenn alles, was Du grade erlebst, einen Sinn macht, was könnte dieser Sinn sein? Was ist vielleicht die Entwicklungsaufgabe, die mit diesem Zustand grade verknüpft ist? Die Grundlage ist gelegt für deinen Veränderungsprozess. Die Shownotes helfen dir, das Ganze detailliert noch mal durchzugehen, wenn Du das möchtest.

Auch wenn Du eher der spontane Typ bist und jetzt nicht damit weiterarbeitest, würd ich dir raten, ein paar Dinge stichpunktartig aufzuschreiben, weil die Status quo Bestimmung von heute ist sozusagen die Grundlage der Veränderungsarbeit, die Du in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten machen wirst. Es ist egal, ob Du dich allein auf den Weg machst oder gemeinsam mit jemandem, sei es mit einem Therapeuten, sei es mit 1 Freundin, wer auch immer da hilfreich ist. Aber mach dich auf den Weg, weil Du solltest es dir wert sein, dein Leben so zu gestalten, dass Du sagst, hey, mein Leben ist lebenswert. Da möcht ich 'n kleinen Schlenker gehen zur sogenannten Glücksfalle. Da gibt's 'n tolles Buch zu raus aus der Glücksfalle heißt das.

Irgendwie haben wir Menschen die Vorstellung entwickelt, dass wir im Leben immer glücklich und zufrieden sein müssten, ne. Das ist irgendwie son Zielzustand. Und uns wird ja auch an verschiedensten Stellen immer wieder suggeriert, wenn Du dich nur genug anstrengst, kannst Du sehr glücklich leben. Hm. Ich denke es eher oder ich seh es von 'ner anderen Seite.

Ich glaube, dass leidvolle Erfahrungen zu unserem Leben dazugehören. Es fängt damit an, dass bestimmte Menschen uns ablehnen, dass wir bestimmte Ziele nicht erreichen, die wir uns gesetzt haben. Dann geht es weiter über Schicksalsschläge, die uns einfach treffen. Wir verlieren geliebte Menschen, Uns wird Schmerz zugefügt. Es gibt ganz viele Punkte in unserem Leben, die bringen einfach Leid mit sich.

Und da können wir uns noch so sehr anstrengen. Wir werden uns das nicht oder wir werden uns nicht glücklich denken oder fühlen an dieser Stelle. Und daher mag ich diese Idee raus aus der Glücksfalle, weil der Tenor des Buches ist tatsächlich, gib diese Idee auf davon, dass Du ständig und immer glücklich sein musst. Das Leben bewegt sich in Wellen. Es gibt gute Tage, es gibt schlechte Tage, es gibt gute Jahre, es gibt schlechte Jahre.

Man kann das immer so weiterführen. Das Leben findet in Wellen statt. Es gibt ganz, ganz tolle Phasen und es gibt Phasen, die sind weniger gut und die bringen viele leidvolle Erfahrungen mit. Wir Menschen haben aber die Fähigkeit, mit ja vermeintlich negativen Gefühlen umzugehen. Wir können das.

Wir können auch mal traurig sein. Wir können auch mal ängstlich sein. Wir haben eigentlich all das in uns, was wir brauchen, mit diesen Gefühlen umzugehen. Nur irgendwie geht das manchmal, ja, es wird wie verschüttet, es geht verloren. Und das ist so etwas, ja, wo ich denke, wahrscheinlich bist Du an so 1 Stelle, wo Du im Augenblick auf all diese Dinge, die Du eigentlich in dir hast, nicht zugreifen kannst.

Vielleicht weil es der Zustand über einen zu langen Zeitraum besteht, vielleicht aber auch, weil der Zustand zu heftig ist, weil zu viele Dinge gleichzeitig passiert sind. Da das kann sehr unterschiedlich sein. Aber nimm an bitte, es ist einfach so. Wir haben Phasen in unserem Leben, da ist relativ viel Leid im Raum. Und es gibt Phasen in unserem Leben, da geht es besser.

Und wir schauen uns an, wo Du grade stehst. Das haben wir heute getan. Und in den nächsten Folgen gibt's schon hilfreiche Hinweise, wie kann ich jetzt losgehen? Wie kann ich losmarschieren? Mit welchen kleinen Techniken kann ich schon ganz große Wirkung erzielen?

Ich freue mich, dass Du heute zugehört hast und ich danke dir dafür. Es war Zeit, die Du dir für dich genommen hast und damit war's wahnsinnig wertvolle Zeit. Ich weiß, dass die Frage die Folge geprägt war durch Fragen, Fragen, Fragen, Fragen, aber so ist das bei der Bestandsaufnahme. Und das ist, was am Beginn 1 Therapie auf jeden Fall auch erfolgen sollte. Wenn dir die Folge gefallen hat, like mich doch.

Wenn Du Themenwünsche hast, Ideen, was Du hier besprochen haben möchtest von mir, lass mich das wissen. Ich bin eigentlich auf allen sozialen Medien unterwegs. Du findest mich unter Sabine Bimmler oder unter Reif für die Couch. Ich freu mich über jede Art von Rückmeldung von dir und ich hoffe, dass dir diese Folge schon mal einen ersten Eindruck gegeben hat, wie die Arbeit mit diesem Podcast aussehen kann. Ich ja, wünsch dir einen wunderschönen Tag.

Lass es dir gut gehen und richte deinen Blick auf Dinge, die dir guttun, auch wenn die Situation insgesamt verfahren erscheint. Vielleicht ist es ein Mensch, der dich anlächelt. Vielleicht ist es ein schöner Anblick in die Natur. Es sind oft die kleinen Dinge, in denen das Glück liegt. Und darauf möcht ich dich hinweisen.

Und jetzt sag ich tschüs, bis zum nächsten Mal. Deine Sabine.

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