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Dagmar liegt seit einer Weile wach und versteht sich selbst nicht. Der Tag war anstrengend, sie war müde, sie hat sich auf ihr Bett gefreut. Und jetzt liegt sie da, das Herz klopft ein wenig zu schnell, die Gedanken sind seltsam wach. Sie geht die letzten Stunden durch. Der Kaffee am Nachmittag, weil der Nachmittag lang war. Das Glas Wein zum Abendessen, weil es Freitag war. Die Serie danach, in der es spannend wurde. Alles ganz normal, alles nicht der Rede wert. Und trotzdem findet sie den Schlaf nicht, den sie sich so gewünscht hat.
Solche Nächte kennst du vielleicht auch, und oft suchen wir die Ursache an der falschen Stelle. Wir denken an Stress oder an das Älterwerden und übersehen dabei, wie stark ganz alltägliche Gewohnheiten unseren Schlaf beeinflussen. Der Kaffee, das Glas Wein, das helle Licht am Abend. Diese Dinge wirken harmlos, weil sie zu unserem normalen Tag gehören. Auf die Nacht haben sie jedoch einen größeren Einfluss, als die meisten vermuten. Wer versteht, wie sie im Körper wirken, kann an ein paar kleinen Stellschrauben drehen und findet oft leichter in einen ruhigen Schlaf.
Warum der Kaffee länger bleibt, als du denkst
Koffein macht wach, das weiß jeder. Weniger bekannt ist, wie lange es im Körper bleibt. Fachleute sprechen von der Halbwertszeit, also von der Zeit, die dein Körper braucht, um die Hälfte des Koffeins wieder abzubauen. Diese Spanne liegt bei vielen Menschen bei etwa fünf bis sieben Stunden. Der Kaffee um drei Uhr nachmittags ist um Mitternacht also noch längst nicht vollständig verschwunden. Ein guter Teil davon wirkt weiter, auch wenn du dich müde fühlst.
Dazu kommt, dass dieser Abbau mit den Jahren langsamer wird. Ein Espresso, den du mit dreißig problemlos am Abend vertragen hast, kann dich mit sechzig um den Schlaf bringen. Das ist kein Zeichen, dass mit dir etwas nicht stimmt, sondern eine ganz normale Veränderung des Stoffwechsels. Es lohnt sich deshalb, den letzten koffeinhaltigen Kaffee, Schwarztee oder auch das Cola auf den frühen Nachmittag zu legen und danach auf koffeinfreie Getränke umzusteigen. Für viele ist das die einzige Umstellung, die sie brauchen.
Der Trugschluss vom Wein als Einschlafhilfe
Das Glas Wein am Abend hat einen guten Ruf als sanfte Einschlafhilfe, und tatsächlich fühlt man sich davon angenehm schläfrig. Der Anfang der Nacht stimmt sogar. Alkohol hilft beim Einschlafen. Was er in der zweiten Nachthälfte anrichtet, bemerken die meisten nicht bewusst. Sobald der Körper den Alkohol abbaut, wird der Schlaf unruhig und oberflächlich, du wachst häufiger auf, und die erholsamen Tiefschlafphasen werden gestört. Am Morgen bist du wie zerschlagen, obwohl du scheinbar durchgeschlafen hast.
Damit ist der Wein kein Feind, den du für immer verbannen musst. Es hilft aber, ihn zu sehen für das, was er im Schlaf tut, und ihn nicht als Beruhigungsmittel einzusetzen. Wer regelmäßig schlecht schläft und regelmäßig abends trinkt, sollte diese beiden Dinge einmal zusammen betrachten. Manchmal löst sich ein hartnäckiges Schlafproblem schon, wenn ein paar alkoholfreie Abende zur Regel werden und der Körper wieder lernt, ohne diesen Umweg in die Nacht zu gleiten.
Was in solchen gestörten Tiefschlafphasen eigentlich passiert und warum sie so viel für dich leisten, erfährst du im Beitrag Was in der Nacht in dir geschieht.
Wie Licht deine innere Uhr durcheinanderbringt
Dein Körper richtet sich nach dem Licht. Über den Tag verteilt gibt Helligkeit dem Gehirn das Signal, wach zu sein, und mit der Dunkelheit beginnt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, das dich müde macht. Das helle, oft bläuliche Licht von Bildschirmen und starken Deckenlampen ahmt am Abend den Tag nach und bremst genau diese Umstellung. Dein Gehirn bekommt die Botschaft, es sei noch nicht Zeit fürs Bett, obwohl die Uhr längst etwas anderes sagt.
Du musst dafür nicht im Dunkeln sitzen. Es genügt, das Licht am Abend wärmer und gedämpfter zu machen, die grelle Deckenbeleuchtung durch eine kleine Lampe zu ersetzen und den Bildschirm eine Weile vor dem Schlafengehen zur Seite zu legen. Dieser Übergang von hell zu weich ist für den Körper ein Zeichen, dass die Nacht beginnt. Er nimmt es dankbar an, weil es dem entspricht, worauf sein System seit Jahrtausenden eingestellt ist.
Wie du dieses Zusammenspiel aus Licht und Rhythmus schon am Morgen für dich nutzt, liest du im Beitrag Guter Schlaf beginnt am Morgen.
Eine Abendroutine, die den Körper einlädt
Schlaf lässt sich nicht erzwingen, aber man kann ihn einladen. Der Körper mag Wiederholung, weil sie ihm Sicherheit gibt, und eine gleichbleibende Abfolge am Abend wirkt wie ein sanftes Herunterfahren. Es geht nicht um ein starres Programm, sondern um ein paar ruhige Handgriffe, die deinem System zeigen, dass der Tag jetzt endet. Ein warmes Getränk, gedämpftes Licht, ein paar Seiten in einem Buch, ein immer gleicher Ablauf beim Zubettgehen.
Wenn dein Bett selbst zum Unruheort geworden ist, zeigt dir der Beitrag Das Bett ist zum Schlafen da, wie du diese Verknüpfung wieder löst.
Ein Duft kann dabei ein wirkungsvoller Anker sein, weil Gerüche unmittelbar auf die Gefühlsebene wirken. Ein Tropfen ätherisches Lavendelöl (Werbung) auf einem Duftstein neben dem Bett kann deiner Abendroutine eine feste, beruhigende Note geben, die dein Körper mit der Zeit mit Zurruhekommen verknüpft. Wer sein Nervensystem am Abend zusätzlich von innen unterstützen möchte, findet in pflanzlichen Bausteinen eine sanfte Ergänzung. Die Kräutermischung RuheKraft mit Ashwagandha und Rosenwurz (Werbung) (mit dem Code EXP-P66X bekommst du 20 % Rabatt) ist als Baustein für die Abendroutine gedacht, ersetzt aber weder guten Schlaf noch, bei anhaltenden Beschwerden, das Gespräch mit einer Ärztin.
Kleine Impulse für den Alltag
- Koffein früher stoppen: Trink deinen letzten Kaffee oder Schwarztee am frühen Nachmittag. Bedenke, dass dein Körper das Koffein mit den Jahren langsamer abbaut.
- Den Wein ehrlich ansehen: Beobachte, wie du nach einem Glas am Abend schläfst. Ein paar alkoholfreie Abende pro Woche schenken deinem Körper ruhigere Nächte.
- Licht weich machen: Dämpfe am Abend das Licht und tausch die grelle Deckenlampe gegen eine kleine Leuchte. Warmes Licht sagt deinem Gehirn, dass die Nacht beginnt.
- Bildschirm verabschieden: Leg Handy und Tablet eine Weile vor dem Schlafengehen zur Seite. Der Körper braucht die Dunkelheit, um müde werden zu dürfen.
- Immer gleicher Ablauf: Wiederhole abends ein paar ruhige Handgriffe in derselben Reihenfolge. Dein System liest diese Wiederholung als Einladung zum Schlaf.
- Einen Duft-Anker setzen: Verbinde deine Abendruhe mit einem festen Geruch, etwa Lavendel. Mit der Zeit genügt der Duft, um dein System auf Ruhe einzustimmen.
Zum Weiterhören
In Podcast-Folge #90 „Schlafprobleme nachhaltig lösen" sprechen wir ausführlich darüber, wie du deinem Schlaf mit ruhigen Gewohnheiten wieder Raum gibst, statt ihn zu erzwingen, und welche alltäglichen Einflüsse ihn heimlich stören. Hier geht's zur Folge.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Guter Schlaf entsteht selten aus einer einzigen großen Maßnahme. Er wächst aus vielen kleinen Entscheidungen am Abend, die sich mit der Zeit zu einem freundlichen Rahmen fügen. Wenn eine Nacht trotzdem unruhig bleibt, ist das kein Rückschlag, sondern gehört dazu. Du musst deinen Schlaf nicht kontrollieren, du darfst ihm nur wieder gute Bedingungen schenken. Mit jeder ruhigen Gewohnheit, die du dir gönnst, lädst du ihn ein Stück mehr ein, und der Rest darf von allein geschehen.