Der Topf köchelt, das Telefon klingelt, im Vorbeigehen räumst du die Post vom Tisch, und während du mit deiner Tochter sprichst, fällt dir ein, dass die Rechnung noch nicht überwiesen ist. Du machst nichts falsch. Du machst nur alles gleichzeitig. Und am Abend fühlst du dich seltsam ausgelaugt, obwohl du gar nicht sagen könntest, was du eigentlich geschafft hast.
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Über dieses Gefühl möchte ich heute mit dir reden. Denn viele von uns tragen die Überzeugung mit sich herum, dass mehrere Dinge auf einmal zu erledigen ein Zeichen von Tüchtigkeit ist. Wir sind stolz darauf, den Überblick zu behalten, zu jonglieren, keine Kugel fallen zu lassen. Dabei ist genau dieses Jonglieren einer der stillen Gründe, warum wir uns am Ende des Tages so leer fühlen.
Dein Kopf kann nur eine Sache zur Zeit
Es gibt eine Vorstellung, die uns lange begleitet hat: dass ein geübter Mensch mehrere Aufgaben wirklich parallel erledigen kann. Die Forschung zeichnet ein anderes Bild. Was wir für gleichzeitiges Arbeiten halten, ist in Wahrheit ein blitzschnelles Hin- und Herspringen. Dein Aufmerksamkeit ist immer nur bei einer Sache, sie wechselt nur so rasch zwischen den Aufgaben, dass es sich anfühlt, als liefen sie nebeneinander.
Und jeder dieser Wechsel hat einen Preis. Wenn du vom Kochen zum Telefonat springst und wieder zurück, muss dein Kopf sich jedes Mal neu einstellen. Wo war ich? Was wollte ich hier gerade? Diese Umschaltung dauert nur Sekundenbruchteile, aber sie summiert sich. Über einen ganzen Tag verteilt sind das hunderte kleine Neuanläufe, und jeder einzelne kostet Kraft.
Kommen zu den Aufgaben noch Lärm, Licht und viele Menschen dazu, kippt die Anspannung irgendwann in ein Gefühl, das nach Flucht verlangt. Was dabei im Körper passiert, erklärt Wenn alles gleichzeitig auf dich einprasselt.
Das erklärt das Rätsel des leeren Abends. Du hast dich nicht ausgeruht, im Gegenteil, dein Kopf war pausenlos in Bewegung. Aber weil du nichts richtig zu Ende gebracht hast, fehlt dir das befriedigende Gefühl, wirklich etwas geschafft zu haben. Die Anstrengung war da, das Ergebnis fühlt sich diffus an.
Warum es sich trotzdem gut anfühlt, alles gleichzeitig zu tun
Wenn Multitasking uns so viel Kraft kostet, warum tun wir es dann so gern? Das hat gute Gründe, und sie zu kennen macht es leichter, freundlich mit sich zu bleiben.
Zum einen fühlt sich Beschäftigung nach Wichtigkeit an. Wer viele Bälle in der Luft hält, kommt sich gebraucht und tüchtig vor. Stillstand dagegen kann sich unangenehm anfühlen, fast wie Faulheit. Also greifen wir zur nächsten Aufgabe, bevor die erste fertig ist, und halten uns damit in einem Zustand ständiger halber Beschäftigung.
Zum anderen gibt jeder kleine Wechsel einen winzigen Reiz. Eine neue Nachricht, ein erledigter Handgriff, ein kurzer Blick aufs Handy. Dein Kopf mag diese kleinen Häppchen, sie fühlen sich an wie Fortschritt. Das Dumme ist nur, dass sie dich von dem abhalten, was wirklich deine Aufmerksamkeit bräuchte. Du bleibst an der Oberfläche, immer in Bewegung, aber selten in der Tiefe.
Und dann ist da noch die Gewohnheit. Viele von uns haben jahrzehntelang gelernt, alles gleichzeitig im Blick zu haben. Als die Kinder klein waren, ging es gar nicht anders. Kochen, trösten, aufräumen, zuhören, das musste alles auf einmal passieren. Dieses Muster sitzt tief, auch dann noch, wenn die Umstände es längst nicht mehr verlangen.
Was das ständige Springen mit deinem Nervensystem macht
Das Umschalten strengt nicht nur den Kopf an, es hält auch deinen Körper in einer leichten Daueralarmbereitschaft. Solange du das Gefühl hast, an vieles gleichzeitig denken zu müssen, kann dein System nicht wirklich herunterfahren. Es bleibt ein bisschen angespannt, immer bereit, auf die nächste Sache zu reagieren.
Über Stunden und Tage hinweg zehrt das an dir. Du schläfst vielleicht schlechter, weil der Kopf abends nicht zur Ruhe kommt und die offenen Fäden weiterspinnt. Du wirst reizbarer, weil deine Reserven aufgebraucht sind. Und du hast das Gefühl, nie richtig anzukommen, weil dein Aufmerksamkeit ständig zerteilt ist.
Wie ein einziger Gedanke eine ganze Kette aus Anspannung und Druck in Gang setzt, liest du bei Der Kreislauf im Kopf.
Genau hier liegt auch der Zusammenhang mit dem Gefühl, immer alles im Kopf zu haben. Es ist nicht nur die Menge der Aufgaben, die müde macht. Es ist die Art, wie wir sie bearbeiten, dieses rastlose Wechseln, das uns nie in Ruhe bei einer Sache sein lässt.
Diese unsichtbare Last, die dich müde macht, obwohl du kaum sagen kannst wovon, liest du genauer bei Immer alles im Kopf.
Dazu kommt eine Beobachtung, die viele Frauen bei sich wiedererkennen. Auch wenn du eine Aufgabe kurz weglegst, ist sie in deinem Kopf nicht wirklich weg. Ein Teil deiner Aufmerksamkeit bleibt daran hängen, wie ein Programm, das im Hintergrund weiterläuft. Du kochst das Abendessen, aber ein Stück von dir denkt noch an das unfertige Telefonat. Du liest ein paar Zeilen in deinem Buch, aber im Hinterkopf hängt die halb erledigte Wäsche. Diese offenen Fäden ziehen unbemerkt an deiner Kraft, und je mehr davon gleichzeitig offen sind, desto zerfaserter fühlst du dich. Es ist, als wärst du an vielen Orten zugleich und an keinem richtig.
Das erklärt auch, warum du manchmal nach einem Tag mit lauter kleinen Erledigungen erschöpfter bist als nach einem Tag mit einer einzigen großen Aufgabe. Die große Aufgabe durftest du in Ruhe zu Ende bringen. Die vielen kleinen haben dich zerteilt.
Wenn dein System durch das ständige Umschalten in einer leichten Daueralarmbereitschaft bleibt, helfen ein paar Minuten bewusstes Atmen, wieder herunterzukommen. Der Atemtrainer Moonbird (Werbung) führt dich durch eine ruhige Atmung und hilft dir, Anspannung auszuhalten und wieder loszulassen. Mit dem Code SABINEBIMMLER bekommst du ihn vergünstigt.
Ein Tag mit weniger Wechseln
Die gute Nachricht ist, dass du hier wirklich etwas verändern kannst, und zwar ohne dein ganzes Leben umzustellen. Es geht nicht darum, plötzlich langsam zu werden oder die Hälfte liegen zu lassen. Es geht darum, ähnliche Dinge zu bündeln und den Aufgaben nacheinander deine Aufmerksamkeit zu geben, statt sie zu zerstückeln.
Ein Anfang, der oft schon viel bewirkt: Nimm dir für kleine, ähnliche Aufgaben feste Fenster. Beantworte Nachrichten und Anrufe in einem Rutsch, statt den ganzen Tag zwischendurch. Erledige Papierkram gebündelt, nicht immer mal wieder zwischen zwei anderen Sachen. So gibst du deinem Kopf Ruhe, weil er nicht ständig umschalten muss.
Beim Kochen, beim Essen, im Gespräch mit einem Menschen, der dir wichtig ist, darf es hin und wieder nur diese eine Sache sein. Kein Nebenbei, kein zweiter Bildschirm, kein halbes Ohr woanders. Das fühlt sich am Anfang fast unheimlich ruhig an, wenn du es nicht mehr gewohnt bist. Aber genau darin liegt die Erholung, die dir das ständige Jonglieren nimmt.
Was Achtsamkeit dabei wirklich bedeutet und wie du sie in winzigen Dosen einbaust, liest du bei Achtsamkeit ohne Räucherstäbchen.
Und wenn du merkst, dass du schon wieder drei Dinge gleichzeitig angefangen hast, sei nicht streng mit dir. Halt kurz inne, entscheide dich für eine Sache, und bring die zu Ende, bevor du weitergehst. Dieses kleine Innehalten ist schon der halbe Weg.
Zum Weiterhören
In Podcast-Folge #49 „Slow down- Nimm Tempo raus" geht es darum, wie du das Tempo aus deinem Tag nimmst und aus dem ständigen Springen zwischen den Aufgaben aussteigst. Hier geht's zur Folge.
Weniger, aber ganz
Vielleicht ist der schönste Gedanke daran, dass du nicht mehr leisten musst, um dich weniger erschöpft zu fühlen. Oft reicht es, das Gleiche anders zu tun. Eine Sache nach der anderen, mit ganzer Zuwendung, gibt dir am Ende des Tages etwas zurück, das das Jonglieren nie schafft: das Gefühl, wirklich da gewesen zu sein.
Du darfst dir erlauben, langsamer zwischen den Dingen zu wechseln. Du darfst eine Aufgabe fertig machen, bevor die nächste beginnt. Und du darfst die alte Überzeugung loslassen, dass du nur dann genug tust, wenn du alles auf einmal tust. Dein Kopf wird es dir danken, und dein Abend fühlt sich auf einmal weniger leer an, sondern angenehm voll von dem, was du wirklich getan hast.