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Stress Folge 49 · 5. September 2019 · 16 Min
Cover: Slow down- Nimm Tempo raus

Slow down- Nimm Tempo raus

0:00 16 Min

Worum geht's?

Kennst du das auch… dich hetzen? Alles schnell – schnell. Immer schon beim nächsten to do. Doch bei all dem Tempo, was bleibt wirklich? Es scheint es so, als ignorierten wir unser Erlebtes. Alltäglichen Rollen und Routinen füllen unsere Tage aus. Gute Gefühle- Fehlanzeige. Keine Zeit dafür. Lass dich mit dieser Folge von mir ermutigen, dich für die Langsamkeit zu entscheiden. Und erfahre, wie du sie leben kannst.

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Leg los. ich freue mich auf dich! Deine Sabine Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit.  Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.

Zum Nachlesen

Vollständiges Transkript · 2.167 Wörter · etwa 11 Minuten. Automatisch aus der Audio erstellt — kleine Fehler sind möglich.

Hey, hallo, herzlich willkommen bei reif für die Couch, dem Psychologiepodcast für alle Erschöpften, deren Leben besser werden darf. Als Psychotherapeutin vermittle ich dir Wissen rund die Themen Depression, Angst, Burn out. Dazu gebe ich dir Tools an die Hand, damit Du den Weg für deine Veränderung freimachen kannst. So erlebst Du weniger Stress, mehr Freude am Leben und innere Ruhe und das ohne, dass Du dein Leben gleich komplett auf den Kopf stellen musst. Ja, da bin ich wieder mit 1 neuen Folge.

Das Thema heute ist Slow down, nimm Tempo raus. Kennst Du das auch? Du hetzt durch den Tag. Du machst alles ganz, ganz schnell. Hier noch was erledigt, da noch 'n Anruf, da noch was abgeholt, zur Arbeit gehetzt, mehrere Sachen gleichzeitig gemacht, im Meeting schon die nächste E-Mail vorbereitet, immer schon beim nächsten To do.

Das ist wenig achtsam. Die Minute, die Stunde, der Tag, die Woche, der Monat, es läuft alles an dir vorbei. Dein Leben läuft gefühlt an dir vorbei, denn Du nimmst nur einen kleinen Bruchteil von dem, was wirklich grade passiert, wahr. Da sind Unmenge von Gefühlen, Ereignissen, Gedanken. Du hast aber gar keine Zeit, dich mit ihnen zu beschäftigen.

Du ignorierst sie quasi, bist so sehr in deiner alltäglichen Rolle gefangen, dass Du dich abends eigentlich an gar nichts mehr so richtig erinnern kannst. Alles verschwimmt zu einem riesigen Brei bis auf ein paar grobe Erlebnisse. Leider, Du weißt, wie unser Gehirn funktioniert, die Negativen, die noch präsent und wirklich greifbar bleiben. So fühlt sich das an, wenn man sich im Alltag verliert und ich kenne dieses Gefühl gut und vermute, dass auch dir das nicht fremd ist. Stress ist nicht gut für unseren Körper, das weißt Du.

Wenn Du aufmerksam in dich hineinfühlst in solchen Tagen oder nach solchen Tagen, dann kannst Du das auch spüren, weil dein Körper dir diese Signale tatsächlich zurückgibt. Nur einige Symptome zu nennen, es kann sein, dass dein Herz sehr schnell schlägt. Es kann sein, dass Du nicht gut schlafen kannst. Dein Immunsystem ist am Boden. Du fängst dir Infekte ein und auch ja, psychische Themen wie Depression, Burn out, Angstzustände reihen sich dort ein.

Ich habe vor, ach, das ist jetzt mittlerweile bestimmt schon, 12 Jahre her mal ein Coaching gemacht. Und ich bin da mit einem bestimmten Anliegen hingegangen. Es war halt eine ganz tolle Beraterin damals, die ich hatte. Und die hat mir so zugehört und hat dann gesagt, Sabine, wir machen als Erstes mal das Zeitrad. Und ich so, mhm, okay.

Und sie, Du schreibst einfach erst mal auf, was Du alles so den ganzen Tag machst, also wie son Zeit Tracking und zwar in 1 Form, deswegen hieß es Rad, in 1 Form des Tortendiagramms. Das hab ich dann gemacht und die Erkenntnis war ziemlich groß, wie ich fand, weil was ich sehr deutlich wahrnehmen konnte in meiner Zeichnung war, dass mein Tag, jeder meiner Tage, eigentlich komplett überbucht war. Wie in 1 Art Größenwahn habe ich mir lauter Dinge vorgenommen, von denen man eigentlich hätte rein rechnerisch feststellen können, dass ich die alle gar nicht an dem Tag erledigt kriege. Das macht natürlich was auf der Gefühlsebene. Damals mit mir und vielleicht kennst Du das auch.

Wenn jeder Tag überbucht ist und Du nie das schaffst, was Du dir vorgenommen hast, bleibst Du natürlich immer in einem Gefühl von, oh, ich hab's wieder nicht geschafft, oder es ist noch so viel übrig und morgen muss ich das alles nachholen. Man läuft ja dem eigenen Plan dann ständig hinterher und fühlt sich dabei ja, inkompetent, gescheitert, wie auch immer, weil man es einfach nicht auf die Kette kriegt. Also der Tag hat 24 Stunden, das wird in diesem Rad auch eingetragen. Davon schlafen wir ungefähr 7 bis 8, je nachdem, wenn's gut läuft. Dann brauchst Du noch Zeit für Körperpflege, Duschen, Zähneputzen, Haare waschen.

Dann kommt das ganze Thema Essen, Essensaufnahme, Essenszubereitung. Dann gibt es vielleicht Pflichten, die Du in deinem Wohnbereich erledigen musst, Haushaltsarbeiten, Wäsche waschen. Dann musst Du zur Arbeit, Du hast einen Job, auch da gibt es eine vorgefertigte Zeit, zu der Du anwesend sein musst, in der sich übrigens im Kleinen das Ganze wiederholt, weil auch bei der Arbeit kann es sein, dass Du dir den Zeitplan so vollstopfst, dass eigentlich nicht zu schaffen ist. Vielleicht hast Du auch schon Kinder. Das heißt, die fordern auch Zeiten von dir und auch da gehen ja deine eigenen Ansprüche mit, wie viel Zeit will ich mit meinen Kindern verbringen?

Wie will ich die verbringen? Es kommen noch ganz ungewöhnliche, außergewöhnliche Dinge dazu. Arztbesuche, Elterngespräche, Winterreifen müssen drauf gezogen werden. Son Tag ist ehrlich gesagt nicht so lang, wenn man den schön voll geplant hat. Und wir versuchen das dann über Geschwindigkeit zu lösen, ja?

Wenn wir nur alles schneller machen und wenn wir alles gleichzeitig machen, dann kriegen wir das schon hin. Da steckt wieder eine alte Logik drin, über die ich schon öfter gesprochen habe. Der, das trifft auf manche Lebensbereiche ja auch tatsächlich zu, dieses, wenn wir uns nur mehr anstrengen, wenn wir's schneller machen, wenn wir's effizienter machen, wenn wir's gleichzeitig machen, dann werden wir es schon schaffen. Ja, kann sein, aber wieso? Wieso müssen wir uns jeden Tag so vollpacken?

Ist wirklich jeder von diesen Aspekten, die wir da reingepackt haben, wichtig, dringlich, das gilt es ja mal zu hinterfragen. Und wollen wir, willst Du so leben, dass Du ständig deinen ganzen Vorhaben und deiner To do Liste hinterherläufst? Da gibt's übrigens auch 'n ganz, ja, ich find's süß gemachtes Buch dazu. Das heißt auch, das Leben ist keine To do Liste. Mit dem Titel konnte ich mich sehr identifizieren.

Ja, das Leben ist keine To do Liste. Ein lebenswertes Leben wird für mich durch andere Dinge ausgemacht und wenn Du dir vielleicht schon klar bist über deine Werte, wie Du leben willst, dann wirst Du dir auch einfacher die Frage beantworten können, ob Du dein Leben im Sinne 1 To do Liste abarbeiten möchtest. Ich möchte das nicht, deswegen habe ich mich zum Beispiel entschieden, meine tägliche Dosis Achtsamkeit zu genießen. Und ich übe Achtsamkeit in ganz vielen Tagessituationen und das ist etwas, was ich dir natürlich auch ans Herz legen kann. Ich glaube, der ganze Trend zum Thema Achtsamkeit basiert darauf, dass viele Menschen so nicht mehr leben wollen.

Und es lässt sich ja durch die Urlaube, durch die Wochenenden, die ja häufig auch stressbepackt sind, überhaupt nicht mehr ausgleichen. Gut, also Achtsamkeit, ich bin ein großer Fan davon, das weißt Du. Dir steht auch da in diesem Podcast schon eine Folge oder 2 Folgen zur Verfügung und ja, jede Menge Sachen im Internet, Artikel und Kurse, die Du vor Ort machen kannst. Ich komm aber erst mal wieder zurück zum Thema Slow down, nimm das Tempo raus. Erst mal gibt's natürlich ganz pragmatische Ratschläge, ja?

Und ein 1 Art Affirmation, die ich zu diesem Thema sehr mag, ist, weniger ist mehr. Meint reduziere und fokussiere auf das Wesentliche. Frag dich bei all den Dingen, die Du in den Tag stoppst, ob sie wirklich sein müssen, ob die dahinter liegenden Ansprüche wirklich durch dich erfüllt werden sollen oder ob Du dir die Freiheit nimmst, zu sagen, nee, das find ich nicht so wichtig. Das schieb ich nach hinten oder das mach ich vielleicht auch gar nicht, weil ich es für mein lebenswertes Leben nicht brauche. Eine Kleinigkeit, die helfen kann, ist natürlich digital Detox, ja?

Also die ganzen Social Media Geschichten, auf denen ich natürlich auch unterwegs bin und auch Podcasts können Zeiträuber werden. Sie können eine echte Bereicherung des Lebens sein, aber man kann sich in diesen Dingen auch verlieren und verlaufen. Und da pass gut auf dich auf und räum dir immer wieder Zeiten am Tag und über die Woche ein, wo Du nicht erreichbar bist, wo Du nicht ins Handy oder ins iPad schaust, wo Du dich nicht irgendwo ja, im Internet verlierst. Eine Alternative könnte mehr Zeit in der Natur sein. Über die Kraft der Natur hab ich auch schon oft gesprochen.

Damit mein ich ohne Handy und Laptop in der Natur zu sein und hier einfach zu atmen und zu genießen, was grade ist. Vielleicht auf einen See rudern zu gehen, vielleicht eine Wanderung zu machen, einen Weinsteig zu gehen. Es gibt so viel schöne Dinge. Vielleicht wohnst Du nah am Meer und kannst das für dich nutzen. Nutzen.

Auf jeden Fall solltest Du dir Zeiten einplanen, unabhängig von der Natur, in denen Du alleine bist. Überleg dir auch mal gut, mit wem und wann Du dich verabredest und wann es vielleicht auch zu viel ist Und entscheide dich auch mal gegen ein Event, auf dem Du eingeladen bist, Zeit für dich allein zu reservieren. Nichtstun muss man üben und man kann sich schöne Dinge suchen. Man kann malen, man kann Klavier spielen, man kann Rätsel, man kann joggen. Dinge, die man in Stille für sich tut, weil sie dir Freude machen.

Finde die Dinge, die dir gefallen, die dir guttun. Und plane im Alltag Pausen für dich ein. Vermeide Multitasking immer wieder Dinge gleichzeitig zu machen und ja, also gib Dinge ab, die Du nicht alleine erledigen willst. Das waren so ganz pragmatische Alltagstipps. Wenn wir jetzt 'n bisschen ja therapeutischer werden, dann kommen wir natürlich ganz schnell auf das Thema unserer Glaubenssätze zurück.

Warum hetzt Du dich so? Bist Du vor irgendwas auf der Flucht? Was glaubst Du, warum ist das so wichtig, dass Du ständig in der Bewegung bist und dass Du so viel wegschaffst? Und dann kommen wir natürlich direkt wieder zum inneren Team und sehr viel spezifischer zu den inneren Antreibern. Was reden deine inneren Antreiber dir ein, was Du tun musst, was Du nicht tun musst?

Hier wär's spannend, auf die inneren Stimmen zu hören. Was sagt deine innere Stimme, wenn Du dir eine Pause gönnst, wenn Du zur Ruhe kommst? Was geht da für ein innerer Dialog vonstatten? Und da wirst Du wahrscheinlich auch schnell an das Thema Perfektionismus andocken. Warum ist vieles, was Du tust, nicht gut genug?

Warum muss es immer noch mehr sein? Warum muss es schneller sein? Und warum müssen bestimmte Dinge überhaupt auf der Agenda sein und dürfen nicht einfach runterfallen? Dahinter stecken oft tief liegende Grundüberzeugungen, sogenannte Glaubenssätze. Deine Lerngeschichte ist auch hier wieder wichtig.

Wie haben dir deine Eltern vorgelebt, wie man zu leben hat? Was haben sie dir in puncto Anstrengungsbereitschaft, Leistungsbereitschaft und Fleiß mitgegeben? Oder was hast Du dir als Kind genommen? Auch so kann man es ja sehen. Wie war das in der Schule?

Wie bist Du da mit Leistungsverhalten umgegangen und was hat das für Gefühle in dir ausgelöst? Da sind wir jetzt schon sehr bei deiner individuellen Lerngeschichte, aber die noch mal zu verstehen mir. Ich fühl mich mir. Ich fühl mich gut. Ich bin ich bin bei allem, was ich tue oder bei meisten, was ich tue, sehr nah bei mir und bin im Einklang mit mir, bin in meiner Mitte, wie auch immer Du das ausdrücken würdest, ganz wunderbar.

Wenn Du aber das Gefühl hast, dass Du dich oft hetzt und dass das Leben an dir vorbeizieht, dann würde ich entweder die kleinen Tipps umsetzen oder dich an das Thema Glaubenssätze trauen. Frag dich bei allem, was so auf deiner Agenda ist, muss ich oder will ich? Ich hab manchmal das Gefühl oder ich erlebe das ja auch in meiner Praxis, die Menschen kommen zu mir und sagen, ich kann nicht mehr so schnell. Ich kann nicht mehr. Und sie fühlen sich ganz schlecht, weil sie das Tempo, was sie in der stetigen Beschleunigung über Jahre oft aufgebaut haben, nicht mehr halten können.

Aber das ist keine Schwäche, sondern das ist eine ganz normale Erschöpfung des Systems, Weil unser menschliches System ist für diese Überforderung einfach nicht gebaut, nicht ausgelegt. Und ja, man kann die Langsamkeit wählen. Im Sinne seiner Werte kann man die Langsamkeit wählen, weil man weiß, dass die Langsamkeit einem die Zeit gibt, die Welt genauer zu betrachten. Das Leben zu genießen, den Moment zu genießen und so in einen anderen Seinszustand zu kommen, in einen anderen Gefühlszustand. Und wie bei allem steht am Anfang zuerst einmal die Entscheidung.

Die Entscheidung, ja, das will ich. Ja, ich will das Tempo drosseln, ich möchte entschleunigen und ich möchte ein anderes Grundtempo in meinem Leben herstellen. Und wenn Du diese Entscheidung getroffen hast, bin ich sicher, hast Du aus der Folge hier einiges mitgenommen, was Du umsetzen kannst. Und ich wünsch dir für diesen Umsetzungsprozess von ganzem Herzen alles Gute, weil ich dir aus meiner eigenen Erfahrung sagen kann, das, was auf dich wartet nach dieser Veränderung schon in diesem Prozess, ist ganz wunderbar. Ich bin deutlich langsamer als früher und ich bin froh und stolz darauf, langsamer zu sein, denn ich glaube, dass ich mehr von meinem Leben mitbekomme, als das noch vor ein paar Jahren der Fall war.

In diesem Sinne sag ich für heute tschüs, deine Sabine.

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