Chronisch gesund: Was uns wirklich gesund hält
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Chronisch gesund: Was uns wirklich gesund hält

7 Min. Lesezeit · aktualisiert 2. August 2026

Wir fragen meist, was uns krank macht. Doch die spannendere Frage lautet, was uns eigentlich gesund hält, und die Antwort liegt näher, als du denkst.

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Es ist Montagmorgen, als Mareike im Wartezimmer sitzt und die Broschüren auf dem Tisch betrachtet. Alle handeln von Krankheiten, von Warnzeichen, von Risiken, die man rechtzeitig erkennen soll. Sie ist wegen einer Kleinigkeit hier, und doch beschleicht sie beim Blättern ein flaues Gefühl, als wäre der Körper vor allem eine Ansammlung von Dingen, die kaputtgehen können. Auf dem Heimweg denkt sie darüber nach und merkt, dass sie eigentlich nie gefragt worden ist, was sie eigentlich gesund hält.

Genau diese Frage kennst du vielleicht kaum, denn unser ganzes Denken über den Körper dreht sich meist um das Gegenteil. Wir schauen darauf, was schiefgehen kann, was fehlt, was behandelt werden muss. Dabei gibt es eine andere, ebenso wichtige Blickrichtung. Sie stammt vom Gesundheitsforscher Aaron Antonovsky, der sich fragte, warum manche Menschen trotz großer Belastungen gesund bleiben. Er nannte diese Sichtweise Salutogenese, die Lehre von der Entstehung von Gesundheit. Sie lenkt den Blick auf all das, was uns stärkt und trägt, statt nur auf das, was uns bedroht.

Die Frage, die alles verändert

Stell dir einen Fluss vor, in dem Menschen zu ertrinken drohen. Die übliche Medizin steht am Ufer und zieht die Ertrinkenden heraus, sie behandelt, sie rettet, und das ist gut und wichtig. Antonovsky stellte eine ungewohnte Frage. Er wollte wissen, warum manche Menschen offenbar besser schwimmen können als andere. Was befähigt sie, sich über Wasser zu halten, auch wenn die Strömung stark ist? Diese Wendung vom Retten zum Stärken verändert alles, denn plötzlich rückt in den Mittelpunkt, was du selbst zu deiner Gesundheit beitragen kannst.

Gesundheit ist in diesem Bild kein fester Zustand, den man hat oder verliert. Sie gleicht eher einer Waage, auf der ständig Kräfte wirken, die dich belasten, und Kräfte, die dich stützen. Solange die stützende Seite genug Gewicht hat, bleibst du im Gleichgewicht, auch wenn das Leben dir einiges zumutet. Es geht also weniger darum, jede Belastung zu vermeiden, denn das gelingt ohnehin nicht. Viel hilfreicher ist es, die stärkende Seite der Waage bewusst zu pflegen.

Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit

Viele Frauen setzen Gesundheit mit dem Fehlen von Beschwerden gleich. Solange nichts wehtut, gilt der Körper als gesund, und man denkt kaum über ihn nach. Doch Gesundheit hat viele Schattierungen. Du kannst dich müde, freudlos und erschöpft fühlen, ohne dass eine Krankheit im engeren Sinn vorliegt, und du kannst mit einer chronischen Diagnose leben und dich trotzdem lebendig und getragen fühlen. Zwischen ganz krank und ganz gesund liegt ein weites Feld, auf dem du dich bewegst.

Dieses Feld hat viel mit deinem seelischen Erleben zu tun, denn Körper und Seele sind kein getrenntes Paar. Anhaltende Anspannung, ungelöste Sorgen und ein Kopf, der nie zur Ruhe kommt, hinterlassen Spuren im Körper. Wie sehr die unsichtbare Last des ständigen Mitdenkens müde macht, beschreibt der Beitrag Immer alles im Kopf. Und auch die Art, wie du deinem Körper überhaupt begegnest, spielt eine Rolle für dein Wohlbefinden, wie der Text Du musst deinen Körper nicht lieben einfühlsam zeigt.

Das Gefühl, dass dein Leben zusammenpasst

Antonovsky entdeckte, dass Menschen, die auch unter Druck gesund bleiben, oft etwas gemeinsam haben. Er nannte es das Kohärenzgefühl, ein etwas sperriges Wort für ein schönes inneres Erleben. Gemeint ist das Empfinden, dass das eigene Leben stimmig ist und einen Zusammenhang ergibt. Es setzt sich aus drei Erfahrungen zusammen, die sich gut in Worte fassen lassen.

Da ist zum einen das Gefühl, die eigene Welt einigermaßen zu verstehen, zu begreifen, was mit einem geschieht und warum. Dann kommt das Vertrauen hinzu, die Anforderungen des Lebens im Großen und Ganzen bewältigen zu können, sei es mit eigener Kraft oder mit der Hilfe anderer. Und schließlich das tiefe Empfinden, dass sich die Mühe lohnt, dass das eigene Tun einen Sinn hat. Wo diese drei Erfahrungen lebendig sind, findet ein Mensch mehr Halt, selbst wenn es stürmt. Das Gute daran ist, dass sich dieses Gefühl über das Leben hinweg nähren und stärken lässt.

Kleine Quellen der Gesundheit im Alltag

Die stärkende Seite der Waage besteht selten aus großen Programmen. Sie wächst aus vielen kleinen Quellen, aus denen du regelmäßig schöpfst. Dazu gehören verlässliche Beziehungen, Bewegung, die dir Freude macht, ausreichend Schlaf und Momente, in denen du bei dir selbst ankommst. Eine der einfachsten Kraftquellen trägst du dabei immer bei dir, deinen Atem. Ein ruhiger, langsamer Atem sendet deinem Nervensystem das Signal, dass gerade alles in Ordnung ist, und holt dich aus der Daueranspannung heraus.

Wenn dir ruhiges Atmen schwerfällt, weil die Gedanken sofort abschweifen, kann ein kleines Hilfsmittel den Anfang erleichtern. Ein Atemtrainer wie Moonbird (Werbung) (mit dem Code SABINEBIMMLER) liegt in der Hand und dehnt und senkt sich in einem ruhigen Takt, dem du mit deinem Atem folgst. So bekommt der Körper eine sanfte Führung, bis er den langsamen Rhythmus wieder von allein findet. Es ist kein Wundermittel, aber ein netter Begleiter für die ersten Wochen, in denen das ruhige Atmen noch ungewohnt ist.

Eine weitere Quelle liegt darin, überhaupt wieder in den Körper hineinzuspüren, statt nur im Kopf zu leben. Gerade wenn die Gedanken kreisen, holt ein deutlicher Sinnesreiz dich zurück in die Gegenwart. Manchen Frauen hilft dafür eine Akupressurmatte (Werbung), auf der man einige Minuten liegt und deren feine Spitzen die Aufmerksamkeit ganz von selbst vom Grübeln in die Körperwahrnehmung lenken. Wie fein manche Menschen ihren Körper ohnehin wahrnehmen, beleuchtet der Beitrag über Tiefensensibilität. Solche kleinen Anker erinnern dich daran, dass du einen Körper hast, der Aufmerksamkeit und Wohlwollen verdient.

Warum das kein neuer Leistungsdruck sein darf

Bei aller Freude an diesem Blickwinkel gehört eine wichtige Einordnung dazu. Die Idee der Salutogenese will dich nicht dazu bringen, dich für jede Krankheit verantwortlich zu fühlen. Ob ein Mensch erkrankt, hängt von vielen Dingen ab, von den Genen, von Lebensumständen, von schlichtem Zufall, und vieles davon liegt außerhalb deiner Hand. Eine Diagnose ist niemals ein persönliches Versagen und kein Zeichen dafür, dass du dich zu wenig bemüht hättest.

Es geht also nicht um ein weiteres Feld, auf dem du dich optimieren müsstest. Die stärkenden Quellen zu pflegen darf leicht sein und Freude machen, sonst werden sie selbst zur Last. Nimm dir das heraus, was dich anspricht, und lass den Rest getrost liegen. Schon ein einziger bewusst gepflegter Anker kann auf der Waage deiner Gesundheit einen Unterschied machen.

Kleine Impulse für den Alltag

  • Die Frage umdrehen: Frag dich am Abend nicht, was dir gefehlt hat, sondern was dir heute gutgetan hat. Dieser kleine Perspektivwechsel richtet den Blick auf deine Kraftquellen.
  • Den Atem nutzen: Nimm dir mehrmals am Tag ein paar langsame Atemzüge, bei denen das Ausatmen länger dauert als das Einatmen. Das beruhigt dein Nervensystem in Sekunden.
  • In den Körper spüren: Halte kurz inne und spüre, wo im Körper gerade Anspannung sitzt. Allein das bewusste Wahrnehmen lockert oft schon ein wenig.
  • Verbindungen pflegen: Gönn dir regelmäßig echte Begegnungen mit Menschen, die dir guttun. Verlässliche Beziehungen gehören zu den stärksten Quellen der Gesundheit.
  • Sinn spüren: Tu jeden Tag etwas, das sich für dich bedeutsam anfühlt, und sei es klein. Das Gefühl, dass sich die Mühe lohnt, trägt weiter, als man denkt.
  • Leicht bleiben: Such dir nur die Quellen aus, die dir Freude machen, und lass den Rest liegen. Deine Gesundheit soll dich nähren, nicht unter Druck setzen.

Zum Weiterhören

In Podcast-Folge #130 „Chronisch gesund, Interview mit Mona Arabi“ sprechen wir ausführlich darüber, wie ein Leben aussehen kann, das die Gesundheit aktiv nährt, statt nur die Krankheit zu fürchten. Hier geht's zur Folge.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Vielleicht darfst du deinem Körper ab heute hin und wieder eine andere Frage stellen als die nach dem, was fehlt. Was tut dir gut, was lässt dich aufatmen? Deine Gesundheit ist kein Ziel, das du erreichst und dann abhaken kannst, sondern ein leiser Begleiter, den du jeden Tag ein wenig nähren darfst. Es müssen keine großen Schritte sein. Ein tiefer Atemzug oder ein ehrliches Gespräch, das zählt schon. Sei nachsichtig mit dir an den Tagen, an denen wenig davon gelingt. Auch die gehören dazu. Und vertrau darauf, dass viele kleine Quellen zusammen einen erstaunlich tragfähigen Grund bilden.

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