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Nervensystem Folge 66 · 9. Januar 2020 · 32 Min
Cover: Borderline - Wie eine Achterbahnfahrt ohne Halt

Borderline - Wie eine Achterbahnfahrt ohne Halt

0:00 32 Min

Worum geht's?

Für Menschen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist das Leben wie eine unkontrollierbare Achterbahnfahrt. Sie leiden unter häufigen, extremen Stimmungsschwankungen, ihr Verhalten ist impulsiv und -auch für die Betroffenen- unkontrollierbar. Vielfach verletzen die Menschen sich selbst, wenn Sie Anspannung und/oder innere Leere nicht aushalten können. Für die Menschen im Umfeld bleiben oft nur Unverständnis, Ratlosigkeit und jede Menge Verletzungen, wenn die Achterbahn sie gestreift hat. Die Folge gibt dir einen Einblick, was in den Betroffenen vorgeht und wie du dich schützen kannst.

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Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit. 

Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.

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Vollständiges Transkript · 4.062 Wörter · etwa 20 Minuten. Automatisch aus der Audio erstellt — kleine Fehler sind möglich.

Hey, hallo. Herzlich willkommen bei reif für die Couch, dem Podcast für alle Erschöpften, deren Leben besser werden darf. Mein Name ist Sabine Bimmler. Ich bin Psychotherapeutin, systemischer Coach und heute möchte ich mit dir über das Thema Borderline reden. Borderline, ein Begriff, der uns häufig ja, in der Alltagssprache sogar begegnet, der benutzt wird, Menschen zu stigmatisieren und abzuwerten.

Da lohnt es sich bestimmt, genauer hinzuschauen. Weil wenn ich so etwas höre, dann tut mir das in der Seele weh, denn wir sprechen hier von 1 echten Erkrankung. Und Menschen damit abzuwerten und zu stigmatisieren, das passt nicht mit meiner Wertehaltung zusammen. Die Folge geht auf eure Rückmeldung zurück. Wenn Du den Podcast schon länger hörst, dann weißt Du, dass ich im letzten Jahr eine Folge zum Thema Persönlichkeitsstörung gemacht habe.

Da hab ich mich sehr grundlegend mit Persönlichkeitsstörung. Was ist das überhaupt? Woran erkennt man die? Wodurch wird die ausgelöst? Und auch ja, ansatzweise da damit beschäftigt, wie man mit Menschen am besten umgeht, die eine Persönlichkeitsstörung haben.

Auf diese Folge hab ich total viel positive Resonanz von euch bekommen und ganz tolle Rückmeldungen. Und da dank ich für. Verbunden damit war ganz häufig der Wunsch, dass ich mehr dazu erzähle, dass ich bei einzelnen Persönlichkeitsstörungen noch weiter in die Tiefe gehe. Und da 2020 wieder ein bisschen psychotherapeutischer werden darf, hab ich diesen Wunsch gerne aufgenommen. Und heute gibt es eben die Grundlagen zur Borderline Persönlichkeitsstörung.

Ja, wir fangen einfach mal an. Borderline, was ist das? Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Und ja, da schauen wir natürlich in unser Standardwerk, das ICD 10, in dem alle Krankheiten und auch psychischen Störungen beschrieben sind. Und wenn wir dort reinschauen, dann finden wir die Definition, ist eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren.

Dazu kommt eine unvorhersehbar und lauenhafte Stimmung. Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden. Im ICD 10 ist die Erkrankung unter der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung als Untertypus geführt. Das heißt, die eigentliche Persönlichkeitsstörung ist die emotional instabile Persönlichkeitsstörung und die hat verschiedene Typen.

Und 1 davon ist der Borderline Typus. So, ich hab dir die Definition ja jetzt vorgelesen. Jetzt versuchen wir das mal aufeinander zu auseinanderzudröseln und ein genaueres Verständnis davon zu entwickeln, über was reden wir hier eigentlich? Und dazu können wir 2 Perspektiven einnehmen, nämlich einmal die Perspektive des Betroffenen, des Erkrankten und ein zweites Mal können wir uns in die Perspektiven der Menschen begeben, die mit jemandem ja zusammenleben, in Partnerschaft sind, in Freundschaft sind mit jemandem, der eine Erkrankung hat. Und vielleicht fangen wir damit mal an, weil das wird auf mehr von meinen Zuhörern zutreffen, also wahrscheinlich auch eher auf dich, als das andere.

Wenn Du jemanden im Umfeld hast, der an diesem ja Phänomen nenn ich es mal leidet, dann hast Du einen Menschen dich, der für dich unberechenbar ist. Du bist mit Stimmungswechseln konfrontiert, die in 1 Intensität und 1 Geschwindigkeit geschehen, dass Du sie kaum nachvollziehen kannst. Du bist quasi fassungslos, wenn Du dir das anschaust und fragst dich die ganze Zeit, was ist passiert? Was ist denn hier los? Die emotionalen Ausbrüche dieser Person, die Wut, der Hass, der dir entgegenschlägt, sind in einem so ungewöhnlichen Ausmaß, dass die meisten Menschen zurückschrecken und das Weite suchen.

Weil sie in dieser persönlichkeitsschädigenden Art und Weise, wie es in dieser Emotion passiert, in der Regel nicht angegriffen werden und mit gutem Recht auch nicht angegriffen werden möchten. Weil da so viel Verletzung passiert, wenn ich das für, ja, für wahrnehme, was derjenige sagt, dass jede Beziehung eigentlich danach beschädigt sein muss. Es sei denn, und da gucken wir hinterher drauf, ich weiß die Erkrankung des Besagten und weiß, dass ich ihn nicht mit normalen Maßstäben messen kann. Dann sind die Betroffenen natürlich aus ihrer eigenen Erfahrung heraus immer schnell gewillt zu sagen, na ja, aber derjenige kann das doch kontrollieren. Also der kann doch aufhören.

Und da würde ich gern das Bild der Achterbahn wieder bemühen. Ich hab die Folge ja genannt, Borderline Erkrankung, eine unkontrollierbare Fahrt in der Achterbahn. Nein. Wenn der Zug, der Achterbahnzug losgefahren ist, dann hast Du auch nicht die Möglichkeit, ihn mit normalen Mitteln aufzuhalten. Also jemandem dann gut zuzureden, langsam auf die Bremse zu treten, den Zug zu stoppen oder etwas, das geht eigentlich nicht.

Sondern entweder Du wartest, wenn der dass der Zug irgendwann wieder in seinem Bahnhof ankommt oder Du drückst wirklich den Notaus Knopf, die rote Taste, den Zug direkt zum Stillstand zu bringen, weil Gefahr im Verzug ist. Beides können die von der Krankheit betroffenen, die von den Phänomen betroffenen Menschen nicht gut. Das lernen sie im Rahmen von Therapien und Klinikaufenthalten, aber das ist erst mal eine Fähigkeit, die ihnen nicht zur Verfügung steht. Auch hier merkst Du, der Maßstab, den Du für jeden anderen anlegen würdest, der greift in diesem Moment hier nicht, weil wir haben es mit 1 erkrankten Person zu tun. Ich habe in meiner Praxis viele Opfer aus solchen ja, Beziehungen, denen ich helfen kann, sozusagen wieder ja, in die Spur zu kommen, zu sich zurückzufinden.

Ich habe Patienten, Patientinnen, die mit Borderline Müttern groß geworden sind. Und ich hab ja grade geschildert, wie sich das anfühlt mit jemandem, der unter dem Phänomen leidet, zusammenzuleben. Du kannst dir vorstellen, dass das für ein Kind, was in 1 solchen Situation aufwächst, das Bedürfnis nach Sicherheit so fundamental enttäuscht, also dieses diesem Bedürfnis wird einfach nicht Rechnung getragen. Und wann können wir uns entwickeln als Kind? Wie können wir groß werden, wenn wir kein sicheres Fundament, keinen Hafen haben, in den wir wieder zurückkommen können?

Und der sichere Hafen, das ist die erkrankte Mutter nicht. Ja, da mag es dann hoffentlich andere Bezugspersonen geben, die diese Rolle einen Teil übernehmen. Aber wenn tatsächlich diese Störung noch relativ unkontrolliert, untherapiert, unbearbeitet im Raum steht, dann ist die Mutter auf jeden Fall kein sicherer Hafen. Sie kann es werden. Ja, also ich glaub nicht, dass jemand, der ein Phänomen hat oder der an 1 Borderline Persönlichkeitsstörung leidet, keine Kinder bekommen sollte.

Das ist überhaupt nicht der Fall. Aber derjenige muss mehr an sich arbeiten als jeder andere. Und das Thema Muttersein ist ja auch schon für, ja, Menschen ohne psychische Störung eine ganz schöne Belastungssituation und Herausforderung mit allen schönen Seiten dazu. Also ich habe in meiner Praxis eben Kinder von Borderline Müttern, die jetzt im Alter die Erlebnisse, die sie ja, die Bindungserlebnisse der Kindheit, der frühen Kindheit, die Geschehnisse noch mal aufarbeiten müssen, weil sie einfach ja, diese Dinge immer noch in sich tragen und irgendwie die bearbeitet werden müssen, weil die noch stören. Ich habe Menschen, die waren in 1 Partnerschaft mit jemandem, der an Borderline erkrankt war.

Und die haben sich so in diese Partnerschaft reingegeben, die haben versucht zu helfen, die haben jahrelang demjenigen im ein Beziehungsangebot gemacht und es ist jedes Mal enttäuscht worden. Diese Menschen haben ein großes Leiden durchlitten. Das möchte ich überhaupt nicht infrage stellen. Und ich helfe auch wirklich in solchen Momenten sehr, sehr gerne, ja, wieder zu sich selbst zurückzufinden, sich zu besinnen, seine eigenen Werte wiederzufinden. Weil all das geht, wenn wir in eine Art von Co Abhängigkeit denken.

Und das ist es aus meiner Sicht. Sowohl das Kind ist abhängig, als auch Partner, Erwachsene kommen oft in eine Co Abhängigkeitsrolle. Da wird viel Schaden verursacht. Ja? Deswegen hab ich auch vorhin gesagt, ich hab Ich kann mich nicht schützen gegen diese Urgewalt von Emotionen, die über mich drüber rollt.

Also jeder, der sich da schützen muss, indem er in die Distanz geht, hat auch mein vollstes Verständnis. Und zusätzlich werb ich aber auch Verständnis für diese Erkrankten. Ich komm noch einmal zurück, was ist denn das Wesen 1 Persönlichkeitsstörung überhaupt? Sie beginnt in der Jugend, weil sie häufig zurückgeht auf Ereignisse, die in der Kindheit passiert sind. Und Menschen, die eine Persönlichkeitsstörung Persönlichkeitsstörung entwickelt haben im Laufe der Zeit, haben oft, und das zeigen alle Untersuchungen und Statistiken, sehr, sehr schlimme traumatische Erfahrungen in ihrer Kindheit.

Da gibt es Vernachlässigung, da gibt es emotionalen Missbrauch, da gibt es körperlichen Missbrauch, Da sind ganz viele Dinge im frühen und späteren Kindheitsalter passiert, die man sich eigentlich gar nicht vorstellen möchte. Und aufgrund dieser Erfahrung, die da gemacht wurden, dass es andere Menschen gab, die sie gequält, ausgenutzt, missbraucht haben, haben diese gequält, ausgenutzt, missbraucht haben, haben diese Menschen eine Entwicklungsverzögerung. Das heißt, das, was wir eigentlich in diesen, ja, in diesem Kindheitsalter lernen sollten, nämlich unsere Emotionen kennenzulernen, eine Art und Weise zu entwickeln, gesund mit Emotionen umzugehen, unsere Gedanken kennenzulernen, eine gesunde Art und Weise zu entwickeln, mit unseren Gedanken umzugehen. All das hat in diesem Kontext, wie diese Menschen aufgewachsen sind, nicht stattgefunden, weil es keinen Platz gab und weil es keinen Menschen gab, der sie darin unterstützen wollte. Ich sprech jetzt sehr absolut.

Es gibt natürlich Menschen, die sind in 'ner kompletten Vernachlässigung groß geworden. Es gibt Menschen, die haben nur ein gewaltiges ein gewalttätiges Elternteil gehabt und der andere war unterstützend. Also es gibt da natürlich alle Versionen. Aber jemand, der eine solche Persönlichkeitsstörung entwickelt, der hat Schlimmes erlebt. Was ist das Wesen 1 Persönlichkeitsstörung?

Sie zeigt sich in allen Situationen und zwar insbesondere in Interaktion. Du erinnerst dich vielleicht, Persönlichkeitsstörung meint Interaktionsstörung nach dem Modell, den ich anhänge, nach Sachse. Das heißt, immer wenn es darum geht, mit anderen Menschen in den Kontakt zu treten, unabhängig davon, ob es die eigenen Kinder, der eigene Partner, die Nachbarn, die Arbeitskollegen sind, es wird immer starr und unflexibel in diesen Situationen. Und Menschen mit Persönlichkeitsstörungen zeigen ein Interaktionsverhalten, was für uns alle abseits der Norm ist. Sie haben sich Kommunikationsformen antrainiert, angewöhnt, ausgebildet, wie auch immer man das ausdrücken möchte, die sie in vielen Lebenssituationen nicht weiterbringen.

Ja? Bei den erkranken führt das natürlich dazu, dass sie häufig Na ja, oder ich mach das noch mal anders. Also wir denken an die Achterbahnfahrt. Und Du stellst dir jetzt mal vor, wie auf der Achterbahn, Du Erinner dich, wann Du das letzte Mal gefahren bist. Da gibt es Linkskurven, da wirst Du grade zu reingeknallt und in den Sitz gepresst.

Dann gibt es Rechtskurven und Du wirst hin- und hergeschleudert. Und so ist das bei Menschen mit Borderline Persönlichkeitsstörung in ihren Beziehungen. Häufig haben die Beziehungen, die geprägt sind von der größten Liebe, die Du dir vorstellen kannst, sie hat fühlen sich so verbunden mit jemandem, mit einem Seelenverwandten, den sie nicht loslassen können. Und 3 Minuten später entwickeln sie aus nichtigem Anlass einen Hass auf diesen Menschen und brechen die Beziehung ab, beleidigend den, verletzen den. Und dann geht es wieder zurück in die Linkskurve, weil sie wollen ja diese Beziehung nicht verlieren, also kommen sie wieder ganz nah und machen die Liebe wieder ganz groß und erleben die Emotionen wieder ganz groß.

Und zack, kommt die nächste Linkskurve. Sie sind oft zwischen Liebe und Hass in Beziehungen hin- und hergerissen. Zwischen ich fühl mich nur bei dir sicher und bei dir kann ich mich nicht sicher fühlen. Und wenn Sie in diese negative, also in meinem Fall die Linkskurve donnern, dann handeln sie so impulsiv und so beschädigend und so unkontrolliert, weil es so eine wahnsinnige Geschwindigkeit und so eine wahnsinnige ja, Zentrifugalkraft heißt das, glaub ich, bei der Achterbahn haben, ja? Dieses Pressen in den Sitz und das erlebt man dann auch in der Beziehung.

Und das erleben die Menschen mit, aber auch in sich drin. Sie fühlen das. Sie fühlen Gefühle in hoch potenzierter Form und deswegen reagieren sie so, wie sie reagieren. Das wirkt für jemanden, der dieses Phänomen selbst nicht in sich spürt, so völlig drüber. Man kann das, glaub ich, nicht nachvollziehen.

Aber es ist, man wird hin, also derjenige fühlt sich hin- und hergeschleudert und nimmt sein Umfeld auf diese Achterbahnfahrt mit. Der Anlass können Nichtigkeiten sein. Also borderline persönlichkeitsgestörte Menschen erwarten, ob ihrer Vergangenheit immer, dass sie sozial ausgeschlossen werden. Weil das ist das, das ist die Bindungsproblematik aus der Kindheit. Sie werden sozial oder sie sind sozial ausgeschlossen worden von ihren engen Bezugspersonen.

Ihr Selbstwert wurde klein gemacht. Sie haben erfahren, dass sie nicht liebenswert sind, dass sie benutzt werden, dass sich keiner sie kümmert. Und das ja zu verhindern, damit ihnen das nicht noch mal passiert, weil wer welches Lebewesen möchte das erleben? Das zu verhindern, haben sie dysfunktionale Überlebensstrategien entwickelt. Das heißt, in Beziehung machen sie sich häufig ganz klein, sie unterwerfen sich sehr stark.

Sie versuchen, möglichst nichts falsch zu machen, weil sie auf gar keinen Fall wieder sozial ausgeschlossen werden wollen. Aber dadurch, dass dieses Verhalten so, ja, für jemanden, der das Störungsbild nicht hat, seltsam anmutet, wecken sie natürlich immer wieder Irritationen in ihrem Umfeld. Und wenn dann jemand irritiert reagiert, interpretieren sie das sofort wieder als sozialen Ausschluss, als Abwertung, sind hochempfindlich, weil sie natürlich auch eine hohe Anspannung haben, weil sie ja ständig dieses sich kleinmachen, in Angstsein spüren. Und dann geht oft ja die Achterbahnfahrt los und dann ist es unkontrollierbar. Was Menschen mit dem Phänomen häufig tun, ist, sie versuchen, sich in irgendeiner Form zu betäuben, also in der Achterbahn sitzend, es nicht zu spüren.

Und so rasche Fluchtstrategien sind halt häufig das Thema Selbstverletzung, was eine Art von Betäubung herbeiführt. Auch das Thema Alkohol und Drogen und tatsächlich auch ja suizidale Tendenzen tauchen da auf, tja, der Achterbahnfahrt zu entfliehen. Wobei ich jetzt schon merke, dass die Störung so komplex ist, dass ich sie hier auch sehr vereinfacht darstelle, damit das nicht zu sehr ausufert. Es gibt nämlich auch die andere Komponente. Wenn die Achterbahn mal stillsteht oder in einem sehr ungefährlichen Teil unterwegs ist, dann empfinden Sie diesen Stillstand, diese innere Leere viel deutlicher auch, als wir die normalerweise empfinden.

Und auch dann ist Selbstverletzung, Alkohol und Drogen, häufig sind die auch dann Thema. Also ich fass noch mal zusammen bis hierher. Menschen mit einem mit 1 Persönlichkeitsstörung haben nicht gelernt, ihre Gefühle richtig zu benennen und mitzuteilen. Sie wissen nicht, wie sie Gefühle regulieren sollen. Sie haben Probleme sowohl mit schmerzlichen Gefühlen als auch mit positiven Gefühlen.

Und sie haben das Vertrauen in sich selbst, in die eigenen emotionalen und kognitiven Erfahrungen verloren. Und sie haben auch einen sehr stark beschädigten Selbstwert, weil ihnen schlimmes widerfahren ist. Und mit dieser Ausgangslage gehen sie in menschliche Beziehungen und verhalten sich dort oft in 1 sehr irritierenden und auch dysfunktionalen Art und Weise. Zum Beispiel das Thema sich klein machen, manchmal aber auch das Thema sich sehr wichtig machen. Also es gibt da unterschiedliche Strategien.

Auf jeden Fall lösen Sie in der Regel eine Irritation aus. Und weil es eine Persönlichkeitsstörung ist, können sie sich nicht flexibel anpassen, sondern interpretieren das Ganze als Kritik an ihn selbst und das ist das, was sie am meisten fürchten. Sie erwarten, sozial ausgeschlossen zu werden und wenn das passiert, dann werden sie, ich setz es in Anführungszeichen, Fuchs Teufelswild, ja? Ich hatte auch mal eine Patientin, die hat das so schön beschrieben, die hat gesagt, ich komm mir vor wie ein Außerirdischer. Ja, ich bin auf dieser Welt, aber ich bin so anders als alle anderen.

Und ich merke das auch, aber ich kann nicht sein wie die, weil ich kapier's nicht. Und das schildert es vielleicht ganz schön, weil es fehlen halt die Entwicklungsschritte, die Reifungsprozesse, die Kinder und Jugendliche durchmachen, stabil persönlichkeitsentwickelt durchzukommen. Und das das fehlt, deswegen fühlen die sich auch so in der Erwachsenenwelt grade so anders, weil sie merken, dass sie, ja, sie sie hat das gesagt, wie ein Alien sind, manche drücken aus, dass sie sich einfach nur fühlen wie ein Kind, wie ein sehr verschreckten, noch fühlen wie ein Kind, wie ein sehr verschrecktes, einsames Kind, was dann aber doch manchmal eine richtige Wutausbrüche kriegt, sich zu befreien. Häufig richten sie sehr stark gegen sich selbst. Sie richten sich selber hin.

Sie neigen dazu, sich selbst fertigzumachen, denn wenn sie umlernen würden, wenn sie sich ermutigen würden, wenn sie sich trösten würden, dann hätten sie eine Chance, viel schneller zu lernen und diese Entwicklungsschritte nachzuholen. Aber auch das hat ihnen keiner beigebracht. Also stecken sie fest und sie neigen dazu, sich selber fertigzumachen. Sie hassen sich teilweise. Es ist ein Selbsthass im Spiel, wenn man das hört, man erschreckt sich.

Sie betäuben sich mit Alkohol, Drogen, Selbstverletzung, Essanfällen, Hungerphasen, was auch immer. Und dadurch kommen Sie nicht so richtig in diese Entwicklungsschritte, die eigentlich gemacht werden müssen. Deswegen gehören Menschen mit 1 Borderline Persönlichkeitsstörung meiner Meinung nach unbedingt in Therapie und zwar relativ eng. Vielleicht in ein gruppentherapeutisches Angebot, dazu in ein ambulantes Therapieangebot, auch gerne mal stationär, weil die Traumatisierung der Kindheit eigentlich im Rahmen 1 Traumatherapie auf aufgearbeitet gehören, ja? Was tun wir nun tja im Therapieraum?

Das ist vielleicht auch noch mal interessant. Wir versuchen, Überlebensstrategien anzulegen. Also wir versuchen zum Beispiel diese Wutanfälle zu kontrollieren über die Entwicklung von sogenannten Skills. Wir versuchen natürlich, das Thema Suizidalität und Selbstverletzung zum Thema zu machen und hier andere Angebote zu schaffen, mit denen Sie sich auch ja, Erden zurückholen, betäuben können. Wir versuchen aufzudecken, was genau tun Sie selber mit Ihrem Verhalten dazu, dass Sie gefühlt von 1 Krise in die nächste stolpern?

Wir haben ja auch eine Beziehung, eine Interaktion mit diesen Patienten. Und auch im Therapieraum ist es für den Therapeuten oft sehr, sehr schwierig, mit borderline persönlichkeitsgestörten Menschen zu arbeiten, weil diese Menschen dazu neigen, auch in dieser Interaktion Dinge zu tun, die mehr als irritierend sind, die Krisen auslösen. Auch der Therapeut wird oftmals ja, angegriffen, wird mit der Wut konfrontiert, wird abgewertet, wird mit Hass überladen. Natürlich verstehen wir sehr viel, ja oder für uns ist es sehr viel leichter zu sagen, das ist der kranke Teil, der da mit uns spricht. Das ist der Persönlichkeitsanteil, der eben ja, diese ganze schlimme Geschichte hat und der diese Verhaltensweisen entwickelt hat.

Und da gibt's einen anderen Persönlichkeitsanteil oder mehrere in diesen Menschen, die die trotzdem liebenswert sind. Aber auch hier müssen wir sehr stark arbeiten an der Beziehung zwischen Therapeut und Patient und tatsächlich versuchen wir auch, eine positive Beziehungserfahrung für diesen Menschen zu sein und ihm zu zeigen, hör mal, so kann Beziehung auch gehen. Ja? Du greifst mich an, okay, ich bleib trotzdem da. Ich bleib hier.

Ich sag dir, ich will nicht angegriffen werden, aber ich bleib trotzdem in der Beziehung. Dein Verhalten ist nicht in Ordnung, aber Du als Mensch bist trotzdem wertvoll. Diese Trennung, die im Therapieraum möglich ist, weil wir auch entsprechend dafür ausgebildet sind, die ist im Privatleben im Umfeld natürlich viel schwieriger hinzukriegen. Aber auch da wäre es ein möglicher Lösungsschritt. Denn das versuchen wir auch, diese Patienten in ihrer sozialen Integration zu unterstützen, ihnen Hinweise zu geben, wie sie anders in die Interaktion gehen können.

Dann versuchen wir natürlich, diese Entwicklungsschritte nachzuholen und einzuleiten. Einzuleiten. Es geht darum, zu lernen, was sind Emotionen? Was machen Emotionen mit uns? Wie kann man Emotionen regulieren?

Was machen wir, wenn schmerzliche Gefühle auftauchen? Wie gehen wir mit den dazugehörigen Gedanken Ja, und das versuchen wir auch im Therapieraum, die Emotionen zu aktivieren und zu bearbeiten und das erlebbar zu machen, damit derjenige lernt, mit seinen Emotionen anders umzugehen. Ja? Die Ängste der Patienten, der der ja, das das kleine Wesen in dem Menschen, sag ich jetzt mal, ja, hat ganz viel Angst, ganz viel Angst vor Einsamkeit, Angst verlassen zu werden, Angst abgewertet zu werden, weil das sind die ganzen schmerzhaften Erfahrungen, die sich in der Kindheit angesammelt haben. Da ist ganz viel Angst.

Und auch Angst als großes Gefühl darf sein. Und auch hier müssen die Patienten einen Umgang damit lernen, wie sie mit Angst anders umgehen können. Behandlungsziele von Patienten sind meiner Erfahrung nach in der Regel relativ ähnlich. Es geht darum, Kontrolle über die eigenen Emotionen und über die Stimmungsschwankungen und das negative Denken zu bekommen. Ihr wisst, ich bin ich glaub nicht wirklich daran, dass man Kontrolle darüber gewinnen kann, aber es ist häufig das Therapieziel.

Ich würde sagen, Akzeptanz, Umgang mit Emotionen und Stimmungsschwankungen und negativem Denken. Und daraus wird sich das dann automatisch reduzieren. Dann natürlich, ein Therapieziel ist, Suizid zu verhindern, Selbstverletzungen zu reduzieren und anderes schädigendes, selbstschädigendes Verhalten abzubauen. Dann geht es die Selbstakzeptanz, das Selbstvertrauen, den Selbstwert, den ja, das alles zu verbessern, zu erhöhen. Eine Verbesserung der Beziehung durch Verbesserung des Interaktionsverhaltens und überhaupt eine Verbesserung an der Lebensteilnahme.

Häufig sind borderline persönlichkeitsgestörte Menschen gar nicht ja, beruflich sehr erfolgreich zum Beispiel, weil sie natürlich auch im Job immer wieder anecken, Jobs verlieren, weil sie auch da ja, Du erinnerst dich, starr und in allen Situationen, ihr irritierendes, interaktives Verhalten zeigen. Und hier eine Verbesserung hin herbeizuführen, sie anzudocken, ihnen ein soziales Netzwerk zu bauen, auch das ist Inhalt der Therapie. Du siehst also, wir sprechen eigentlich über 2 Gruppen von Menschen, die leiden. Das eine sind die Patienten an sich und das andere sind die Menschen, die irgendwie mit borderline persönlichkeitsgestörten Menschen zu tun haben. Sei es im familiären Umfeld, in der Partnerschaft, als Mutter, auch im Arbeitsumfeld.

Und beide Gruppen leiden auf ihre Art und Weise. Und der Lösungsschlüssel, wie man damit, ja, was was ist die Lösung des Ganzen? Was löst das Leid der beiden auf? Das ist gar nicht so einfach. Es geht und das wäre auch das Ziel meiner Folge heute, erst mal Verständnis.

Verständnis für den erkrankten Menschen, der sich das wahrlich nicht ausgesucht hat und durch sehr schlimme Umstände in der Kindheit in diesen Entwicklungsprozess hineingekommen ist, sodass er diese Störung hat. Und es geht aber auch Verständnis für die Menschen, die sozusagen andocken, von der Achterbahn teilweise gerammt und verletzt werden und sich dann vielleicht auch wieder entziehen wollen, weil sie sagen, ich ich kann das nicht. Mit solchen Menschen zusammenzuleben, in Beziehung zu bleiben, braucht es wirklich einen starken inneren Kern und es braucht eine gute Schutzhülle im Außen, die immer wieder trennen kann, dass es jetzt nur ein Persönlichkeitsteil ist des gestörten Menschen, der einen attackiert und dass es ganz viele andere Anteile gibt, die sich eigentlich Nähe, Beziehung, Interaktion wünschen. Und da muss man sich mit ganz viel Blick auf die eigene Selbstfürsorge fragen, ob man so ein Begleiter sein kann und sein möchte. Und es geht nicht Schuld und Müssen und Ansprüche, sondern jeder ist ja für sein Leben und für seine Entscheidung verantwortlich.

Und so sind auch alle Angehörigen und Zugehörigen dazu aufgefordert, sich zu entscheiden, ob sie diese Nähe weiterhin wollen oder nicht. Und meine Ermutigung ist, deswegen hatt ich's auch extra erwähnt, wer sehr beschädigt aus 1 solchen Beziehung irgendwann aussteigt, der darf sich auch therapeutische Hilfe holen, das alles noch mal aufzuarbeiten und zu verstehen. Weil man oft diesen Spagat im Kopf hat. Da gibt's einen Menschen, der sagt, er liebt einen sehr und dann verletzt er einen wie kein Zweiter. Auch das braucht manchmal einfach ein bisschen Nachreflexion, Betreuung und ja, genaues Hingucken, zu verstehen, was da passiert ist, in die Akzeptanz zu kommen.

So, das war's an dieser Stelle mit der heutigen Folge. Solltet ihr Fragen haben, Anmerkungen, würd ich mich sehr freuen, wenn ihr euch zu der Folge meldet. Dazu könnt ihr mir eine E-Mail schreiben. Ihr könnt mich auf meinem Instagram Kanal besuchen oder bei Facebook, was immer euch als Kanal am nächsten steht. Ich freu mich über Rückmeldung.

Ich hoffe, dass ich meine Wertschätzung für die Erkrankten und aber auch für die Betroffenen im Umfeld deutlich gemacht hab, weil ich mich in beide Perspektiven reinversetzen kann und weil ich das Leid beider Personengruppen sehe. Und ja, wenn ihr noch mehr zum Thema Borderline wissen wollt, würd mich freuen, wenn ihr mir schreibt, was genau, weil dann könnt ich vielleicht noch eine Folge gestalten. Nächste Woche gibt es ein Interview, was auch ein bisschen Borderline, also Borderlinethematiken beinhaltet, weil ich Elke im Interview habe, die über die frühen Hilf spricht und über Bindungsproblematiken und was es für Präventionsmöglichkeiten dort gibt. Und auch da reden wir kurz über das Thema Borderlinemütter. So, jetzt aber.

In diesem Sinne sag ich für heute tschüs. Es war eine schöne Folge. Es hat mir viel Spaß gemacht und bis zum nächsten Mal.

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