Unser Verstand ist ein Quälgeist, leider. Er braucht einen klaren Auftrag, Führung und Grenzen. Um einen klaren Auftrag zu erteilen, müssen wir wissen, was uns wirklich wichtig ist. Dann können wir unseren Verstand so einsetzen, dass er hilfreich und konstruktiv mit uns an unserem Leben arbeitet. Ohne Auftrag treibt er uns oft in den Wahnsinn. Achtsamkeit, Fokus und Klarheit sind so wichtig.
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Hey, hallo, herzlich willkommen bei Reif für die Couch, dem Podcast für alle Erschöpften, deren Leben leichter werden darf. Mein Name ist Sabine Bimmler, ich bin Psychotherapeutin, systemischer Coach aus Köln und ich freue mich, mit der ersten Folge in 20 22 starten zu dürfen. Gedanken sind oft Ballast. Und wieder geht es 1 meiner wichtigsten Themen, nämlich dein Verstand, der dich als Quälgeist in deinem Leben manchmal ja, bedrängt, bequatscht, belagert und quält als Quälgeist. Mir ist ein schöner Spruch begegnet diese Tage irgendwo im Social Media Bereich.
Und der lautete, die schwersten Lasten, die wir tragen, sind unsere Gedanken. Und ich habe so was von innerer Zustimmung in dem Moment gefühlt zu diesem Spruch, weil es auch bei mir grad so ist, dass ich im Kopf jede Menge Themen habe, an denen mein Verstand sich festbeißt. Das sind Themen, die sind für mein Leben gar nicht von riesiger Bedeutung und trotzdem lassen sie mich gerade nicht los. Und so erlebe ich grad wieder am eigenen Leib, wie es ist, wenn der Verstand sich wieder und wieder an bestimmten Themen festbeißt, sie abwägt, sie nach vorne, nach links legt, nach rechts. Und am Ende denkt er immer wieder ganz das Gleiche, immer wieder Ähnliches, auch wenn die Anlässe anders sind.
Und es führt aber irgendwie zu nix. Deswegen hab ich den Gedanken gewählt, den Gedanken nicht, den Titel gewählt, Gedanken sind oft Ballast. Ballast ist Material von hohem Gewicht, aber von geringem Wert. Und genau das sind diese Gedanken. Sie haben ein hohes Gewicht, sie zehren an einem, sie erschöpfen einen, aber sie haben einen geringen Wert, weil sie tragen nichts zu 1 Lösung, zu einem guten Zustand bei.
Sie dienen häufig einfach zu gar nichts. Und vielleicht überlegst Du mal für dich, was sind eigentlich die Bereiche, die Themen, die Probleme, an denen sich dein Verstand immer wieder festbeißt, ohne dass er dich wirklich voranbringt mit seinen Gedanken, die er produziert, sondern wo die Gedanken, die immer wiederkehrenden Gedanken schleifen, eher zur Last werden. Unser Verstand kann überhaupt nichts dazu. Ich hab da immer dieses Bild von einem jungen Hund, der erzogen werden muss. Und so ähnlich betrachte ich auch unseren Verstand.
Er braucht Erziehung, er braucht Anleitung und er braucht Führung. Wenn wir ihn einfach so laufen lassen, dann kommt er auf, sprichwörtlich dumme Gedanken. Er beschäftigt sich mit irgendwas, was ihm gerade so reinschneit und er beschäftigt sich auch mit Themen, die vielleicht für unser Leben eben gar nicht so wichtig sind. Das heißt, er braucht Anleitung, er braucht positive Verstärkung, wenn er sehr nützlich und sehr hilfreich für uns war. Er braucht Grenzen, wenn er irgendwie ausbricht oder sich zu lange an etwas festhält.
Und er braucht einen klaren Auftrag, er möchte beschäftigt werden. Wer einen jungen Hund schon mal großgezogen hat, der weiß, dass das ganz ähnlich ist. Und wir alle haben diesen Verstand, diesen jungen Hund tatsächlich in unserem Kopf. Und der Auftrag, den wir ihm geben, damit er uns nützlich ist, damit er hilfreich ist, sind unsere Visionen, ein großes Wort, unsere Ziele, unsere Werte und unsere Richtung. Wie möchtest Du leben?
Wie willst Du dein Leben gestalten? Wie soll Arbeit sein? Wie soll Familie sein? Wie soll Gesundheit sein? Wie sollen soziale Beziehung sein?
Nur wenn Du hier ein klares Bild hast, zumindest eine Richtung über eine Idee, dann kannst Du deinem Verstand auch einen Auftrag geben. Genauso ist es mit den Werten. Wenn Du weißt, was dir wichtig ist, wofür Du einstehen möchtest und woran Du auch dein Handeln ja, messen möchtest, deine Werte, das, was so wichtig ist für dich im Leben. Wenn Du die kennst, dann kannst Du auch hier deinem Verstand einen Auftrag geben. Unsere Gedanken, die die Kraft und Energie, die wir da investieren, sollen uns helfen, unseren Visionen, unseren Zielen, unseren Werten der gewünschten Richtung näherzukommen.
Und wenn das nicht der Fall ist, wenn Du viel denkst und wenn dein Verstand sich viel mit Themen beschäftigt, die auf deine Vision zielen, Werterichtung nicht einzahlen, dann gibt es was zu ändern. Und das ist genau das, was ich im Augenblick gerade erlebe. Ich merke wieder, dass mein Kopf sich an Themen festbeißt, die für mein persönliches Leben, meine Richtung, meine Ziele, meine Werte nicht wichtig sind. Und trotzdem sind sie aus irgendwelchen Gründen für meinen Verstand grad so attraktiv, dass er immer wieder hin will, sich immer wieder damit beschäftigen will, immer wieder neue Informationen sucht, in Gesprächen mit Menschen getriggert wird, weil zum Beispiel über diese Themen gesprochen wird. Und dann fängt die Denkmaschine wieder an.
Aber tatsächlich sind es Bereiche, die für mich überhaupt nicht beeinflussbar sind. Ich denke über Dinge nach, die ich nicht beeinflussen kann. Und das ist etwas, was ich als Kraft und Energieverschwendung bezeichnen würde, wenn diese Dinge auch zeitgleich nichts mit meinen Visionszielen Werten meiner Richtung zu tun hat. Und ich geborene euch noch ein Beispiel aus meiner Praxis. Ich habe im Augenblick eine Patientin, die hat mit relativ großen Ängsten zu tun.
Und Ängste kennen wir alle, jeder von uns hat Ängste. Hier in diesem Fall ist es die Angst, dass ihren Familienmitgliedern etwas passieren könnte. Sie ist mehrfache Mutter. Sie hat einen Mann. Ihre Eltern leben in ihrer unmittelbaren Nähe.
Sie ist ein echter Familienmensch. Und irgendwann kam die Angst in ihr Leben, dass ihren Familienmitgliedern etwas passieren könnte. Und vielleicht sogar noch verstärkte, dass sie einen Fehler gemacht hat, der dazu führt, dass jemand von ihren Lieben etwas passiert. Diese Angst kam, es ist mittlerweile gar nicht mehr zu begreifen, mit den Kindern in ihr Leben. Es gab keinen konkreten Anlass.
Es gab noch nicht mal 'n Schreckmoment, sondern irgendwann hat Ihr Verstand die Hypothese rausposauen, dass ja etwas Schlimmes passieren könnte und dass das ja auch etwas zu tun haben könnte damit, dass sie vielleicht unaufmerksam war, nicht richtig aufgepasst hat und so weiter. Wenn wir auf ihre Werte schauen, dann ist Familie, Familienzusammenhalt, gegenseitige Unterstützung ein sehr, sehr hoher Wert für diese Patienten. Deswegen pflegt sie ja auch ein wirklich sehr gutes Verhältnis mit ihren Eltern und verbringt einfach auch viel Zeit mit ihren Kindern. Sie hat im Augenblick ihren Job aufgegeben. Sie arbeitet gar nicht, weil sie sagt, ich bin mit Leib und Seele Mutter und die Kinder sind teils noch so klein, dass ich auch wirklich für sie da sein möchte.
Ihr Ziel ist es, ihre Kinder ja, auf das Leben, auf all die Herausforderungen, die kommen, wirklich gut vorzubereiten, damit die gut durchs Leben gehen. Und die Art und Weise, wie sie leben möchte, ist sehr sozial geprägt. Sie haben einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Es gibt dieses lebhafte Familienleben, gegenseitige Unterstützung, gemeinsame Erlebnisse, gemeinsames Kochen, Spielen, Spaß haben. Das steht im Vordergrund.
Und Du siehst schon, wenn der Verstand sich festbeißt an der Angst, ob ihren Familienmitgliedern etwas passiert, dann wird jetzt schon klar, dass womöglich diese ganze, dieser Gedankenwust, der da entsteht, keinen, aber auch gar keinen hilfreichen Impuls hat auf das, wie sie eigentlich leben möchte. Tatsächlich hat ihr Verstand, großer Problemlöser, ne, sehr einfallsreich ihr erklärt, was sie tun kann, damit sie diese Angst nicht aushalten muss. Er hat erst mal Katastrophen ersonnen, was alles passieren könnte. Und dann hat er ihr nach und nach erklärt, wo sie am besten Kontrollmechanismen einbaut, wo sie sich wie sie sich absichern kann, wie sie stetig in Kontakt mit allen bleiben kann, wie sie bestimmte Situationen komplett vermeiden kann. Und es entstand sozusagen ein Netzwerk an Handlungen, was vor allen Dingen dazu diente, nicht ins Spüren dieser Angst zu kommen.
Dafür ist diese sind diese Kontroll- und Vermeidungsmechanismen bei Ängsten ja da. Und es wird schon sehr klar, die Ängste machen es wirklich schwer, ihr eigentliches Ziel zu erreichen. Kinder aufs Leben vorbereiten, sehr Sozialleben, viel Lust, gemeinsames Engagement, Spaß. Kontrolle absichern vermeiden. Da merkt man schon an den Wörtern, wie eng es wird, die Flexibilität geht verloren, Der Spaß, die Leichtigkeit gehen verloren.
Also genau das, was sie eigentlich gerne leben oder erreichen möchte, genau das ist es, was ihr die Angst jetzt nimmt. Die Kontrolle nimmt einen immer größeren Raum ein. Und dadurch, dass die anderen Familienmitglieder schon genervt sind durch diese Kontrollmechanismen, kommt es immer weiter zu Streit mit den Kindern und dem Mann. Es ist wenig Flexibilität da, wenig Leichtigkeit, wenig Spontanität. Und meine Patientin selber berichtet von 1 großen, gefühlten Anstrengung oder 1 großen Erschöpfung, weil sie ja immer in diesem Kontrollaufpassmodus läuft.
Angst, dass unseren lieben Mitmenschen, die uns etwas bedeuten, etwas passieren kann, hat jeder von uns. Hier hat bei meiner Patientin ihr Verstand, ihr eine Lösung angeboten, diese Angst zu reduzieren oder loszuwerden. Nur stehen die Maßnahmen, die der Reduktion der Ängste dienen, konträr zu den Zielen, wie sie eigentlich leben will. Sie möchte Leichtigkeit, Spontanität, schönes Miteinander im Familienkontext, stattdessen hat sie Streit und Erschöpfung. Das ist dem Verstand aber egal, weil er hat sich ein eigenes Ziel gesetzt und sein Ziel ist die Reduktion der Angst.
Wir haben hier also sozusagen eine Programmierung auf das falsche Ziel vorliegen. Und das ist das, was ich vorhin meinte. Der Auftrag an unseren Verstand, wobei er uns helfen soll, womit er sich beschäftigen soll, wofür er Lösungen suchen soll, muss sehr präzise formuliert sein. Wir können ihn nicht einfach laufen lassen. Wenn wir ihn laufen lassen, wird es schwer, weil dann sammelt der Verstand immer mehr Ballast an.
Ballast von hohem Gewicht, aber geringem Wert. Die tägliche Ausrichtung, wie willst Du leben? Was ist deine Vision? Welche Ziele verfolgst Du? Welche Werte stehen im Fokus?
Was ist mir wirklich wichtig? Die tägliche Ausrichtung darauf ist extrem wichtig. Und dazu solltest Du dir jeden Tag immer wieder kleine Pausen- und Denkeinheiten verordnen. Wo Du sozusagen deinem Verstand einen klaren Auftrag gibst und ihn immer wieder ausrichtest. Und wenn Du Tätigkeiten oder Gedankenspiele erlebst, die dich viel Kraft und Energie kosten, dann ist die Frage immer, arbeitet mein Verstand eigentlich gerade an dem Auftrag, den ich ihm gegeben habe?
Oder hat er sich grad wieder selber Themen gesucht, an denen er sich festbeißt? Ganz oft, wenn es anstrengend wird, wirst Du feststellen, dass die Antwort ist, nein, er arbeitet nicht an meinem Auftrag. Er hat sich selber irgendetwas gesucht, womit er sich beschäftigt. Und wenn Du ihn einfach laufen lässt und ihm folgst, dann wird es schwierig. Dann verlierst Du Energie und dann bist Du auch gar nicht mehr, ja, sozusagen im Driverseat für dein Leben, sondern der Verstand macht, was er will.
Das ist wieder das Bild vom jungen Hund. Das ist der unerzogene junge Hund, der durch die Gegend schießt und geistert, ohne dass er ja, also er ist außer Rand und Band, lass mich das so formulieren. Er braucht einen Auftrag. Du musst ihn beschäftigen, sonst kommt er auf Dunnem Gedanken. Du musst ihn positiv verstärken, wenn etwas gut läuft.
Du musst ihn bestrafen beziehungsweise reglementieren, wenn er etwas tut, was nicht hilfreich für dich ist. Und Du musst immer wieder jeden Tag täglich den Auftrag neu formulieren. Gedanken sind oft Ballast. Und ich würde dir raten, auf jeden Fall diesen Ballast abzuwerfen. Den Ballast abzuwerfen, weil er eine Belastung ist, die dir keinen Wert bringt.
Und Du kannst das, indem Du den Ballast aufschreibst und wegwirfst. Du kannst das, indem Du deinem Verstand immer wieder sagst, Nein, damit möchte ich mich nicht beschäftigen. Das ist nicht mein Thema. Das ist nicht das Thema, was mich und mein Leben weiterbringt. Sondern die Themen, an denen ich gerne arbeiten möchte, sind Und dann kannst Du deinen Auftrag wieder neu formulieren.
Ich würde die Folge gerne mit einem weiteren Bild schließen, was mir auch kürzlich begegnet ist und was ich sehr ansprechend fand. Und zwar stammte das aus einem Buch, was ich gelesen habe, wo es darum ging, dass ja ein 1 indischer Mönch zu einem Menschen sagte, ich versteh euch Menschen nicht. Grade ihr Europäer, ihr räumt euer Haus immer auf. Ihr bringt euren Müll jeden Tag vor die Tür, aber euren Geist räumt ihr nicht auf. Ihr lasst einfach zu, dass sich immer mehr Müll in ihm ansammelt und ihr räumt nie wirklich auf in eurem Geist.
Und Du kennst das mit dem Müll. Überall im Haus, in der Wohnung entstehen immer wieder neue Häufchen. Man muss immer wieder neu arbeiten, die Häufchen beseitigen. Man muss Strukturen und Ordnung schaffen, sodass möglichst wenig Häufchen entstehen. Ich lebe in einem 5 Personen Haushalt und kann euch sagen, meine Kinder hinterlassen in jedem Zimmer Häufchen.
Und regelmäßig muss ich durchs Haus gehen und muss mich kümmern, muss diese Häufchen abräumen, muss die Sachen anders strukturieren, damit es irgendwie besser gelingt, Ordnung zu halten. Und genauso ist es mit unserem Geist auch. Am Ende sollte es täglich einen Rundgang geben, sozusagen das Gröbste zu entsorgen. Und dann darf es immer wieder ja Spezialaufträge geben, wo man einfach Dinge rausbringt, vor die Tür bringt, den Geist aufräumt und sich bestimmter Dinge entledigt. Weil je aufgeräumter, je klarer, je strukturierter Du in deinem Kopf bist, desto einfacher ist es auch für dich, deinen Verstand anzuleiten und deinen Verstand dorthin zu lenken, wo Du ihn wirklich brauchst und wo er hilfreich für dich ist.
Ja, ich bin gespannt, ob Du Fragen hast in dieser Folge. Kannst Du mich gerne wissen lassen. Ihr merkt es vielleicht, wenn ihr mich auf Social Media kontaktiert. Ich schaff es tatsächlich nicht, all die Fragen und Kommentare zu beantworten. Das tut mir sehr leid.
Vielleicht kann ich den Austausch unter euch, unter meinen Videos bei Youtube oder ich weiß nicht wo, im im in Instagram, Facebook forcieren, weil ich tatsächlich all den, werde. Ich danke dir heute für deine Aufmerksamkeit und ja, möchte schon mal auf die nächste Folge hinweisen. Die hab ich nämlich auch schon fast fertig. Es wird Zwänge gehen, weil das Thema Zwänge, Zwangsstörung, Zwangsgedanken, Zwangshandlung gerade durch die Coronasituation so viel an Fahrt aufgenommen hat, sodass ich einmal erklären möchte, was das ist und wie wir sie auch im Therapieraum behandeln. In diesem Sinne, ich wünsch dir einen wunderbaren Tag.
Lass heute möglichst viel belastlos und konzentrier dich auf das, was für dein Leben wirklich wichtig ist. Tschüs.
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