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Stress Folge 67 · 16. Januar 2020 · 35 Min
Cover: „Frühe Hilfen" für erschöpfte Eltern - Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen

„Frühe Hilfen" für erschöpfte Eltern - Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen

0:00 35 Min

Worum geht's?

Eltern sind heute deutlich erschöpfter und von Zukunftsangst geplagt als noch vor zehn Jahren. Wie sollen wir das alles schaffen? Machen wir alles richtig? Was wird aus unserer Partnerschaft? Wie soll es beruflich für uns weitergehen? Viele fühlen sich kurz vor dem Zusammenbruch. Mit meiner Kollegin Elke L. spreche ich über Möglichkeiten, wie diese schwierige Situation gemeistert werden kann. Wir sprechen auch über das Präventionsprojekt des Bundes, die sog. „Frühe Hilfen". Sie zielen darauf ab, Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Eltern in Familie und Gesellschaft frühzeitig und nachhaltig zu verbessern. Insgesamt ein spannendes und wichtiges Thema.

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Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit. 

Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.

Zum Nachlesen

Vollständiges Transkript · 5.106 Wörter · etwa 26 Minuten. Automatisch aus der Audio erstellt — kleine Fehler sind möglich.

Hey, hallo. Herzlich willkommen bei Reif für die Couch, dem Podcast für alle Erschöpften, deren Leben besser werden darf. Mein Name ist Sabine Bimmler. Ich hoste diesen Podcast, den Youtube Kanal und ich würde heute gern mit dir über das Thema frühe Hilfen für erschöpfte Eltern reden. Dazu hab ich meine wunderbare Kollegin Elke Laddemacher aus Leverkusen im Interview und sie erklärt, warum es ein ganzes Dorf braucht, ein Kind zu erziehen.

Wir sprechen über Eltern, die an ihre Grenzen kommen, über Hilfsangebote für Eltern. In diesem Fall tatsächlich Hilfsangebote, die durch den Bund in Form 1 Präventionsprojektes bereitgestellt werden. Aber es sind natürlich auch konkrete Tipps drin und vor allen Dingen Ermutigung für junge Eltern, auch junge Mütter insbesondere, sich Unterstützung zu holen, sich ein Dorf an die Seite zu holen, damit sie ihr Kind einerseits und begleiten können in diese Welt und andererseits aber auch lerngut für sich zu sorgen. Es war ein wunderbares Interview und ich freue mich drauf und wir schalten jetzt rein. Liebe Elke, wie schön, dass wir heute hier miteinander sprechen.

Ich Hallo. Ich würd dich bitten, einfach 'ner kurzen Vorstellung anzufangen, damit die Leute wissen, wer da eigentlich grade spricht. Wer ist Ja. Wo arbeitest Du? Erzähl mal.

Okay. Mein Name ist Elke Lademacher und ich bin genau wie Sabine Psychotherapeutin und arbeite in einem Projekt, das frühe Hilfen heißt, also in der Familienhilfe. Und da werde ich wahrscheinlich gleich noch ein bisschen mehr drüber erzählen. Und aktuell bin ich aber in Elternzeit, das heißt, gerade nicht im Dienst sozusagen. Gerade nicht im Dienst, aber bald wieder.

Genau. Ja, und das ist ja auch son Thema, was uns zusammengeführt hat, ne. Als wir uns kennengelernt haben, da war ich schon Mutter und Du warst auf dem Weg, Mutter zu werden. Ich formulier das mal so. Und das ist ja auch 'n Thema, über das wir uns immer wieder austauschen, wenn wir uns treffen, ne.

A dieses Thema Mütter sein und umso spannender finde ich's, dass Du jetzt auch deine Psychotherapeutenausbildung genau an der Stelle nutzt. Erklär doch mal, was ist das Ziel von den frühen Hilfen, von diesem Projekt, was die Stadt Leverkusen da etabliert hat? Genau. Die frühen Hilfen sind eigentlich ein bundesweites Projekt, was in vielen Städten, also was in vielen Städten umgesetzt wird, aber eben unterschiedlich. Und in Leverkusen wird das etwas modellhaft umgesetzt.

Das heißt, es gibt ein Team von Sozialpädagogen, Sozialarbeitern und Psychologen, die an verschiedenen Standorten, also in den verschiedenen Stadtteilen in Leverkusen ein Ladenlokal oder eine Wohnung angemietet haben und dort ein Angebot für Familien mit Kindern unter 3 bis zu 3 Jahren machen können. Und jeder Standort hat eben einen unterschiedliches Angebot. Alle Standorte sind miteinander vernetzt und durch diese, ja, Stadtteilbezogenheit hat ist das son sehr offenes und in den in den Stadtteilen präsentes Angebot. In manchen Städten sind die frühen Hilfen eher beim Gesundheitsamt zum Beispiel angegliedert und dadurch nicht so einsichtig. Aber es wär jetzt schon mal für alle Mütter unter 3, die irgendwie Anschluss suchen, die vielleicht gerne Themen besprechen würden, die mit den Kindern zu tun haben und die noch nicht so recht wissen, wohin, schon mal eine gute Möglichkeit, sich zu informieren, wie werden frühe Hilfen in unserer Stadt angeboten.

Genau. Genau, das ist ein 1 kostenfreies Angebot für die Familien und ja, jeder jeder kann kommen, jeder ist herzlich willkommen und kann kann die verschiedenen Angebote nutzen. Manche Mütter kommen mit ihren Kindern zum Elternfrühstück, andere nehmen an 'ner Krabbelgruppe teil und manche nutzen eben die Hilfe von den Sozialarbeitern vor Ort oder die psychologische Beratung, die ich dann mache. Mhm. Jetzt ist das ja aber nicht nur reine Bürgerfreundlichkeit, dass dieses Projekt bundesweit ins Leben gerufen wurde, sondern das ist ja ein Präventionsprojekt, ne.

Kannst Du da mal was zu sagen? Genau, also das Ziel ist es, die Mütter in den ersten Jahren mit ihren Kindern zu unterstützen, eben zum Beispiel der Ausprägung von psychischen Erkrankungen oder anderen Überforderungssituationen bei Müttern entgegenzuwirken. Das heißt, erst mal muss keiner krank sein oder irgend 'n Schein oder eine irgend eine Diagnose oder irgendwas mitbringen, sondern jeder kann kommen und jeder kann auch Entlastung finden. Es ist ganz freiwillig und unverbindlich und eigentlich finden's die Mütter auch ziemlich nett, weil wir auch viele Sachen einfach auf die Beine stellen im Stadtteil. Also auch Feste und Feiern oder Aktionen in den Sommerferien, die einfach die Familien machen können.

Ja. Wir haben das ja beide relativ ähnlich erlebt, ne. Du bekommst irgendwann ein Kind und dann bist Du ja als Frau auch sehr auf dich allein zurückgeworfen, ne. Plötzlich sitzt Du da zu Hause. Es mag Männer geben, die da länger bei ihrer Frau sind.

Also in meinem Umfeld und bei mir selber war es so, dass mein Mann weiterarbeiten gegangen ist und ich mit dem Kind erst mal zu Hause war. Und dann kommen diese ganzen neuen Themen, also gesundheitliche Sorgen ums Kind, die man hat, die Sache mit dem Stillen, die vielleicht nicht so klappt und ja, auch die eigene Erschöpfung, die da mit reinspielt. Also ich find, das ist war eine der Na ja, ich ich hab immer, lass mich das anders formulieren. Ich hab immer gesagt, ich wünschte, mir hätte 1 gesagt, was das heißt, Kinder zu haben. Mhm.

Abwuchsvoll. Genau, also viele also die die Ladenlokale oder Standorte der frühen Hilfen sind in Leverkusen in in ja, ich möcht jetzt ungern sagen, sozialen Brennpunkten, aber schon eher so örtlich, so gesetzt, dass einfach Zugang aus vielen verschiedenen Schichten möglich ist. Und natürlich gibt es Mütter, die genauso wie Du und ich denken, oje, jetzt geh ich nicht mehr arbeiten und sitz zu Hause mit Kind. Ich fühl mich vielleicht son bisschen isoliert und möcht mich mit anderen Müttern treffen und austauschen und einfach da 'n Kontakt haben. Und meine anderen Freundinnen haben vielleicht noch keine Kinder oder die Kinder sind eben schon älter und man sucht auch Kontakt zu gleichaltrigen Kindern für sein Kind.

Aber es sind eben auch bei uns Familien, die vielleicht wo die Mütter alleinerziehend sind oder Flüchtlingsfamilien oder Familien, die tatsächlich finanzielle Sorgen haben oder aus 'nem Umfeld kommen, wo ja Schwierigkeiten gerade sind oder Streit mit dem innerhalb der Familie, die dann eben noch mal eine andere Unterstützung auch brauchen. Mhm. Ja, wir hatten ja im Vorfeld auch mal überlegt, ob wir die Folge hier relativ stark auf Mütter mit 1 Borderline Erkrankung ausrichten. Ich hab ja letzte Woche zu dieser Art der Persönlichkeitsstörung eine Folge gemacht, wo ich erst mal informiert hab, worum geht's da? Was sind eigentlich die Symptome?

Wie entsteht so was, ne? Wie fühlt sich das für die Betroffenen an, wie für die Menschen, die mit dem Borderline Erkrankten zusammenleben? Und das ist natürlich, wenn ich mir überlege, wie dieser Mensch schon in seinem Leben, ja, genug Herausforderungen damit hat, sich selber zu managen, sich selber zu steuern, zu lenken, sich zu betreuen, sich zu erziehen, was auch immer, ist das natürlich für mich kaum vorstellbar, wie das ist, wenn so jemand ein Kind bekommt. Und tatsächlich hab ich das in der Praxis auch schon einmal erlebt, dass ich jemand hatte mit soner Diagnose und die hatte 'n kleines Kind und das war eine äußerst schwierige Situation. Begegnet dir das auch?

Genau. Also es ist ja für uns Mütter eine oft schon eine Herausforderung und oder wir kommen, es gibt immer Situationen, wo wir an unsere Grenzen kommen, wo wir nicht mehr können, wo wir erschöpft sind, weil wir Schlafmangel haben, weil das Kind eine blöde Phase hat, weil Zähne kommen, Stillen nicht klappt oder weiß der Geier was. Und Weil wo wir einfach anstrengend ist. Ja, es einfach anstrengend ist manchmal, genau. Und es ist ja so schon schwierig genug sozusagen mit 'nem mit 'nem kleinen Kind.

Und wenn Frauen, die sone Borderlinesymptomatik haben, ja Schwierigkeiten haben, selber ihre Affekte zu regulieren und dann ist da so ein kleiner Mensch, der eben auch reguliert werden möchte und muss, dann ist das eine große Herausforderung, genau. Meine Aufgabe als Psychologin da vor Ort ist auch, die Bindungsfähigkeit zwischen Mutter und Kind eben zu fördern. Und das ist ja auch was, was beim Thema Borderline besonders wichtig ist, denn die Betroffenen haben ja häufig Schwierigkeiten, Beziehungen stabil zu führen und geraten in dieses Schwanken zwischen ganz viel Nähe und ganz viel Distanz und immer hin und her und da die die Bindung zum Kind, eine verlässliche Bindung zum Kind aufzubauen, eben auch wieder mit dem Präventionsgedanken, damit das Kind eben gut aufwachsen kann und nicht solche Schwierigkeiten nachher entwickelt, zum Beispiel in der Affektregulation. Mhm. Weil so werden Dinge ja weitergegeben, ne.

Also wenn mir in der Kindheit niemand eine sichere Bindungsperson war und mir beigebracht hat, wie ist das mit den Emotionen? Was sind Emotionen? Wie kann ich Emotionen regulieren, ne? Wenn ich all das nicht gelernt habe, ist es für mich ja kaum möglich, es weiterzugeben an mein Kind. Genau.

Also da bei manchen Betroffenen fehlt da einfach son positives Muttervorbild, weil da selber vielleicht was gefehlt hat in der eigenen Kindheit. Manchmal ist es aber auch so, dass die Betroffenen sich ganz bewusst darüber sind, was eigentlich gefehlt hat und so ganz bewusst alles anders machen wollen. Und das ist aber auch manchmal schwierig, denn wenn man ja, das ist ja auch 'n Spagat, ne, wenn man jetzt versucht, dem Kind irgendwie alles zu geben und alle Liebe und es zu überschütten und sowieso und überhaupt und sich dann nicht mehr so gut sich selber kümmert. Oder eben auch dem dem Kind dann nicht nicht beibringen kann, dass es vielleicht auch mal etwas nicht bekommt, dass es eben vielleicht auch mal mit Frust umgehen muss und dass man dem Kind zeigen kann, wie das zusammen geht. Das wäre sozusagen auch sone sonen denkbare Szenario.

Ja, klar, eine richtige Überbemutterung, ne, so als Kontrapunkt zu all denen, was was die selber entbehrt haben in ihrer Kindheit, zu sagen, ich mach es grundlegend anders und kommen dann in sone Übermuttergeschichte und machen das Genau. Und der der Gedanke ist ja ganz positiv, ne. Also mir hat was gefehlt und ich möchte, dass meinem Kind nichts fehlt. Das ist ja einen sehr lobenswerter, eine sehr gute, 'n guter Grund für für das Kind. Aber das ist ja gerade die Kunst und eben nicht nur für Mütter mit solchen Symptomen, sondern für uns alle, da irgendwie 'n guten Mittelweg zu finden zwischen Bedürfnis, Befriedigung des Kindes, aber eben auch Erziehung und ja, Befriedigung der eigenen Bedürfnisse und da irgendwie son Mittelweg zu finden und 'n gutes Maß.

Mhm. Und tatsächlich gibt's ja aber auch den anderen Typus, der da entstehen kann von Mutter, ich nenn das jetzt mal so. Ich hab eine Patientin vor Augen, die ich mal in Behandlung hatte. Da war die Mutter eine relativ erfolgreiche Juristin, also die war im Job sehr gut getaktet. Die war aber nach heutigem Stand, was wir erarbeitet haben, eindeutig vom Borderline Typus und zu Hause war die aber, also die Patientin hat ihre Mutter als Monster bezeichnet.

Mhm. Die hat gesagt, das waren Gewalttätigkeiten und das war ein Hass, den sie als Kind erlebt hat. Also wenn die Affektregulation sozusagen nicht greift und Mhm. Der volle negative Effekt von der Mutter aufs Kind durchschlägt, ja, in Form von Hass, da bleibt halt auch wirklich richtig Schaden zurück beim Kind. Genau.

Und wenn wenn deine Patientin dann eben selber ein Kind hat und nicht so richtig weiß, wie das eigentlich geht, überhaupt seine eigenen Gefühle zu reden und dann eben auch noch die Gefühle des Kindes, weil das ist schon unsere Aufgabe als Mutter grade in den ersten Jahren. 'N Kind kommt ja auf die Welt und wenn ob ob's jetzt schreit, weil's Hunger hat oder weil's Angst hat oder weil's kuscheln will, das ist ja erst mal ein und dasselbe ganz oft. Und wir müssen ja herausfinden, was das Kind braucht. Und es wurde sogar herausgefunden, dass Frauen, die so eine Borderlineerkrankung haben, dass das denen etwas schwieriger fällt, beim Kind zu erkennen, was das Kind jetzt eigentlich möchte, also was die die Signale des Kindes richtig zu deuten. Und das fällt den Frauen etwas schwieriger.

Und das ist eben da eine gute Arbeit bei den frühen Hilfen, das son bisschen aufzuzeigen und da gibt es aber auch noch andere ja Programme oder Gruppen, wie heißt es noch mal beim, glaub ich? Okay. Sorry. Kannst jetzt nicht genau sagen. Manche kennen das vielleicht.

Also manchmal machen das so Familienhelferinnen, die vom Jugendamt manchmal den Familien sind. Doch Mateeo heißt das. Die arbeiten auch mit Videodokumentationen und zeigen den Müttern dann, wie der Kontakt ist, wenn die zum Beispiel ihr Kind wickeln oder so. Und da werden die Mütter angeleitet, zum Beispiel Dinge zu benennen, also wenn die Kinder nach was greifen oder sich umdrehen wollen. Also das klingt jetzt vielleicht so selbstverständlich, aber oft ist es das nicht, weil also dann zum Beispiel zu sagen, ja, Du willst dich jetzt umdrehen oder dir gefällt das jetzt nicht, wenn ich dich jetzt grade wasche, weil der Waschlappen kalt ist oder so.

Solche Dinge zu versprach, das ist was, was dem Kind nachher hilft, denn es geht ja darum, die Gefühle, die das Kind hat, auch zu benennen und in eine Form zu bringen, sodass das Kind irgendwann lernt, ah, das, was ich da fühle in meinem Bauch ist Wut oder Traurigkeit oder es ist jetzt einfach unangenehm, aber ich weiß, es geht vorbei. Und das wird in diesem Programm zum Beispiel so etwas angeleitet für, genau. Na, das ist schön, dass Du das mal erklärst, wie konkret das eigentlich passiert, wie ja diese Unterstützungsangebote auf welcher konkreten Handlungsebene, die beim bei der Patientin zu Hause oder bei der Betroffenen zu Hause greifen, ne. Weil ich glaub, was ich ganz wichtig finde, diese Kinder haben ja alle alle Menschen haben ja die gleichen Bedürfnisse, ne. Und auch dieses Kind will ja eine Sicherheit, eine Nähe, eine Liebe erfahren.

Also dieses Bedürfnis ist ja einfach da. Und wenn der Mensch, der die Hauptbetreuungsperson ist, nicht weiß, was sind das überhaupt für Bedürfnisse und woran Mhm. Das? So ganz pragmatisch, ah, aber das Kind möchte sich nur umdrehen. Das kann ja das das kann ja nicht funktionieren.

Und ich find es ganz toll, dass es solche Angebote gibt, wo ja diese Art von Unterstützung gegeben wird. Ja, genau. Also das manchmal ist es eben schon, dass Klar, wir haben alle 'n Handy und wir gucken da auch alle irgendwie rein, aber für die grade für Säuglinge ist so dieser Kontakt, dieser Auge zu Auge Kontakt mit der Mutter oder auch mit anderen Bindungspersonen, aber dieser enge Kontakt und dieses ich lese in deinem Gesicht, ne. Ich ich sehe das, was dein Gesicht macht, total wichtig. Also Säuglinge können ja erst mal, wenn die auf die Welt kommen, auch noch nicht so richtig scharf sehen und sehen in sonem Abstand besonders gut, der so dem Abstand entspricht, wenn eine Mutter ihr Kind stillt.

Mhm. Wie wie sich dann die Gesichter angucken würden, sind so, weiß nicht, 30 35 Zentimeter oder so, da sehen die Säuglinge besonders scharf. Und also sone wirkliche, so diese 1 zu 1 Interaktion und das ist das ist diese Interaktion ist ja so viel mehr als, na ja, mein Kind ist halt sauber, frisch gewickelt, ist satt und hat geschlafen und wir haben genug zu essen, zu anziehen und so die also so pflegerische Sachen sind sozusagen abgedeckt, sondern diese Interaktion, die ist eben besonders wichtig und die ist in den ersten Jahren besonders wichtig und eben auch schon bei ganz, ganz kleinen Babys. Ja, und wenn ich mir vorstelle, wir haben jetzt über die Mütter, die vielleicht ja eine Borderline Diagnose oder Erkrankung haben gesprochen, aber wenn ich wenn Du das so beschreibst und ich stell mir vor, die Du hast jemanden mit 'ner Depression, ja, wo die Mutter einfach in 'ner Depression erkrankt ist. Das, was Du da bespricht, was über das Pflegerische hinauskommt, das kann die ja auch in dem Moment, wo die Erkrankung akut ist, gar nicht leisten, ne.

Genau, das für solch für solche betroffenen Frauen könnte es eben schwierig sein, so mitzuschwingen, ne. Das ist ja son Kennzeichen der Depression, dass der dass der eigene Affekt eben nicht so schwingungsfähig ist, sondern eben niedergedrückt und und dass der dann eben nicht so mitschwingt. Also ich möchte wirklich an der Stelle noch mal sagen, dass Also es Klar arbeiten wir viel mit Müttern, aber wir arbeiten auch mit Vätern oder mit der ganzen Familie und und natürlich ist die Mutter hat auch immer sone Sonderstellung mit sonem Baby. Aber ich finde, wir müssen auch nicht alle Verantwortung zu den Müttern geben, ne. Also wenn ich weiß, okay, ich hab Schwierigkeiten, meine Effekte zu regulieren und wenn ich sauer werde irgendwie, dann dann ah, dann muss ich mich erst mal selber wieder einkriegen und dann bin ich damit beschäftigt und kann mich gar nicht ums Kind kümmern, weil alles so überschießt, ja.

Dann finde ich, kann man schon auch dafür sorgen, es ist, dass zum Beispiel eine andere Bindungsperson da ist, sodass das möglich ist, ne. Oder wenn eine Mutter eben so einen niedergedrückten Affekt hat und dann gibt es eben vielleicht einen Vater, der nicht depressiv ist oder eine Oma oder oder eine Tante, eine Nachbarin. Es gibt eben auch andere Bindungspersonen, die man ja auch als Mutter bewusst installieren kann und wo man sagen kann, okay, ich möchte, ich weiß, ich hab da eine Schwierigkeit oder ich muss vielleicht auch Zeit einfach investieren, meine eigenen gesundheitlichen Sachen so auf die Reihe zu kriegen und damit mein Kind immer gut versorgt ist, sorge ich auch dafür, dass es auch noch andere Bindungspersonen gibt. Kann ja auch eine Entlastung dann für die Mütter sein. Und das ähnelt ja den ja den Maßnahmen, den Plänen, die ich auch mit Mütter entwickle, die bei mir in der Praxis sind wegen Erschöpfungssydweder Art, ob wir die jetzt Depressionen nennen oder irgendwas anderes.

Das ist ja ganz ähnlich. Ich glaub halt nur, wenn sone psychische Grunderkrankung dadrunter liegt, ist es umso wichtiger, dass die Leute schnell und früh Hilfe bekommen, ne, weil es passiert ja so wahnsinnig früh, wenn die Kinder noch so klein sind. Genau, also genau. Da ist eben ein Angebot wären eben diese frühen Hilfen, aber manche Mütter sind vielleicht ja auch selber in 1 ambulanten Psychotherapie und stehen dann aber mit Kind auch noch mal vor der Herausforderung, wie kann ich zum Beispiel an 1 Therapiestunde teilnehmen und vielleicht mein mein Baby mal eine Stunde jemandem anderen geben. In manchen Städten gibt es so organisierte Leihomas zum Beispiel oder es gibt Willkommenspaten in den Städten, die zum Beispiel so was übernehmen könnten.

Das sind mal manchmal meistens ehrenamtliche Mitarbeiter oder eben diese Leihomas sind auch Ehrenamtler, die kriegen nur eine kleine Aufwandsentschädigung oder die Familien müssen vielleicht einen kleinen Anteil bezahlen und die können die Familien unterstützen. Und zum Beispiel bei so was wie, ich möchte, also für mich ist es besonders wichtig, an meiner Therapiestunde teilzunehmen und die ist irgendwie jeden Mittwoch. Und dann kommt die Leihoger und schiebt 2 Stunden den Kinderwagen durch den Wald und in der Zeit kann ich zu meiner Therapeutin fahren und da meine Therapiestunde machen, damit's mir weiterhin gut geht zum Beispiel. Ich mach das auch manchmal, dass wir die Babys mitbringen dürfen, wenn sich nichts findet, aber tatsächlich ist es hat es Einfluss auf den auf die therapeutische Arbeit, ne, weil das geht nicht in der Intensität, wenn dann noch ein Baby mit im Raum ist, was dann doch zwischendurch wach wird und nach Aufmerksamkeit verlangt. Genau, ich hab das auch in der ambulanten Behandlung mit Müttern oft gemacht, dass die erst mal ihre Babys mitbringt.

Grad am Anfang, wenn die noch viel schlafen, geht das noch ganz gut. Und vor allem kann man dann ja auch noch mal so gut beobachten, wie eigentlich die Interaktion zwischen Mutter und Kind ist. Weil manchmal fühlen sich die Mütter auch ja überfordert und ganz ausgelaugt und durch den Schlafmangel und so weiter. Und wenn man dann aber die Mutter mit dem Kind zusammen sieht, sieht man, dass sie vielleicht eine ganz schöne Interaktion und dann kann man die Mütter auch erst mal entlasten und sagen, nee, sie machen das total gut mit ihrem Kind. Mhm.

Aber sie fühlen sich trotzdem müde und erschöpft, aber seien sie sich sicher, das ist erst mal schon in Ordnung so, ne. Das find ich ja auch immer erst mal schön zu beobachten. Aber Du hast natürlich recht, wenn die Kinder älter werden, mobiler werden, dann wird's schwierig mit mit 'nem Krabbler irgendwie im Therapieraum und dann ist es irgendwie gut, wenn die Familien oder wenn die Mütter dann eine Unterstützung haben, sodass sie an der Therapie weiter teilnehmen können. Mhm. Das ist auch aus meiner Erfahrung als Mutter jetzt erst mal 1 der wichtigsten Dinge, dass man ein gutes Netzwerk braucht für solche Dinge, aber auch, einfach auch mal Zeit für sich zu haben.

Oder wenn man das Bedürfnis hat, hey, ich muss hier jetzt grad mal raus, dass man das irgendwie gestemmt kriegt, dass es irgendjemand im Umfeld gibt, dem man sagen kann, nimm jetzt doch das schlafende Baby mal eben 20 Minuten unter deiner Aufsicht, ich muss mal eine Runde 'n Block. Genau. Sag mal, was passiert denn, wenn Du in den frühen Hilfen siehst, na ja, das mit der Bindungsfähigkeit, hier, das ist grenzwertig oder das, was Du da siehst bei der Mutter in dem Fall? Väter kommen zu euch nicht, ne? Doch, zu uns kommen auch Väter.

Also wir haben sogar auch Angebote extra für Väter. Zum Beispiel in Sommerferien gibt's öfters so Väterausflüge, wo dann tatsächlich auch extra nur die Männer mit den Kindern, die sind dann aber meistens schon so zwischen anderthalb und 3, teilnehmen. Aber in dem Gravelgurken hatten wir auch irgendwann mal wieder Väter oder auch Opas, die dann mit den Kindern gekommen sind. Okay. Ich wollte eigentlich fragen, ich bin noch vorm Kurs abgekommen, was was machst Du denn, wenn dir auffällt, na ja, hier haben wir jemanden, die Mutter ist vielleicht in irgendeiner Form überlastet oder das mit der Bindungsfähigkeit scheint doch irgendwie schwierig zu sein.

Was passiert dann? Also das ist tatsächlich genau genau die Herausforderung eigentlich an meinem Job da, weil ich hab da, ich bin da nicht als Therapeutin so, ne, und kann da nicht sagen, ja, aber gucken Sie mal und so, weil ich hab keinen therapeutischen Auftrag. Und das ist ein sehr niederstelliges Angebot, das heißt, es ist freiwillig, jeder kann kommen. Und wenn ich jetzt zum Beispiel in 'ner Krabbelgruppe so was beobachte wie, ja, Mutter guckt die ganze Zeit ins Handy irgendwie und das Kind versucht, die Aufmerksamkeit der Mutter zu gewinnen mit ganz tollen Sachen, kann sich auf einmal hochziehen oder kann auf einmal irgend 'n Steckspiel machen oder bei weiß der Geier so was. Mhm.

Und die Mutter guckt aber die ganze Zeit nur ins Handy und ist überhaupt nicht im Kontakt mit dem Kind. Ja, dann hab ich es immer so gehandhabt, dass ich das so stellvertretend übernommen hab und dann immer gesagt hab, guck mal, jetzt macht sie das und das. Guck mal, nee, das kann sie auch schon. Schau mal, boah, das macht sie aber gut. Also dass die Mutter noch mal son Gefühl dafür kriegt, was macht mein Kind da jetzt eigentlich?

Und son bisschen wegkommt von von dem, was was sie da grade im Handy macht, so. Also das heißt, Du bist wie 'n positives Rollenmodell, ja, gehst Du dann vor und machst ihr sozusagen, ja, zeigst ihr, wie könnte man auf das Kind jetzt reagieren und was wäre situations angemessen oder situationshilfreich hier jetzt grade? Genau. Genau, weil wenn ich jetzt eine, sagen wir mal, die Mutter ist jetzt das 1. 2.

Mal in der Krabbelgruppe, wenn ich jetzt auf die zugehe und sage, Du, das ist aber, ne, das musst Du jetzt so und so machen, dann Also ich will die Mutter ja erstens nicht verschrecken und zweitens darf ja auch erst mal jeder irgendwie kommen und auch mit seiner Überforderung kommen. Und es darf auch jeder erst mal kommen und uns die Kinder in die Hand drücken und sagen, ach, jetzt halt Du die einfach zieh mich nur mit dem Feld, so, ne. Ich muss jetzt mal grade irgendwie mein Brötchen essen, ohne 'n Kind aufm Schoß oder so. Also wir sind schon auch ja dazu da, auch erst mal eine gewisse Entlastungssituation so zu schaffen. Kommt bestimmt auch welche, die total verzweifelt sind, oder?

Also was ist denn wenn so richtig, hattest Du das schon, dass da jemand steht und sagt, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr? Also ich hatte es in meiner Zeit da jetzt nicht, sondern eher so, dass die Mütter aber, also die ich dann auch über Wochen oder Monate schon begleitet hab in diesen Kravegruppen oder beim Frühstück immer wieder eben einfach so Wochen oder Tage hatten, wo die einfach son Einknicke hatten, ne. Also wo einfach irgendwie die Nächte schlecht waren und dann ist irgendwie vielleicht auch noch mit dem Partner was passiert oder was anderes und oder eben aus aus der eigenen Herkunftsfamilie, Streitereien oder Weiß der Geier. Und dass die dann in soner Erschöpfung angekommen sind und wenn die Mütter schon länger kommen, dann kann man das ja anders einschätzen, wenn die dann einmal son, also son Hänger haben. Wenn jetzt jemand sagt, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, also es ist jetzt bei mir nicht vorgekommen.

Also weil häufig ist es ja schon so, hey, komm mal hier an, ich nehm dein Kind, Du setzt dich jetzt erst mal hin, ess mal 'n Brötchen, trink mal 'n Kaffee, atme mal tief durch, ne. Und dass sich alles erst mal son bisschen beruhigt. Häufig oder was was ja häufig in in Therapien, in in Kliniken oder in in Gruppen auch häufig der Fall ist, dass es da bei den Müttern auch so. Es gibt da Und da bin ich da bin ich persönlich immer sehr für, also auch aus meiner eigenen Erfahrung als Mutter. Ich bin immer für sone Müttersolidarität.

Ich find das ganz schlimm, wenn aufm Spielplatz irgendwie ein Kind irgendwie sich total, weiß ich nicht, daneben benimmt und alle gucken weg und sagen, ja, ist ja nicht meins so, ne. Also irgendwie müssen doch wir Mütter alle zusammenhalten, find ich. Und Ja, okay. Und das passiert da aber häufig in den Gruppen, dass dann dass dann da jemanden gibt, der sagt, hey, das war bei mir auch schon mal so. Oder hey, solche Nächte kenne ich und Du, bei mir hat das und das geholfen oder so.

Also, dass ich die Mütter auch gegenseitig einfach unterstützen und auffangen. Ja, das das erlebe ich da und dafür ist natürlich son Kontaktangebot auch da. Ja, also ich find, das war 'n ganz schöner Appell und das bringt uns auch schon son bisschen zum Schlusswort. Und ich find das, ich würd da gerne noch neben diesen Mütter sollten zusammenhalten, auch noch mal daran appellieren, dass wenn Mütter sich in soner Überforderungssituation fühlen, dass sie sich Hilfe holen sollen. Und dazu ist natürlich son Angebot wie die frühen Hilfen, so wie er es anbietet, in Leverkusen eine tolle Sache.

Das kann natürlich auch 'n therapeutisches Angebot sein oder Erziehungsberatungsstellen. Es gibt ja wirklich in jeder Stadt Möglichkeiten, Anlaufstellen, die erst mal kein Geld kosten und wo man erst mal aufgefangen wird. Und Genau. Und auch also auch das Jugendamt in den Städten, dass viele Familien haben da sone Angst vor und wenn die Jugendamt, könnt ihr immer, oh Gott, oh Gott, mein Kind wird mir weggenommen. Aber so ist es ja Und die, es gibt eben, wie Du schon gesagt hast, Erziehungsberatungsstellen, auch städtische Erziehungsberatungsstellen, die vielleicht ans Jugendamt angegliedert sind.

Und wenn da also eine Familie kommt und sagt, wir brauchen Hilfe, wir sind an der Stelle überfordert, dann bekommen die die. Also und da kriegt auch keiner sein Kind weggenommen, sondern das ist ja eher positiv, wenn man sagt so, das und das, da brauch ich vielleicht eine Unterstützung oder eben je wie zum Beispiel sonen Paten oder der einfach, ja, manchmal sind das ja so kleine kleine Dinge. Einfach mal kommt, eine Stunde mit dem Kind spielt und ich kann einkaufen gehen oder so. Ja, und ich kann aus meiner Psychotherapeutenerfahrung sagen, dass ich das auch genauso unterstütze und dass ich versuche, meine Mütter in ein Netzwerk zu bringen von erst mal anderen Menschen, die sich solidarisch zeigen, andere Mütter, aber auch Freundinnen ohne Kinder, die Männer natürlich mit ins Boot holen, wenn sie noch nicht im Boot sind, ne. Und dann natürlich auch wirklich son Helfersystem, Also wenn jemand wirklich schwer depressiv ist oder jemand eine Erkrankung hat, da müssen einfach andere Personen mit an Bord, die diesen Ausfall der Personen ja kompensieren in irgend 'ner Form.

Weil die kann ihren Erziehungs- und und Schutzauftrag eben in im Augenblick in den Akutphasen nicht wahrnehmen. Und das braucht Unterstützung. Ja, und da gibt es doch auch dieses afrikanische Sprichwort, das fällt mir da ein an der Stelle. Es braucht ein ganzes Dorf, ein Kind zu erziehen. Das find ich so ganz schön, weil ja, es hängt eben nicht alles nur an uns Mütter.

Genau, es hängt eben nicht alles nur an uns Mütter. Es fühlt sich nur manchmal so an, kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Vielleicht auch aus meiner eigenen Anspruchshaltung heraus, ne, weil ich's auch nicht anders gelernt hab, weil ich auch das klassische Rollmodell zu Hause bekommen hab. Aber ich find das Bild mit dem Dorf einfach auch wunderschön und schon singt so die Verantwortung des Einzelnen. Und ja, es können halt einfach Dinge kompensiert werden und es kommen noch andere Stärken von Menschen hinzu, die man selber auch gar nicht hat, weil man kann ja nicht alles für das Kind sein, alles für das Kind tun und immer wissen, was das Richtige ist.

Genau. Ja, schön. Gibt's noch irgendwas, was Du noch sagen möchtest am Ende des Interviews? Ja, okay. Gut.

Elke, dann danke ich dir ganz herzlich für deine Erklärung und ja, dass Du uns Einblick in die tolle Arbeit, die Du da machst, gewährt hast. Und ich ja, setz dann an dieser Stelle einen Punkt und freu mich drauf, dass wir uns bestimmt in den nächsten Jahren zu einem anderen Thema mal widersprechen. Sabine.

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