Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude. (Dietrich Bonhöffer) In dieser Folge erfährst du, wie loslassen und Abschiednehmen gelingen kann und welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest. Mehr Infos zu mir unter www.sabinebimmler.de.
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Hey, hallo. Herzlich willkommen bei Reif für die Couch, dem Podcast für alle Erschöpften, deren Leben leichter werden darf. Mein Name ist Sabine Bimmler, ich bin systemischer Coach und Psychotherapeutin aus Köln und Host dieses Podcasts. Das heutige Thema, über das ich gerne mit euch sprechen würde, ist das Thema Abschied und Loslassen. Und das geht auf einen Zuhörerwunsch zurück.
Und zwar hat mich jemand angeschrieben und hat mir erzählt, dass es in ihrem Leben grad so weit ist, dass sie sich von etwas verabschieden muss, was sie sehr mag. Und das war in diesem Fall das Singen in einem Chor. Und dieser Abschied aus dem Chor, dieser Abschied von diesem geliebten Hobby, dieses Thema Loslassen, fällt ihr sehr schwer und sie wünscht sich Inspiration und die versuch ich mit dieser Folge zu geben. Abschiede gehören zum Leben dazu. Wir müssen so vieles verabschieden in unserem Leben.
Menschen, Lebewesen, Orte, Ideen, Ziele, Gewohnheiten, Fähigkeiten. Das Thema Trauer, Trauer über Lebewesen, andere Menschen oder Tiere, die wir verlieren, ist sicher noch noch mal ein eigenes Thema, aber Du kennst das, wenn Du an einem besonders schönen Ort länger gewesen bist, vielleicht nur im Urlaub, vielleicht hast Du aber auch irgendwo gewohnt und Du ziehst und Du musst diesen Ort verlassen. Das bringt Traurigkeit mit, Wehmut in den meisten Fällen und ist ein Abschied. Aber auch Fähigkeiten, die wir im Laufe unseres Lebens gewonnen haben, verabschieden sich manchmal, zum Beispiel im Alter. Das Altern an sich ist ja sowieso ein kompletter Prozess des Loslassens, Während wir, wenn wir klein sind und in die Jugend kommen, immer noch dabei sind, Fähigkeiten aufzubauen, so kommen wir irgendwann an unserem in unserem Leben an einem Punkt, wo die Waage kippt und wir wieder anfangen, Fähigkeiten zu verlieren.
Ganz spürbar beim Hören oder beim Sehen, wenn man älter wird, irgendwann hören die meisten älteren Menschen auch auf, Fahrrad zu fahren. Und da sind jede Menge Abschiede angesagt. Und damit ist schon klar, dass Abschied ein großer Teil unseres Lebens ist. Abschiede können sehr unterschiedlich verlaufen, manche sind sehr plötzlich, wir rechnen gar nicht damit. Und hier, wie in diesem Fall, hat der Abschied, ja, es war klar, dass er sich irgendwann aus dem Chor verabschieden muss.
Man hat den Sie hat den Abschied kommen sehen und trotzdem kommt ein ganz, ganz großes Gefühl der Trauer und der Traurigkeit beim Loslassen. Und Trauer und Traurigkeit, das ist die Emotion, die den Prozess des Verabschiedens begleitet. Und ohne Traurigkeit kann kein Abschiedsprozess stattfinden. Das heißt, dieses Gefühl, was wir häufig gar nicht haben wollen, was wir als schmerzhaft erleben, als unangenehm, welches wir möglichst schnell wieder weg haben wollen, ist für den Prozess, damit er gut funktionieren kann, lebensnotwendig. Deswegen ist der Satz, ach komm, sei nicht traurig, auch aus meiner Sicht ein Satz, der uns in die Irre führt.
Eigentlich sollte er heißen, ja, sei traurig. Sei traurig und gestaltet mit dieser Traurigkeit deinen Abschiedsprozess. Und dann wirst Du irgendwann an einen Punkt kommen, wo Du den Abschied, ja, akzeptieren kannst, in deine Biografie integrierst, wo Du ihn annehmen kannst. Traurig sein bei Abschieden ist so wichtig und diese Traurigkeit braucht Raum und Zeit. Früher gab's im Gegensatz zu heute ja auch das sogenannte Trauerjahr, wenn jemand verstorben war, der Ehemann oder die Ehefrau.
Und ein Jahr ist für uns heute fast ein unvorstellbarer Zeitraum, weil Menschen, die jetzt einen lieben Menschen verlieren, gehen häufig nach 2 Wochen wieder arbeiten. Und in diesem Trauerjahr damals war sozusagen dieser Person alles erlaubt. Es war wie ein Jahr der, ja, absoluten Freiheit, nicht funktionieren zu müssen. Sondern in Trauer sein zu dürfen, damit dieser Trauerprozess gelingt. Denn Trauer ist Heilung.
Und das ist schon ein ganz wichtiges, ja, Umdenken in puncto Trauer. Während viele Trauer als etwas Schmerzhaftes, Unangenehmes betrachten, schlage ich vor, anzunehmen, dass ein Prozess der Trauer, ein Prozess der Traurigkeit ein Heilungsprozess ist. Und zu heilen, brauchst Du eben die Zeit und Du brauchst die damit verbundenen Emotionen. Häufig tauchen beim Abschied und Loslassen auch noch andere emotionale, ja, Färbungen auf, wie zum Beispiel Wut oder auch 'n sehr starker Zweifel, 'n sehr starker Schmerz, 'ne Verzweiflung. Auch das können emotionale Begleiter sein und auch die brauchen einen Raum, denn sie haben einen Grund, sie müssen gewürdigt, angeschaut werden, verstanden werden.
Du weißt ja, mein Credo ist, dass alle unsere Gefühle immer eine Botschaft mitbringen. Das heißt, schau dir an, warum Du so wütend bist. Schau dir an, warum Du so verzweifelt bist. Es hilft dir dann, das Gefühl anzunehmen und in die Akzeptanz zu kommen von dem, was dieses Gefühl dir an Botschaft mitbringt. Wehmut ist auch eine besondere emotionale Tönung von Abschieben.
Und was an Wehmut sich so anders anfühlt an der als an der klassischen Traurigkeit, ist, dass die Sehnsucht nach den schönen Momenten, die man mit dem, ja, zu betrauernden Menschen oder Ereignis in Verbindung bringt. Die Erinnerung an das Schöne steht im Vordergrund. Und dann komme ich nicht so sehr in eine Traurigkeit, sondern dann komme ich in eine Gefühlstonation, die wir eher Wehmut nennen. Und auch Wehmut hat eine Funktion, aber da ist das W drin, da ist der Schmerz drin und da ist auch die Traurigkeit drin. Es ist so eine Mischung.
Wenn Du etwas loslassen musst, wenn Du dich von etwas verabschieden möchtest, macht es total Sinn, einmal auf deine Biografie des Loslassens zu schauen. So nenn ich die jetzt mal. Jeder von uns hat eine Geschichte mit Abschieden, die im Leben stattgefunden haben. Das sind Abschiede. Jeder kennt diese Szene, wenn man Kinder in den Kindergarten bringt und die wollen nicht von ihren Eltern getrennt werden in bestimmten Phasen, wie die dann rebellieren an der Tür, wie die schreien und sich quälen.
Häufig ist das für Kinder, auch bei der Tagesmutter oder bei den Großeltern abgegeben zu werden, der 1. Richtige Abschied. Das erst richtige Ereignis, wo es darum geht, loslassen zu lernen. Und wer diese Szenen kennt, der weiß, dass da bei vielen Kindern häufig sehr viel Energie drauf sitzt und dass das ein sehr dynamischer Prozess ist, der auch geradezu von, ja, Verzweiflung trotz Schmerz geprägt ist. Das sind sozusagen die ersten Abschiede, die wir haben.
Und dann kommen in der Biografie Umzüge. Man verlässt den Kindergarten, geht zur Grundschule, von der Grundschule auf die weiterführende Schule. Abschiede, die stattfinden. Mitschüler, die wir verabschieden, Lehrer, die wir verabschieden. Dann fangen wir vielleicht bestimmte Hobbys an und verabschieden uns irgendwann wieder aus dem Kreis von Menschen, die das Hobby mit uns geteilt haben, aber auch von dem Hobby an sich.
Das heißt, wir alle haben von frühester Kindheit an eine Biografie des Abschieds und des Loslassens. Und jeder Abschied, und des Loslassens. Und jeder Abschied hinterlässt in uns eine Spur. Wir lernen ja letztendlich auch, dass Abschied nehmen. Und wie bei allen Lernprozessen ist die Frage, wie werden wir dabei begleitet?
Wie lebt man uns das vor? Wie bringt man uns das bei? Wie geht man mit uns wenn wir in diesen Situationen sind? Und dadurch bedingt sich natürlich, ob deine Biografie der Abschiede des Loslassens eher eine, ja, positive Entwicklungs- und Lerngeschichte ist oder ob Du vielleicht, ja, dadurch, dass Du nicht gut unterstützt, begleitet wurdest, dadurch, dass Du keine guten Vorbilder hattest, eher stagniert hast. Und in sonem kindlich regressiven verzweifelten Abschied nehmen, hängen geblieben bist ein Stück weit, weil die Entwicklung nicht stattfinden konnte.
Es macht total Sinn, sich mit der eigenen Biografie des Loslassens mal zu beschäftigen, vielleicht auch Eltern zu befragen, Geschwister zu befragen. In den näheren Vergangenheit, ne? Ich weiß ja nicht genau, wie alt Du bist, aber auch da wird es Abschiede geben und da kannst Du schon sehr viel selbst drüber reflektieren. Aber wie immer sind natürlich auch prägende Erfahrung in der Kindheit und Jugend wichtig. Weil jeder eine so individuelle Biografie des Loslassens der Abschiede hat, ist seine Traurigkeit und sein Verarbeitungsprozess und wie er trauert, hochindividuell.
Jeder auf seine Weise. Es gibt keine Anleitung, wie es richtig geht und viele Menschen wünschen sich das. Das einzige, von dem ich behaupten würde, dass ich glaube, dass universell für uns alle gilt, wir dürfen mit dem Vertrauen in den Prozess reingehen, dass unser Körper, Seele, Menschsystem alles hat, was es braucht, Abschiede zu verarbeiten. Wir tragen alles in uns an Ressourcen, was wir benötigen, diesen Prozess für uns Schritt für Schritt zu durchlaufen und hinterher zu einem entlastenden Ergebnis zu kommen. Und ansonsten Trauer, wie es dir entspricht.
Manche heulen, manche schreien, manche sind introvertiert, manche brauchen Austausch, andere nicht. Manche sind schnell, manche sind langsam. Nimm dir deine Freiheit, so zu trauern und so den Abschied zu verarbeiten in deinem Tempo, wie es dir entspricht. Und führt dir immer wieder vor Augen, wenn gute Ratschläge aus deinem Umfeld kommen, dass es keine richtig richtige Art und Weise zu trauern und richtige Art und Weise zum Abschied nehmen gibt. Die gibt's einfach nicht.
Viele Menschen kommen mit diesen Tipps, weil es so unangenehm ist. Also gerade die Menschen, die dich sehr mögen, wollen dich ja nicht leiden sehen. Deswegen ist es auch hier wichtig, dass Du dieses andere Bild, nämlich zu sagen, ich bin nicht unglücklich, sondern ich bin traurig, ich bin aber in einem Heilungsprozess, ich bin in einem Verarbeitungsprozess, dass Du denen das auch mitgibst, damit die das besser aushalten können und dich dort auch in Ruhe lassen können. Traurigkeit und Trauer, die für den Abschied notwendig ist, wegzudrücken und zu verdrängen, ist keine gute Idee. Ich nutze da häufig die Metapher von so einem Wasserball, den kennst Du vielleicht noch.
Das sind diese Bälle, die häufig mit Sonnenmilch und Sonnenschutzcreme zusammen verschenkt werden, die man aufblasen kann und dann hat man im Pool oder am Strand so einen leichten Wasserball, mit dem man im Wasser spielen kann. Und wenn wir anfangen, Trauer und Traurigkeit wegzudrücken, ist das ein bisschen so, als würden wir versuchen, mit 1 Hand einen solchen Wasserball unter Wasser zu drücken. Und wenn Du dich erinnerst, wenn Du schon mal mit sonem Ball gespielt hast im Wasser, wo man sich auch so drauflegen kann, das ist nicht so einfach. Man muss sehr gut das Gleichgewicht halten, den Ball unter die Wasseroberfläche zu bringen. Selbst mit 2 Händen ist das relativ schwierig und die Krux es, wenn Du nicht aufpasst, dann kommt dieser Ball mit einem, ja, unvermittelten, heftigen Schuss nach oben und so ist es mit Trauer und Traurigkeit auch.
Wenn Du ihnen keinen Raum gibst, wenn Du sie wegdrückst, dann holen sie dich irgendwann völlig unvermittelt und recht heftig wieder ein. Weil dann dein ganzes System möchte ihr Abschied vollziehen. Es weiß ja, dass Abschied dran ist. Und deswegen wird es immer wieder dahin zurückkommen, weil unser ganzes System auf Selbstheilung eingestellt ist. Und wir blockieren.
Wir blockieren es manchmal, weil wir diese unangenehmen Emotionen, die so notwendig sind, nicht haben wollen. Wenn Du deine Biografie des Loslassens mal bearbeitest, ist es auch sehr spannend, dich zu fragen, was hab ich eigentlich für Metakognition über Trauer? Und über den Abschied und über das Loslassen. Metakognition ist sozusagen, was Du über den Prozess selbst denkst, nicht in der Situation. In der Situation denkst Du vielleicht, ich kann das nicht, ich schaff das nicht, es tut so weh.
Das ist der einzelne Gedanke. Die Metakognition ist, dass Du zum Beispiel denkst, ich bin nicht gut in Abschied nehmen. Abschied nehmen ist etwas ganz Schwieriges. Abschied nehmen braucht unendlich viel Kraft und Zeit. Das heißt, Du setzt sozusagen zu dem Thema Loslassen und Abschied nehmen Grundannahmen.
Häufig sind diese Grundannahmen nicht unbedingt hilfreich, wenn Du sagst, Huh, Loslassen Abschied ist für mich 'n schwieriges Thema. Häufig sind diese Grundannahmen über das Abschiednehmen nicht sehr hilfreich. Ich hatte vorhin schon ein Beispiel, also Abschied nehmen ist ein sehr schmerzhafter Prozess, wäre eine Metakognition. Eine hilfreiche Metakognition wäre Abschied nehmen ist ein notwendiger Heilungsprozess. Viel hilfreicher und öffnet dem Prozess die Tür, wobei der andere eher sozusagen ein blockierende, eine blockierende Metakognition ist.
Viele denken auch, die Traurigkeit wird immer schlimmer, wenn man sie zulässt. Auch das glaube ich nicht. Auch hier, glaube ich, wären andere Metakognitionen hilfreicher, nämlich wenn man der Traurigkeit der Trauer ihren Raum gibt, dann wird sie sich mit der Zeit abschwächen. Das wäre wiederum eine hilfreiche Metakognition. Und Du siehst schon, ich rede nicht davon, was ist wahr und was ist nicht wahr, was ist richtig, was ist falsch?
Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich von dieser Art von, ja, Einkategorisierung nicht viel halte, sondern die Frage ist immer, welche Kognition ist hilfreich? Wir können relativ frei über verschiedene Dinge denken, weil wir gar nicht wissen, was richtig falsch war, unwahr ist. Und deswegen bin ich ein Freund davon, sich immer den Gedanken zuzuwenden, die die eigenen Prozesse hilfreich unterstützen. Also schreib deine Biografie des Loslassens. Welche Metagedanken hast Du zum Thema Abschied und Loslassen?
Welche Art von Bewertung hast Du? Lassen? Welche Art von Bewertung hast Du? Was für eine Form von Selbstgesprächen führst Du in Abschiedsprozessen? Bist Du eher derjenige, der sich ständig oder diejenige, die sich ständig sagt, ach, es ist so schlimm und ach und ich kann das nicht und ach und ich vermisse die so und das kann ein dauerhaftes Selbstgespräch sein, was wiederum eher nicht hilfreich und prozessförderlich ist, ne?
Sondern da wäre dann wieder eher ein Selbstgespräch angesagt. Das heißt, von Noch tut es sehr weh, aber es wird bestimmt bald besser werden, ne? Viel realistischer und zukunftgewandt nach vorne. In der Biografie des Loslassens findest Du übrigens wahrscheinlich auch hilfreiche Aspekte für, ja, Unterstützung, die dir guttut. Also bist Du eher jemand, der lieber mit anderen im Gespräch trauert?
Bist Du eher jemand, der introvertiert trauert? Was hilft dir vielleicht grade am Anfang von Trauerprozessen, was eher am Ende? Auch diese Fragen, ne, welche Trauerprozess in meinem Leben hab ich ganz gut hinter mich gebracht und was war besonders hilfreich, sind spannende Fragen. Neben dem Trauer, Traurigkeit, der Prozess des Abschieds nehmen ist ein Heilungsprozess, gibt es natürlich immer auch die Möglichkeit, Abschied mit 1 Art Aufbruch zu verknüpfen, ja? Ein Abschied ist auch ein Anfang.
Immer wenn etwas geht, entsteht Raum für etwas Neues. Und einem Anfang und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagt Hermann Hesseer. Man kann es auch eine Art von Prüfung nennen. Man kann es eine Art von Wachstumsschritt, Entwicklungsschritt nennen, ein Schritt des Wandels. Man kann sich an die Natur erinnern, wo die Bäume jedes Jahr die Blätter fallen lassen, sich zu erneuern, wo sie etwas loslassen müssen, damit Raum für Neues entsteht.
Auch solche Metaphern helfen, ja, den eigenen Prozess als etwas Notwendiges, heilsames, entwicklungsförderndes zu begreifen. Es gab mal eine oder vielleicht gibt's sie sogar noch, ich weiß es gar nicht, eine Kollegin von mir tiefenanalytisch geprägt, die Verena Kast, die hat mal gesagt, Menschen sollen dazu ermutigt werden, abschädlich Leben zu lernen. Das find ich auch eine sehr schöne Idee, weil es noch mal sehr deutlich macht, dass unser Leben aus so vielen Abschieden von allem Möglichen besteht, dass gerade das Thema Abschied nehmen eigentlich eine Lernaufgabe ist, die wir vielleicht auch sehr früh in unserem Leben, Kindergarten, Schule und so weiter, lernen sollten. Ich glaube ja dass wir viel in der Schule lernen, also und jetzt meine Kinder, aber ich früher auch, was ich im Leben nie wieder brauche. Aber ehrlich gesagt, absichtlich leben zu lernen, wäre sehr spannend gewesen, weil ja relativ schnell auch in meinem Leben die ersten Abschiede stattgefunden haben.
Zum Beispiel im Jugendalter, wo man sich in dem Thema in der Schule auseinandersetzen könnte, die 1. Liebe. Sie tut ja sehr weh. Das Thema Liebeskummer ist ja ein ganz besonderer Abschied und gerade, wenn man es in der Jugendzeit zum ersten und zum zweiten Mal durchmacht. Wie schön wäre es gewesen, wenn dann so lebensnahe Themen vielleicht auch im schulischen Kontext, ja, besprochen, mit Wissen unterfüttert, mit verschiedensten Dingen verbunden, an mich herangetragen worden wäre.
Ist leider nicht, stattdessen musste ich Kurven diskutieren, das war furchtbar. Dann würde ich gerne ein weiteres Zitat schon sehr zum Abschluss der Folge bringen, was ich aber wunderschön und total hilfreich finde. Das ist von Dietrich Bonhöffer und der sagt, je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude. Und tatsächlich ist der Blick beim Abschied, beim Loslassen ganz häufig sehr fixiert auf das, was Du verloren hast.
Und was er hier in seinem Zitat vorschlägt, ist ja, eher auf das zu gucken, was noch ja, was diese Sache, dieser Mensch, was immer Du auch verabschieden musst, dir für dein Leben gegeben hat. Für die Zeit, wo es ein Bestandteil deines Lebens war. Also dankbar da hingucken, dass man zum Beispiel mit einem Menschen eine Und Und tatsächlich ist auch in Trauerprozessen, wenn man Menschen in Trauerprozessen begleitet, dieser Moment, wo sie es schaffen, zögerlich die ersten Gedanken der Dankbarkeit zu denken über denjenigen, der verstorben ist. Ein wirklich wichtiger Wendepunkt in der, ja, Akzeptanz und in der Verarbeitung des traurigen Ereignisses. So, eine relativ lange Folge mit 22 Minuten.
Das waren meine Gedanken zum Thema Abschied und Loslassen und ich hoffe natürlich, dass die Zuhörerin, bei der es jetzt darum geht, das Thema Chor, Singen, dieses geliebte Hobby loszulassen, dass das etwas, ja, dass hier Impulse drin waren, die dir helfen, in diesem Prozess weiterzukommen. Und falls Du auch grade in einem Trauer- und Abschiedsloslassprozess ist, hoffe ich da auch, dass für dich etwas dabei gewesen bist, ist auch wenn Du dir diese Folge nicht explizit gewünscht hast. In diesem Sinne sage ich für heute tschüs und ja, wünsche dir noch eine wunderbare Restwoche.
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